Stimmt es, dass... Ist das Ehegattensplitting veraltet und ungerecht?

Die Debatte um steuerliche Gleichstellung für homosexuelle Lebenspartnerschaften entfacht eine alte Diskussion. Ist das Ehegattensplitting nicht völlig veraltet und vor allem ungerecht?
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Sind steuerliche Vorteile für Ehepaare gerecht? Quelle: dpa/picture alliance

Sind steuerliche Vorteile für Ehepaare gerecht?

(Foto: dpa/picture alliance)

Die Diskussion um eine steuerliche Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe hat die seit langem schwelende Kritik am Ehegattensplitting wieder aufflackern lassen. Beim Splitting werden zwei Ehepartner so besteuert, als ob jeder die Hälfte des gemeinsamen Einkommens verdiente. Bei sehr ungleichen Einkommen ist das ein großer Vorteil. Denn bei individueller Besteuerung des jeweiligen Einkommens müsste aufgrund der Steuerprogression der Besserverdienende mehr Steuern zusätzlich zahlen, als der wenig oder gar nichts Verdienende sparen würde.

Bei SPD und Grünen ist das Splitting ungeliebt, weil Menschen mit höheren Einkommen mehr davon haben und weil es das konservative Rollenbild von Mann und Frau fördert. Um zu einer faireren Regelung zu kommen, muss man sich jenseits solcher Attitüden auf rechtliche und steuerliche Prinzipien besinnen. Das Grundgesetz garantiert den Schutz von Ehe und Familie. Im Steuerrecht gilt der Grundsatz der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Mit der Eheschließung sind Unterhaltsrechte und -verpflichtungen verbunden, die grundsätzlich umso größer sind, je weiter die Einkommen auseinanderfallen. Denn Ehepartner teilen einen gemeinsamen Lebensstandard. Der gleiche Verdienst, den das Splitting simuliert, ist also nicht künstlich, sondern sollte in einer Ehe Normalität sein. Zwei Menschen, die 100.000 Euro verdienen und dieses Einkommen miteinander teilen, haben vor Steuern etwa den gleichen Lebensstandard wie ein Mensch der 50.000 Euro verdient und nur sich selbst versorgen muss. Sie sollten auch nach Steuern den gleichen Lebensstandard haben, sonst werden sie benachteiligt.

Vorteile der gemeinsamen Haushaltsführung, die im Beispiel den Lebensstandard der Ehepartner höher werden lassen als den des Alleinstehenden, kann man mit einem Zuschlag auf das Splitting-Einkommen berücksichtigen. Damit die Eheschließung nicht in manchen Fällen benachteiligt wird, wäre dann die Option vorzusehen, für getrennte Besteuerung zu optieren. Auch wer Kinder hat, hat Unterhaltsverpflichtungen, die umso höher sind, je höher das eigene Einkommen ist, nachzulesen in der „Düsseldorfer Tabelle“. Man teilt auch mit Kindern seinen Lebensstandard.

Anders als bei Ehepartnern berücksichtigt das Steuerrecht dies nicht. Der Kinderfreibetrag ist für alle gleich niedrig. Da das Grundgesetz auch die Familie unter Schutz stellt, ist das nicht zu rechtfertigen. Gutverdienende mit Kindern werden schlechter behandelt als Kinderlose auf gleichem Einkommensniveau. Ihr Lebensstandard ist niedriger, aber sie werden steuerlich behandelt, als wäre er gleich. Das Ehegattensplitting sollte zu einem Familiensplitting erweitert werden.

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20 Kommentare zu "Stimmt es, dass...: Ist das Ehegattensplitting veraltet und ungerecht?"

