Schuldenkrise EU erwartet deutlich geringeres Wachstum

Die Börsenturbulenzen kommen in der Realwirtschaft an: Für 2011 rechnet die EU mit deutlich weniger Wachstum. Einziger Lichtblick: In Deutschland boomt die Wirtschaft weiter - und auch die Preise steigen nicht mehr.
8 Kommentare
Das Wachstum in der Eurozone wird im zweiten Halbjahr 2011 fast zum Erliegen kommen. Quelle: dpa

Das Wachstum in der Eurozone wird im zweiten Halbjahr 2011 fast zum Erliegen kommen.

(Foto: dpa)

Berlin/BrüsselDie Schuldenkrise und die Börsenturbulenzen sorgen nach Prognose der EU-Kommission für wirtschaftliche Stagnation in der Euro-Zone. Das Wachstum werde „zum Jahresende nahezu zum Erliegen kommen“, hieß es in der am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Herbstprognose. Das werde aber „keinen erneuten Rückfall in die Rezession bewirken“. Die Brüsseler Behörde rechnet für 2011 weiter mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,6 Prozent.

Allerdings korrigierte die Brüsseler Behörde am Donnerstag ihre Prognose für die zweite Jahreshälfte deutlich nach unten. Das Bruttoinlandsprodukt in der gesamten EU soll demnach im dritten und vierten Quartal jeweils um 0,2 Prozent wachsen, in der Eurozone um 0,2 und 0,1 Prozent. Im ersten Quartal hatte es in der gesamten EU noch 0,7 Prozent betragen, im zweiten Quartal schon nur noch 0,2 Prozent. Deutschland bleibt Europas Konjunkturlok: Für die größte Volkswirtschaft Europas wurde die Prognose gegenüber dem Frühjahr von 2,6 auf 2,9 Prozent angehoben.

Für die gesamte EU mit ihren 27 Ländern wurde sie dagegen von 1,8 auf 1,7 Prozent gesenkt. „Die Aussichten für die europäische Wirtschaft haben sich verschlechtert“, sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn. „Die Staatsschuldenkrise hat sich verschlimmert und die Turbulenzen an den Finanzmärkten werden die Realwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.“ Um den Erholungsprozess wieder in Gang zu setzen, müssten die Staatshaushalte saniert werden.

Die Konjunkturexperten der Europäischen Zentralbank (EZB) teilen die Sorgen der EU-Kommission: Nach Einschätzung der Notenbank haben sich die Konjunkturrisiken im Euroraum zuletzt erhöht. Die Risiken für das Wachstum hätten sich verstärkt und seien nach unten gerichtet, heißt es im Monatsbericht der Notenbank vom Donnerstag. Begründet wird die pessimistischere Haltung unter anderem mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten und der damit verbundenen hohen Unsicherheit.

Anders als die Brüsseler Behörde und die Zentralbank sieht Star-Investor George Soros die Euro-Zone vor einem jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang. „Der Druck zum Defizitabbau wird die Euro-Zone in eine anhaltende Rezession stürzen“, schrieb der US-Milliardär und Hedge-Fund-Manager in einem Gastbeitrag für das Magazin „New York Review of Books“. „Das wird unkalkulierbare politische Folgen haben.“ Eine Große Depression könne nur dann verhindert werden, wenn sich die Politik zu radikalen Maßnahmen entschließe. Dazu gehöre ein europäisches Finanzministerium, das Steuern eintreiben und Schulden aufnehmen könne.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Die Preise sind weiter hoch - aber sie steigen nicht mehr
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Schuldenkrise - EU erwartet Wachstumseinbruch in der Euro-Zone

8 Kommentare zu "Schuldenkrise: EU erwartet Wachstumseinbruch in der Euro-Zone"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Annahme: Die jährliche Inflationsrate bleibt über 10 Jahre konstant bei 2,5 %.
    Berechnung: 1,025 hoch 10 = 1,28
    Ergebnis: Was heute 100 EURO kostet, das kostet in zehn Jahren 128 EURO (bei einer konstanten jährlichen Inflationsrate von 2,5 % über diese 10 Jahre)

    Wer glaubt, dass bei einer konstanten jährlichen Inflationsrate von 2,5 % die Preise nicht steigen, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Auch paradox.


