Stimmt es, dass... Straft Schlecker die Ökonomen Lügen?

Kaum eine Schlecker-Frau hat bisher einen neuen Job gefunden. Schuld daran ist der unflexible Arbeitsmarkt, auf dem Entlassungen teuer sind. Der Wettbewerb spielt auf diesem Markt eben nur eine begrenzte Rolle:
9 Kommentare
Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Die erste Entlassungswelle bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker gab es im März. Mitte Juni hatte weniger als ein Fünftel der Freigesetzten einen neuen Job. Viele von diesen mussten geringere Arbeitszeiten und Einkommen oder längere Anfahrtswege zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen.
Was lehrt uns das? Der Arbeitsmarkt ist ein Markt auf dem der Wettbewerb nur eine begrenzte Rolle spielt. Die betroffenen Frauen können sich keine ähnlich einträgliche "Anschlussverwendung" sichern, wie Philip Rösler das ausdrückt, indem sie die gleiche Arbeit wie die Mitarbeiterinnen von dm für etwas weniger Lohn machen oder indem sie ihre Arbeitskraft den Einzelhändlern in ihrer Nachbarschaft billig anbieten.

Die weitaus meisten Stellen sind besetzt. Wenn eine frei wird, dann nicht unbedingt in erreichbarer Entfernung zum Wohnsitz der eigenen Familie und auf einem passenden Qualifikationsniveau. Andere Drogeriemärkte nutzen auch nicht die Gelegenheit, neue Märkte zu eröffnen. Sie freuen sich vielmehr, dass sie wegen des weggefallenen Konkurrenten ihre eigenen Märkte besser auslasten und eventuell höhere Preise durchsetzen können.
Nun könnte man sagen - und die tonangebenden Ökonomen tun das auch -, solche Probleme resultierten daraus, dass der Arbeitsmarkt zu unflexibel ist, dass Entlassungen zu teuer und Sozialleistungen zu hoch sind. Deshalb gehört die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte auch zu den mit größtem Nachdruck an Länder wie Spanien und Griechenland gerichteten Forderungen.

Allein, es handelt sich hier um einen Glaubenssatz, dem jede empirische Basis fehlt. In vergleichenden Untersuchungen stellt sich heraus, dass der deutsche Arbeitsmarkt ähnlich stark reguliert ist wie der spanische. Die Arbeitslosigkeit ist ein Drittel so hoch wie dort. Selbst in den USA, deren Arbeitsmarkt zu den am wenigsten regulierten der Welt gehört, zeigen Studien, dass Arbeitnehmer, die aufgrund von Werksschließungen ihren Arbeitsplatz verlieren, auch zwei Jahre danach noch zu einem hohen Prozentsatz ohne Arbeit, in unfreiwilliger Teilzeit oder zu deutlich geringeren Löhnen beschäftigt sind.

Wenn es regional oder landesweit an Nachfrage nach bestimmten Arbeitskräften mangelt, hilft Deregulierung nicht. Mehr Wettbewerb im Athener Taxifahrergewerbe wird Griechenlands Misere weder beseitigen, noch lindern.
Ebenso wenig werden Arbeitsmarktreformen in Spanien in der Mitte einer tiefen und langen Rezession die extrem hohe Arbeitslosigkeit mindern. Jedenfalls dann nicht, wenn die Konkurrenten um Direktinvestitionen eher Billiglohnländer wie Bulgarien sind als Hochlohnländer wie Deutschland.

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9 Kommentare zu "Stimmt es, dass...: Straft Schlecker die Ökonomen Lügen?"

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  • Der Autor versteht den Begriff "Markt' nicht und kommt deshalb natürlich zu falschen Schlussfolgerungen.

    Markt heisst nicht, dass die Arbeitgeber garantieren müssen, dass jeder seinen Wunschjob zu seinem Wunschgehalt zu seinem Wunschzeitpunkt erhält.