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  • Sehr geehrter Herr Häring,
    Ihrem Kommentar kann ich zustimmen, nur in einem Punkt habe ich eine andere Auffassung. Sie sagen: Der Kinderfreibetrag sei für alle gleich niedrig, beim Unterhalt müsse man zwar mit Kindern den Lebensstandard teilen, das Steuerrecht berücksichtige das aber nicht.
    Nach meinem Kenntnisstand wirkt sich der Kinderfreibetrag wegen der Progression im Steuertarif bei Steuerpflichtigen mit hohem Einkommen günstiger aus, wenn die durch den Kinderfreibetrag erwirkte Steuerminderung über der Höhe des Kindergeldes liegen. Dies würde sich bei einer Anhebung des Spitzensteuersatzes noch einmal verstärken.
    Ein Familiensplitting würde dem Gedanken der horizontalen Gerechtigkeit (Steuerpflichtiger mit Kindern gegenüber Steuerpflichtigen gleichen Einkommens ohne Kinder) stärker entsprechen. Ein Familiensplitting entlastet aber - wegen der Progression - Familien mit hohem Einkommen verhältnismäßig stärken als Familien mit niedrigerem Einkommen, so dass sehr schnell die vertikale Gerechtigkeit berührt wird.
    Ausdrücklich stimme ich Ihnen zu, dass der Kinderfreibetrag zu niedrig ist. Eine Erhöhung des Kinderfreibetrags - wie CDU/CSU und FDP ihn fordern - halte ich für geboten, er muss wegen der vertikalen Gerechtigkeit dann auch zu einer entsprechenden Erhöhung des Kindergeldes führen, wie dies z.B. die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) oder der Familienbund der Katholiken fordert. Ihnen nochmals Dank für Ihren Kommentar. Karl-Heinz Does

  • @frankxps

    hallo frank
    ich meinte natürlich die rechtlichen Folgen einer Ehe. "Mann" kann gerne eine Frau kirchlich heiraten. Das ganze sollte aber rein rechtlich und steuerlich keinerlei Auswirkungen haben. Das habe ich unter Abschaffung der Ehe verstanden.

  • Die hier größtenteils aufgetellten Vergleiche sind falsch!
    Man kann eine Ehe nicht mit einem Single Haushalt vergleichen. Wer sich den Luxus leistet eine Wohnung allein zu beziehen, soll auch allein die Kosten tragen.
    Man könnte eine Ehe kostenmäßig annähernd nur mit einer Wohngemeinschaft vergleichen. Wohnraum und Kosten werden auf mehrere Personen verteilt.

    Schönen Tag noch.

  • Splitting auslaufen lassen - Kindergeld verdreifachen

  • Alle Steuern sind Diebstahl an den Werten die ich durch meine Arbeit erst schaffe. Der Diebstahl klingt nicht schön, deshalb nennt man es Steuern und Staat und nicht Diebstahl und Räuber. Wir brauchen keinen Staat der uns ausraubt und gegen unsere Interessen handelt.

  • @Johann:

    Eben. Die Ehe sollte als das angesehen werden was sie heutzutage ist - eine rein private, persönliche und/oder religiöse Angelegenheit und deshalb sollte es weder finanzielle Vor- noch Nachteile daraus ergeben.
    Besonders da die politischen Weichen doch so gestellt wurden, dass Kinder eh lästig sind und der Karriere der Frau nur im Wege stahen und deshalb sofort nach der Geburt in den stattlichen Erziehungs- und Verwahrstellen (Kitas) abgegeben werden sollen/dürfen/müssen damit die Frau wieder ihren Job ausüben kann.

  • Sehr geehrter Herr Häring,
    Ihr Artikel ist leider nur zum teil korrekt. Bei der Berechnung der steuerlichen Belastung wird das gezahlte Kindergeld mit der Entlastung durch den Kinderfreibetrag verrechnet. Damit erhalten Besserverdienende für Ihre Kinder mehr Geld. Dies ist im Einkommensteuergesetz in § 31 geregelt. Folge: wenn die Entlastung durch den Kinderfreibetrag 500 € beträgt gibt es keine steuerliche Entlastung, da das gezahlte Kindergeld höher ist. Bei einer Entlastung von 3500 € bei Besserverdienenden wird zusätzlich eine Entlastung von 1 292 € vorgenommen. (Anrechnung von ausgezahltem Kindergeld von 2208 € abzgl. 3500 € Steuerersparniss). Wenn Sie diesen Artikel ohne Hintergedanken geschrieben haben, sollten Sie sich berichtigen.