  • sie haben noch nichts von vorlaufenden Indikatoren gehört ? oder vom ifo-index, der die zukunft bis jetzt immer sehr realistisch abgebildet hat und der nächste woche einen einbruch verzeichnen wird. selbstverständlich kann man die nächsten monate abschätzen. es fragt sich nur, ob man sich von gerede ablenken läßt oder ob man die richtigen Meldungen liest.

  • Die Preise steigen nicht mehr?

    Und das bei einer jährlichen Inflationsrate von 2,5 % (von August 2010 auf August 2011).

    Äußerst paradox diese Aussage!!!

  • Nur eine Behörde - und zwar eine Super-Behörde - kann so wenig vom Markt und seiner Logik verstehen, dass sie die atemberaubend dumme Behauptung aufstellt, die Realwirtschaft gerate "wegen der Börsenturbulenzen" in eine Rezession.

    Das genaue Gegenteil ist der Fall.
    Die Börsen haben in ihrer Erwartung das Abflauen der Wirtschaftsdynamik vorweggenommen, und es zeigt sich nun mehr und mehr, dass sich die Erwartung hat sich als richtig erweisen wird.

    - Und ich erwarte einfach von der Redaktion des Handelsblattes, solange sich dieses Blatt noch "Handelsblatt" und nicht "Wirtschaftsplanblatt" nennt, dass sie einen solchen Unsinn nicht unkommentiert lässt.

    An den Börsen wird mit Erwartungen gehandelt, und die Erwartungen haben sich seit August dramatisch verschlechtert, nachdem sie in den Monaten zuvor überzogen waren.

    Die Realwirtschaft schlittert also nicht "wegen den Börsenturbulenzen" in die Rezession, sondern weil sie in einer Schach-Matt-Falle zwischen überbordenden Staatsschulden, großangelegtem Politikversagen und erlahmender Wirtschaftsleistung gefangen ist.

    Möglicherweise muss man auch dem einen oder anderen Beamten und wohl auch Redakteur dieser Zeitung erklären, dass kein Mensch - KEIN MENSCH - die Zukunft kennt, auch nicht die EU-Kommission - wenn sie auch gerne alle ihr zur Verfügung stehend, demokratisch kaum legitimierte Macht einsetzen möchte, die Zukunft zu lenken.

    Wir reden hier alle - alle - nur von Erwartungen.

  • Die kommende Krise wird als Vorwand benötigt, um die Schlinge um den Hals der Bürger etwas enger zu ziehen.

    Wenn man die rechte der Bürger einschränken will, reißt man eine Krise vom Zaun,

    Oder man hat gerade noch ein Attentat vereiteln können.

    alles willkommene Anlässe um uns die Freiheit zu nehmen. Schande über den, der denkt, gewisse Leute erzeugen Krisen udn Attentate willentlich.

  • Türkei muss in die EU! Nur in dem letzten Quartal hatte das Land 8,8% Wachstum!

  • Die EU will die fassade von der andauernden erholung aufrechterhalten, wozu auch die angebliche "Konjunkturlokomotive" deutschland maßgeblich beiträgt. Diese Einschätzung ist nichts anderes als Schönfärberei. Dagegen liegt soros richtig: ganz Europa wird ab diesem Quartal in eine lange rezession gehen, wobei die angebliche "Konjunkturlokomotive" das größte minuswachstum einfahren wird. Und, sollten wieder zigmilliarden an die banken verschenkt werden, wird auch die "Konjunkturlokomotive" in den Schuldenstrudel geraten. dann wird die fassade vom "Stabilitätsanker Deutschland" zerfleddern wie nichts.

  • Es gibt eigentlich keinen Brund für eine Krise.

    Aber über die Notenbanken wird der Geldhahn etwas abgedreht. Und schon kommt es zu Infakten.
    Ähnlich, wie beim Herzinfakt, wenn gewisse Herzteile keine Energie mehr bekommen.

    Geld ist NIX
    Es sind nur Zahlen (Spiele)
    allerdings so, dass nur die Zentralbanken diese Zahlen "stuern" dürfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%