Stimmt es, dass... Übernehmen die Notenbanken die Schulden der Südländer?

Mit den Dreijahresanleihen will die EZB Banken auffordern, Staatsanleihen zu kaufen - und gibt so Kredite an Schuldenländer. Geheim bleibt jedoch, wie viele Anleihen von welchen Staaten die Notenbanken selbst einkaufen.
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Menschen aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland halten in Frankfurt am Main ihre Landesfahnen vor dem Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in die Höhe. Quelle: dpa

Menschen aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland halten in Frankfurt am Main ihre Landesfahnen vor dem Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in die Höhe.

(Foto: dpa)

Noch nicht ganz. Wenn die Währungsunion Bestand hat, müssen die Südländer ihre Schulden selbst begleichen. So richtig geheim ist er auch nicht, dieser Bailout durch die Notenbanken, also die Schuldenvergemeinschaftung. Geheim halten Europäische Zentralbank (EZB) und nationale Notenbanken nur, wie viele Anleihen welcher Länder sie selbst gekauft haben.

Ansonsten liegt die Neben-Rettungsaktion offen. So zeigt die jüngste Kreditstatistik der EZB, dass die Staatsanleihekäufe der Banken von November bis Januar 135 Milliarden Euro betrugen. In den drei Monaten zuvor war es exakt halb so viel. Die Jahreswachstumsrate stieg von 0,1 Prozent auf elf Prozent.

Man erinnere sich: Anfang Dezember gab die EZB den Banken knapp eine halbe Billion Euro Kredite für drei Jahre; eine Einladung, damit Staatsanleihen zu kaufen. Es sind nach allem, was man weiß, vor allem die Banken in Italien und Spanien, die kräftig zugelangt haben.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Heute dürfen die Banken nochmals zugreifen, denn ein zweites Mal können sie so viele Dreijahreskredite abrufen, wie sie Sicherheiten dafür bieten können. Damit die Grenze nicht so schnell greift, hat die EZB die Ansprüche gesenkt. Notfalls liefert der Staat seinen Banken die Sicherheiten.

Die Tatsache, dass vor allem die Banken der Südländer auf die EZB-Kredite zurückgreifen, hat dazu geführt, dass die dortigen Notenbanken riesige Verbindlichkeiten gegenüber der EZB aufgebaut haben. Umgekehrt hat die Bundesbank einen Anspruch von rund 500 Milliarden Euro. Er entstand, weil die Südländer das Geld, das die Banken in die Wirtschaft einspeisen zur Bezahlung von Importen und im Wege der Kapitalflucht nach Deutschland transferieren.

Griechenland-Austritt hätte schwere Folgen
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5 Kommentare zu "Stimmt es, dass...: Übernehmen die Notenbanken die Schulden der Südländer?"

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  • Die Tatsache, dass vor allem die Banken der Südländer auf die EZB-Kredite zurückgreifen, hat dazu geführt, dass die dortigen Notenbanken riesige Verbindlichkeiten gegenüber der EZB aufgebaut haben. Umgekehrt hat die Bundesbank einen Anspruch von rund 500 Milliarden Euro. Er entstand, weil die Südländer das Geld, das die Banken in die Wirtschaft einspeisen zur Bezahlung von Importen und im Wege der Kapitalflucht nach Deutschland transferieren.(Zitat)
    Solche schwer zu begründenden „Hexenkessel“ scheinen sich mehr und mehr zu vermehren und das düstere Ende wird hier auch schon beschrieben:
    Gesetzt den Fall, wenn mehrere Länder austräten, und die EZB aufhörte zu existieren, ……dann würde das für den deutschen Steuerzahler so aussehen: fünf Milliarden Euro pro Jahr auf Dauer.
    Also dann doch lieber die EZB weiter existieren lassen und keine Südländer bitte sollen nicht etwa auf die Idee kommen, jetzt den Euroraum zu verlassen. (Haben die sowieso auch gar nicht vor)
    Unsere Freiheit ist ja aber immer noch gegeben – denn man kann ja zwischen Pest und Cholera frei wählen. Und das Ganze nennt sich: „Es lebe der Euro „

  • Das ist die Falle, in der Deutschland zusammen mit den Niederlanden sitzen: Wenn sie die Eurozone verlassen wollen, steht in diesen Ländern der Staatsbankrott an. Gut eingefädelt von Monti und Draghi. Jetzt sind die Nordländer versklavt - sie werden ausgelaugt, bis zum bitteren Ende. Wenn es nichts mehr zu holen gibt, DANN wird Italien(!) die Eurozone unter fadenscheinigen Gründen verlassen! Die sind clever.

    So funktioniert Europa. Und die Bekloppten und Bescheuerten im deutschen Bundestag schwadronieren ideologiebesoffen, eingepeitscht von den Oberalttrotteln Kohl, Genscher und Schmidt, angeführt von den williggeilen Vollstreckern von Merkel, Trittin, Schäuble, Steinbrück und wie sie alle heißen. Mit einem Fanatismus, den selbst Goebbels verehrt hätte.

    Die verstehen nicht, daß sie völlig auf dem falschen Dampfer sind. Leider absolut unbelehrbar, abgeschottet von Argumenten, dem Wunschdenken verhaftet und mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Weg in die größte wirtschaftliche, soziale und politische Katastrophe in Deutschland seit 1945. Euphemistisch und idealistisch verklärt als "politisches Projekt", selbstüberschätzend und überheblich eingeschätzt als größten Vorteil für Deutschland, zerreißt es gerade Europa und zerstört alle wirtschaftlichen Grundlagen.

    Das ist kein Pessimismus hier, sondern eine unverstellte Darstellung. Die Geschichtsbücher werden mir recht geben. Die Trommler selbstverständlich NIE!

  • Frage, ist hier jemand, der MEINE Schulden übernimmt ?
    Hmmmmmmmm !!!

  • "Übernehmen die Notenbanken die Schulden der Südländer?"
    Was ist denn das für eine Überschrift?
    Nicht die NOTENBANKEN übernehmen die Schulden, sondern die Steuerzahler übernehmen die Schulden samt und sonders, denn diesen gehören genau DIE Banken, die hier ihr schmutziges Geschäft betrieben und alles verzockt haben!

  • Man könnte auch die Aussage Draghis anders interpretieren :
    Im Nomalfall sind Verbindlichkeiten einzelner Notenbanken gegenüber Forderunegn anderer Notenbanken kein Problem, wenn sie sich immer wieder asugleichen. Wenn sie jedoch langfristige Ungleichgewichte aufzeigen und sich kontinuierlich immer weiter vergössern, signalisieren sie damit, egal wie diese ausgelöst werden, dass hier darin ein Indiz zu sehen ist für eine sich selbst auflösende Währungsunion - ohne politisches Primat, aber dafür mit einem um so höheren Schaden, je länger man dem zusieht.

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