    Im Gegenteil: Wenn die Nachfrage nach Kassiererinnen sinkt, zb weil bisher viable Geschäftsmodelle sich als unwirtschaftlich herausstellen oder unwirtschaftlich geworden sind (wie im Falle Schlecker) dann ist folgendes die gesunde Marktreaktion:

    1. Da nun mehr Kassiererinnen ihre Arbeitskraft auf dem Markt anbieten als vorher bei unveränderter Nachfrage sinken früher oder später die Gehälter (und die Quote unfreiwilliger Arbeitslosigkeit in dem Sektor steigt natürlich).

    2. Das führt dazu, dass sich viele Kassiererinnen umorientieren und etwas lernen wo sie für Ihre Arbeitskraft mehr Geld bekommen, also in einem Bereich wo eben aktuell viel Arbeit nachgefragt wird.

    3. Mittelfristig steigen dann auch die Kassiererinnen-Löhne wieder etwas; es stellt sich ein neues Gleichgewicht ein und zwar eines das besser ist als vorher.

    Erwartet der Autor denn ernsthaft, dass die Arbeitgeber kuenstlich Arbeitsplaetze schaffen um die Schlecker-Frauen nun irgendwie beschäftigt zu halten, obwohl wirtschaftlich überhaupt garkein Bedarf dafür besteht?
    Das wäre volkswirtschaftslich totaler Unsinn, ihre Arbeitskraft wäre in anderen Bereichen viel wertvoller.

    Im übrigen kann es ja auch sein, dass in einigen Fällen nun neue Geschäfte dort entstehen wo früher Schlecker war - aber das dauert natürlich mehr Zeit als wenige Monate; zumal wohl auch ein Grossteil der Schleckerfilialen Verluste gemacht hat.

    Davon abgesehen: Viele Schlecker-Frauen haben nun erstmal 1-2 Jahre Anspruch auf ALG-1. Da Schlecker höhere Löhne gezahlt hat als marktüblich stehen viele mit ALG-1 nun sicher besser als wie wenn Sie sich einen normalbezahlten Kassiererjob suchen wuerden (etwa bei DM); das war so also zu erwarten.

  • 'Sven' sagt
    ---------------------
    Wenn du mir ein bedingungsloses Grundeinkommen zahlen willst, gerne! Ich werde bestimmt nicht arbeiten, du wirst es mir lebenslang zahlen müssen und du wirst deswegen lebenslang arbeiten MÜSSEN, sonst klappt das nicht!
    ---------------------

    Arbeitsloses Grundeinkommen kann schon funktionieren.

    Bloß eben kein Fixbetrag, sondern ein Anteil am Einkommensteueraufkommen des Vorjahrs.

    Wird zu wenig gearbeitet, dann sinkt die Anzahl der Erwerbstätigen.
    => Grundeinkommen sinkt
    => Anreiz zur Arbeitsaufnahme steigt
    => es wird wieder mehr gearbeitet.

    ...

    Ein schöner, stabiler Regelkreis.

    Haufenweise Bedürftigkeits- und Berechtigungsprüfungsbürokraten werden für produktive Tätigkeiten freigesetzt.

    ....

    Das Grundeinkommen ist altersproportional und ersetzt so auch Kindergeld und Rente.

    Die eingesparten Bürokraten können dann alle im Straßenbau eingesetzt werden.

    Oder zu Hause bleiben und ihre Kinder selbst erziehen, anstatt sie in die staatliche Anstalt abzuliefern.

    ...

    Wär' das nicht schön?

  • Ach, Herr Häring!

    Ihre Betrachtung ist doch viel zu lokal und kirzfristig angelegt.

    Glauben Sie denn nicht, daß mehr Wettbewerb im Athener Taxifahrergewerbe zu niedrigeren Preisen und höherer Inanspruchnahme der Dienstleistung führen würde?

    "Selbst in den USA, deren Arbeitsmarkt zu den am wenigsten regulierten der Welt gehört?"

    Von der "minimum wage" haben Sie offensichtlich noch nie 'was gehört. Soweit zum Thema "wenig regulierten Arbeitsmarkt USA."