  • "zum Grundgesetzlichen Anspruch *Alle Deutschen sind vor Gesetz gleich*!"

    Der Spruch ist dringend Reformbedürftig...
    Menschen sind nicht alle gleich und sollten auch nicht alle gleich behandelt werden, das wäre die schlimmste Art von Diskriminierung...

    Wir behandeln doch einen Bankräuber der eigentlich Millionär ist und dies nur aus Langeweile getan hat, ebenfalls anders als jemanden der es aus Not tat.
    Jemanden der einen Menschen vorsätzlich kaltblütig getötet hat wird auch anders behandelt als jemand der im Affekt jemanden totschlug.
    Ungleichbehandlung IST unsere hochgeschätzte Fairness,
    war sie schon immer.
    Und dies gilt auch steuerlich oder für rechtliche Sachen ausserhalb des Strafrechts.

    Ausserdem stimmt es vollkommen was "konsequenz" geschrieben hat.

    "Wenn man sich jedoch über eigene Leistung finanziert, dann sind Kinder rein finanziell ein Minusgeschäft.
    Den Familien Unterstützung jetzt zu verweigern, wird später sicher Konsequenzen haben."

    Und dabei ist Deutschland schon ein Land wo der Anreiz Kinder zu bekommen extrem niedrig ist...
    Und wenn man intelligent genug ist auch zu planen ob man Kinder haben will, spielt sowas eben auch eine Rolle...das Splitting abzuschaffen dann eben eine negative Rolle.

  • Warum hat Frankreich eine ordentliche Geburtenquote, nämlich 2,2 je Frau, um seine Bevölkerungszahl dauerhaft zu erhalten? Sicher auch wegen des Familiensplittings, bei dem jedes Kind 1/2 zählt. Eine Familie mit zwei Kindern hat also z.B. den Splittingfaktor 3, und Kindergeld gibt es außerdem. Und nun komme niemand und sage, das sei eine Herdprämie. In F ist der Aktivitätsfaktor (Prozentsatz arbeitender Ehefrauen) höher als in D.

  • O Gott, Was muss ich Hier lesen,
    Da neidet ein Single den Paaren und Familien die gesparten Kosten duch die gemeinsame Lebensführung. Andere möchten noch mehr Aufgaben der Famielien an den Staat abgeben. Merkt ihr nicht woher der Wind weht ? Die Familie ist die Keimzelle des Staates. Sie wird von der freiwilligen Solidarität der Familienmitglieder getragen und in den meisten fällen wird die Familie noch solidarisch sein wenn der Staat aufgrund des Missmanagements der "Politprofis" und des egoistischen Handelns der Mitglieder der erzwungenen "Versichertengemeinschaft" schon lang seine Leistungen eingestellt hat. Meint ihr wirklich das es funktionieren kann wenn jeder immer mehr haben will keiner Leistet ohne Gegenleistung ? nicht ein Kommentar hat den Kern der Sache erkannt.
    Und an den Erstkomentator Ihre selektive Wahrnehmung ist schon verblüffend. Die Kinderlosen möchte ich sehen wie sie mit 70 rumjammern das Ihnen jemand helfen soll denn wenn alle keine Kinder mehr hätten würde es um sie herrum bald recht alt oder ?
    Und Die Ehe abschaffen ? von oben per Verordnung weil sie unmodern ist ? Es ist kein Zwang zu heiraten. Jeder soll selber entscheiden. Ich bin seit 14 Jahren verheiratet nicht jeder Tag war schön. Aber wäre jeder Tag schön wenn ich allein wär ? Fragen über Fragen ?

    grüße von einem
    Konservativen

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