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Rezension Jeremy Rifkin Wie die Wirtschaft 2050 funktionieren sollte

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Junge Menschen gehen den Weg bereits
Jeremy Rifkin ist auch Berater der EU. Quelle: action press

Jeremy Rifkin ist auch Berater der EU.

(Foto: action press)

Um dem eines Tages gerecht werden können, brauche es auch eine andere Schulausbildung. Jahrzehntelang waren Schulen „Miniaturversionen der Fabriken“, in Zukunft gebe es laut Rifkin weniger Frontalunterricht: „Wissen ist hier keine Ansammlung objektiver Phänomene, sondern vielmehr Erklärung gemeinsamer Erfahrungen, die wir miteinander teilen.“ Nach Wahrheit zu suchen bedeute, Zusammenhänge durch Interaktion mit anderen Menschen zu entdecken.

Gerade mit dem Internet groß gewordenen jungen Menschen würden sich durch ein hohes Maß an Empathie auszeichnen: „Hunderte Millionen junger Menschen wirken im Internet aktiv an dezentralen sozialen Netzen mit, opfern Zeit und Sachkenntnisse, in der Regel umsonst“, schreibt Rifkin. Wobei er hier vergisst zu erwähnen, dass nicht alle User von sozialen Netzwerken selbstlos handeln und Gutes im Sinn haben.

Auch die Art zu leben ändere sich, denn das Sammeln von Besitz sei nicht mehr die treibende Kraft: „Wieso sollte noch jemand etwas besitzen wollen in einer Welt ständiger Upgrade?“

Auch wenn die grundlegende Richtung dieser Feststellung wohl richtig ist, würde diese Frage so mancher Ehemann einer Schuhfetischistin wohl anders beantworten als Rifkin es täte. Wir Menschen sind genetisch gesehen eben schon noch Jäger und Sammler. Und es gibt immer noch Millionen Freunde einer Privatbibliothek – trotz Kindle und iPad. Und auch beim Thema Auto dürfte die emotionale Ebene (der eigene Porsche) auch in Zukunft über die Vernunft (stundenweise Autos mieten) siegen.

Natürlich sind Rifkins Ideen nicht alle brandneu. Spannend ist es zu lesen, wie er sie in den vergangenen Jahren mit Politikern und hochrangigen Vorstandschefs besprochen und weiterentwickelt hat. Und es macht Hoffnung, erfolgreiche Unternehmen kennenzulernen, deren Geschäftsmodell schon dem der dritten industriellen Revolution entspricht. 

Damit meint Rifkin Projekte wie „Buzzcar“ in San Francisco: Dem Geschäftsmodell liegt die Annahme zugrunde, dass Millionen US-Fahrzeughalter ihr Auto nur ein bis zwei Stunden am Tag nutzen, in Deutschland dürfte es noch weniger sein. Dem will man mit einer extremen Form von Carsharing gerecht werden. Probleme gibt es weniger auf der Nachfrageseite, sondern bei Versicherern.

Wie schon in den Vorgängerbüchern macht es auch diesmal Spaß, Rifkin zu lesen. Das liegt an seinen pfiffigen Sprüchen, dem angenehmen Schreibstil und der hohen Verständlichkeit. Aber es liegt auch an der guten Laune, die er verbreitet. Hier geht gar nichts vor die Hunde, wir Menschen schaffen das schon, so die Botschaft.

Ihn beseelt der Glauben an die Empathiefähigkeit der Menschen: „Empathie ist die Bereitschaft, das Bemühen der anderen Kreatur am Leben zu bejahen.“ Die gängige Forschung bestätigt ihn mit der Feststellung, dass Empathie keine neue, sondern eine alte Sensibilität ist. Vielleicht beschimpften den Film „Avatar“ nach dem Besuch im Kino auch deshalb so viele alte Leute als „kitschig“, während es viele Jüngere mit dem Naturvolk hielten.

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5 Kommentare zu "Rezension Jeremy Rifkin: Wie die Wirtschaft 2050 funktionieren sollte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Auch wenn J. Rifkin in seinem Buch "Die dritte Industrielle Revolution" Fragen unbeantwortet lässt, so ist es m.E. eine sehr gute Ideensammlung, die sich ganzpraktisch nutzen lässt.
    Ein Beispiel? Gerne: Es ist heute in der Politik und der Presse die Rede davon, dass ca. 20 ... 30 Milliarden Euro in den Ausbau der Netze investiert werden müssen. Zu diesem Thema Rifkin (sinngemäß): Es ist viel sinnvoller, Energie vor Ort zu erzeugen und zu verbrauchen. Das geht für viele, viele Haushalte, bei heutigen Strompreisen sogar wirtschaftlich. Daraus folgt: Die 20 ... 30 Milliarden gehören nicht in die Hände der oligopol organisierten EVUs, sondern sollten statt dessen zur Förderung lokaler, eigenständige Anlagen genutzt werden. Wohlgemerkt: Es geht um Anlagen, die das Netz NICHT zusätzlich belasten, sondern mittels lokaler Speicher quasi netzunabhängig sind.
    Konsequenz: Wenn man das weiterdenkt, sind die Netze mehr als ausreichend diemnsioniert, um den dann übrigbleibenden Rest zu erledigen, nämlich die Industrie zu phänomenal günstigen Preisen zu beliefern.

    Georg Sandkühler

  • Ich will ja gerne den Menschen, die hier Kommentare schreiben, ins Gesicht sehen. Vielleicht erkennt schon an der Kopfform diese Blödheit, die sich hier in Worte versammelt. Wegen diesen Menschen haben wir Probleme, weil diese zerstörerische Inhaltslosigkeit die diese mit sich bringen, sich wie ein Lauffeuer verbreiten.
    Hängt diesen bösen Rifkin! Untöricht ist das, einfach so die Potentiale der Menschheit zu erkennen und daraus eine Vision zu basteln. Und dann noch eine positive!!!
    Ich schäme mich für diese Kommentare hier!!!

  • kuck mal auf die Rückseite der one $ Note, dann weißte, was 2050 sein wird.

    Schwachkopf, wem will der den seinen Mist verkaufen. Die "Neue Weltordnung" wird kommen. Fragt sich nur noch WIE.

    Man muss schon behämmert sein, um zu übersehen, dass G. Bush genau 10 y (auf den Tag) vor dem 9/11 seine erhebende Rede zur "Neuen Weltordnung" gehalten hat.

  • Denke, dass Mr. Rifkin mit seiner Europaprognose in 2004 schon ziemlich daneben gelegen hat, und die Treffsicherheit für die Welt 2050 nicht viel besser sein wird.
    Und wenn es schon mit Klimawandel als größter Bedrohung anfängt ...

  • Der Gutste möchte seine Philosophien in Form seines Buches vermarkten udn damit noche twas absahnen. Niemand kann irgenwie sagen, wie der fragwürdige Kapitalismus in 2050 aussehen sollte - zu dem Zeitpunkt wird es hoffentlich keinen Kapitalismus mehr geben, weil zu hoffen ist, dass die Menschheit aus den Ergebnissen dieser falschen, gierigen und menschenverachtenden Systemen die richtigen Schlüsse gezogen hat bis dahin.

    Außerdem werden sich bis sahin Dinge ereigenen, die sich die globale Menschheit heute noch nciht ann#ähernd vorstellen kann.

    Die selbstgerechten Philosophen und Ökonomen sollten sich angesichts des kapitalistisch-desaströsen derzeitigen Systems in Bescheidenheit und Zurückhaltung üben.