Stimmt es, dass... Betreiben Banken staatlich gestützte Schneeballsysteme?

Banken müssen nur ein Hundertstel der Guthaben ihrer Kunden auszahlen können - der Rest sitzt in Vermögenswerten. Doch wie viel diese Anlagen wert sind, hängt letztlich vom Vertrauen der Bankkunden ab.
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Spielen Banker mit dem Geld ihrer Kunden? Quelle: Reuters

Spielen Banker mit dem Geld ihrer Kunden?

(Foto: Reuters)

Finanzjongleur Bernard Madoff sammelte Geld von Anlegern ein und zahlte zuverlässig eine hohe Rendite aus. Was dafür an Anlageerlös fehlte, nahm er aus dem Bestand der ihm anvertrauten Mittel. Wegen der zuverlässig hohen Rendite flossen ihm immer mehr Anlagemittel zu, so dass er sein Geschäftsmodell viele Jahre aufrechterhalten konnte.

Er lebte gut davon. Weil er gut vernetzt war, schauten die Aufsichtsbehörden weg. Als Madoff zugeben musste, dass nur noch ein Teil der Kundengelder da war, wanderte er für bis zu 150 Jahre in den Knast.

Wer eine Banklizenz hat, kann mit Kundengeldern machen, was er will. Dass die Bank gar nicht die flüssigen Mittel hat, um die Einlagekunden auszuzahlen, ist die Norm. Eine Bank muss derzeit im Euro-Raum nur ein Hundertstel der Guthaben ihrer Kunden kurzfristig auszahlen können. Ein Unterschied zu Madoff liegt darin, dass die Bank nur zu wenig Liquidität hat, um alle Guthaben sofort auszuzahlen. Anders als er sollte sie über Vermögenswerte verfügen, die ihre Auszahlungsverpflichtungen decken. Das ist theoretisch der Unterschied zwischen illiquide und insolvent.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Der Unterschied zwischen illiquide und insolvent ist aber oft mehr theoretisch als real, weil das Vertrauen in das Bankensystem nicht nur bestimmt, ob die Banken flüssig sind, sondern auch, was die Kreditforderungen, Aktien, Anleihen und Derivate wert sind, die sie von den Kundengeldern erworben haben. Wenn die Kunden ihr Geld massiv abziehen, dann sind auch die Vermögenswerte der Banken plötzlich viel weniger wert. Denn wenn alle Banken diese zu Geld machen wollen, bricht deren Wert ein. Praktisch alle Banken der westlichen Welt wären jüngst pleitegegangen, wenn Regierungen und Zentralbanken ihnen nicht massiv geholfen hätten.

Man kann also das Bankensystem als ein staatlich genehmigtes und reguliertes Schneeballsystem bezeichnen. Anders als bei Madoff stehen Steuerzahler und Zentralbanken bereit, Geld nachzuschießen, wenn die Einleger die Probe aufs Exempel machen und ihr Geld abziehen.

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25 Kommentare zu "Stimmt es, dass...: Betreiben Banken staatlich gestützte Schneeballsysteme?"

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  • Bankensystem=Schneeballsystem!
    Das Fragezeichen in der Überschrift kann entfallen.

    Leider will es niemand wahrhaben!

  • Die Kontroverse hier zeigt wieder einmal, wie unmündig die Deutschen hinsichtlich ihres geliebten Geldes sind.

    http://www.fabian-der-goldschmied.de/

  • Wir lösen uns jetzt von dem alten System. Google "selbsthilfekasse" und wirf die Schuldketten ab. Oder mach weiter wie bisher und geh zugrunde.

  • Ich gebe ja zu, dass das System verrückt erscheint. Vielleicht hilft ein konkretes Rechenbeispiel. Ich gründe eine Bank mit 100.000 Euro Eigenkapital. Ich werde gleich erster Einlagenkunde meiner Bank und lege dort 10.000 Euro auf das Girokonto. Die Bank bucht das Geld auf ihr Mindestreservekonto bei der Bundesbank. Bei 1% Mindestreserve kann meine Bank mir nun einen Kredit von 1 Million Euro geben, mit dem ich mir ein schönes Haus im Taunus kaufe. Dem Verkäufer richtet meine Bank ein Griokonto ein, auf welches das Geld überwiesen wird. Jetzt passiert das Unvorhergesehene. Der Verkäufer ist ein Mafiosi, der das Geld in bar abheben will, um damit unerkannt im Ausland unterzutauchen. Dummerweise hat meine Bank nur ein Guthaben von 10.000 Euro bei der Bundesbank, für das sie Bargeld bekommen kann. Wenn der Kunde auf die Auszahlung besteht, ist meine Bank pleite.

  • @Anonymer Benutzer: Sebastian

    "Und was wollen Sie, höfflich gefragt, dagegen tun?"

    Unser politisches System ist krank. Man gibt ein Kreuzchen ab und soll dann das Maul halten. Dann gibt es die Piraten, welche in einer der groessten Krise Ablenkung schaffen sollen - ein Gefuehl von Demokratie. Ich befuerchte, wir haben ein Problem.

  • @matze

    Geben Sie es zu. Sie wissen nicht wie die Ponzi-Scheme funktioniert. Ich verzeihe Ihnen.

  • Werter winfrieddie,

    Der Satz noch einmal:

    "Banken müssen nur ein Hundertstel der Guthaben ihrer Kunden auszahlen können"

    Wo können Sie in diesem Satz das Wort kustzfristig oder ein Wort mit äquivalenter Bedeutung lesen, geschweige denn etwas von Mindestreserve? Der Satz und auch der ganze Text, da kann ich nur den Kopf schütteln.

  • Man könnte ja mal über Facebook und Co zur Auszahlpartie laden. jeder hebt nach seinen Möglichkeiten den höchsten Betrag ab, und zahlt Ihn nach zwei Wochen wieder ein.

  • @bobi: quatsch, endlich werden mal im hb die richtigen probleme dargestellt. der autor stellt klar und korrekt, dass problem eines bankensturms dar. bei einer mindestreserver von 1% wirbelt es - im falle des vertrauensverlustes - die banken wie ein haufen von vogelfedern durch den sturm. die mindestreserve ist in der brd in den achziger jahren weit über 10-20% festgelegt gewesen. ich mag ja kritik - hält den geist wach - aber bitte erst lesen, dann denken und dann von mir aus .....

  • Und jetzt ist das Vertrauen weg.

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