    Ihre Behauptung, daß "Arbeitsmarktreformen in Spanien in der Mitte einer tiefen und langen Rezession die extrem hohe Arbeitslosigkeit" nicht mindern könnten ist auch völlig an den Haaren herbeigezogen.

    Was glauben Sie denn, was die Arbeitslosigkeit in Deutschland in den letzten 10 Jahren halbiert hat? Nicht die Agenda 2010 und Lohnzurückhaltung?

    Natürlich passieren Produktionsverlagerungen nicht über Nacht. Es dauert eben ein paar Jahre.

    Für journalistische Sensationsmeldungen "gestern Lohnsenkung - heute Arbeitslosigkeit halbiert" eignet sich das Thema leider nicht.

  • Na, Margit?

    Mal wieder beim Geifern überschlagen um bloß als erster hier Blödsinn zu verzapfen? (Wie viel zu oft!)
    Ich habe beim Scrollen die bekannte Kennung gesehen und mich nach drei Worten fast schlapp gelacht. Was muss das Leben als Hassbacke stressig sein.
    So viel, wie Sie hier kommentieren, sollten sie das Beschäftigungsniveau H-IV haben, also viiiiel Zeit.

    Vielleicht sollten Sie mal mit ein paar typischen Bloggs einen Facharzt konsultieren. Allerdings gilt in dem Bereich: ohne Willen zur Veränderung ist jede Therapie unfruchtbar.

    Glauben Sie ja nicht, das ich Ihr gesammeltes Stammeln zu Ende gelesen habe oder mich um ihr eventuell einschlagendes Antwortgegeifer kümmern werde.

    Für solch warme Winde will ich ganz einfach keine Zeit haben.
    Und viele hier denken scheinbar genau so. Ich wollte Sie bloß mal drauf aufmerksam machen

    Man sieht sich!

  • Es sit schon imemr komich, wenn immer die Leute gescheit daher quatschen, die ihren Hintern schon weich auf die Stühle setzen, die vom Steuerzahler bestens finanziert werden.
    Es wird Zeit, dass wir Bürger all diesen Schmarotzern mal die Einkommen halbieren.

  • Wieso sind die Anbieter von Arbeit im Vorteil?
    Biete doch selber Arbeit an, wenn das so einfach ist.

    Schlecker ist eingegangen - soviel von "Vorteil". (99 Prozent und mehr aller Unternehmen, die je existierten, gibt's nicht mehr.) Und Schlecker war oft teurer als die anderen Drogerieketten, Löhne zu hoch oder zu niedrig?

    Wenn du mir ein bedingungsloses Grundeinkommen zahlen willst, gerne! Ich werde bestimmt nicht arbeiten, du wirst es mir lebenslang zahlen müssen und du wirst deswegen lebenslang arbeiten MÜSSEN, sonst klappt das nicht!

    Natürlich ist man gezwungen, Arbeit anzunehmen. Wieso glaubst du gehen die Leute arbeiten?

  • Die Bezeichnung Arbeitsmarkt ist im Grunde falsch, denn wir haben hier keinen Platz, an dem gleichberechtigte Bedigungen - eine Voraussetzung für einen Markt - herrschen. Die Anbieter von Arbeit haben eindeutig den Vorteil. Es wäre die Aufgabe der Politik, dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Da aber die deutsche Wirtschaft nachweislich von diesem Ungleichgewicht profitiert - sie kann die Löhne drücken, sich von sozialen und finanziellen Verpflichtungen befreien, etc. - wird sich wohl auch in Zukunft wenig daran ändern.

    Eine gute Möglichkeit, dieses Ungleichgewicht ein wenig auszugleichen, wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wenn die Arbeitnehmer nicht mehr gezwungen wären, um fast jeden Preis eine Arbeit anzunehmen, wäre der Arbeitsmarkt insgesamt fairer.

  • Unwort des Jahres: Schecker-Frau

  • Die verbeamteten Wirtschaftsprofessoren müssen ja
    auch erheblich um ihren Job kämpfen.

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