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Ursachen der Finanzkrise Das große Versagen der US-Notenbank

Die schwere Finanzkrise von 2008 hätte vermieden werden können. Zu diesem Schluss kommt eine von US-Präsident Obama eingesetzte Kommission, die heute ihren Bericht vorstellt. Erste Ergebnisse wurden bereits bekannt.
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Fed-Gebäude in Washington: Versagen auf ganzer Linie. Quelle: Reuters

Fed-Gebäude in Washington: Versagen auf ganzer Linie.

(Foto: Reuters)

WashingtonUntätige Politiker, laxe Finanzaufseher und zockende Banker: Nur durch diese ungesunde Mischung ist es nach Ansicht einer von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Kommission zur Finanzkrise gekommen, die schließlich in der schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte gipfelte. "Die Krise war ein Ergebnis menschlicher Taten oder Tatenlosigkeit", heißt es in einem Untersuchungsbericht, aus dem die "New York Times" am Mittwoch vorab zitierte. "Es waren nicht Mutter Natur oder durchgeknallte Computermodelle."

Die mit mit Politikern beider großer Parteien besetzte Kommission hat seit 2009 mehr als 700 Zeugen befragt, um herauszufinden, welche Rolle die staatlichen Stellen und privaten Geldhäuser bei den heftigen Turbulenzen auf dem Finanzmarkt vor drei Jahren spielten.

Der 576 Seiten lange Report gehe vor allem mit dem ehemaligen Präsidenten George W. Bush und dem amtierenden Notenbankchef Ben Bernanke hart ins Gericht, schrieb die Zeitung. Sie hätten die Krise nicht vorhergesehen und bei ihrem Eintreten falsch reagiert. "Die Finanzkapitäne und die öffentlichen Aufseher unseres Finanzsystems haben Warnungen ignoriert und es versäumt, Risiken zu hinterfragen, zu verstehen und zu beherrschen", heißt es demnach in dem Abschlussbericht, der an diesem Donnerstag offiziell in Washington vorgestellt wird. Mehr als acht Millionen Jobs gingen während der Rezession alleine in den USA verloren. Der Steuerzahler musste hunderte Milliarden Dollar in die Rettung von Banken, Versicherungen und den beiden Autobauern General Motors und Chrysler stecken.

Schon Ex-Präsident Bill Clinton habe mit seinen Lockerungen im Finanzwesen den Grundstein für die Krise gelegt, führt der Bericht aus. Auch Bernankes Vorgänger Alan Greenspan habe mit seinem Drängen nach Deregulierung erheblichen Anteil daran gehabt, die Blase auf dem US-Immobilienmarkt immer größer werden zu lassen. Über Jahre waren die Preise für Häuser scheinbar unaufhaltsam gestiegen. Zudem hätten zahlreiche Banken mit ihrer "Gier" und schlechtem "Management" zu der Krise beigetragen.

Der Report prangert nach Angaben der "New York Times" unter anderem an, dass die fünf größten US-Investmentbanken für 40 Dollar an fiktiven Vermögenswerten gerade mal 1 Dollar an tatsächlichem Kapital als Sicherheit vorgehalten hätten. Schon ein Wertverlust der Vermögenswerte von nur drei Prozent hätte die Firmen deshalb ausradiert.

Mit der Investmentbank Lehman Brothers passierte genau das: Sie hatte sich wie so viele andere am US-Hypothekenmarkt verspekuliert; im September 2008 ging ihr schließlich das Geld aus. Die Bush-Regierung verweigerte ihre Hilfe, Panik kam an den Märkten auf. "Die größte Tragödie wäre es, den Refrain zu akzeptieren, dass dies niemand voraussehen konnte und deshalb nichts dagegen getan werden konnte", lautet das Resümee der zehnköpfigen Kommission. "Falls wir diese Sichtweise akzeptierten, würde es wieder passieren". Nach Angaben der "New York Times" haben aber nur die sechs Demokraten in der Kommission den Abschlussbericht akzeptiert. Die vier Republikaner lehnten ab und wollen nun zwei alternative Berichte vorstellen.

Das zeigt auch, dass die USA offenbar nicht willig sind, Lehren aus der schweren Krise zu ziehen. Auch der heutige Fed-Chef Ben Bernanke geht mit seiner Geldpolitik bereits wieder voll ins Risiko. Die US-Notenbank Fed traut dem Aufschwung noch nicht über den Weg und greift der Wirtschaft deshalb weiter kräftig unter die Arme: Die Zentralbanker um Bernanke beschlossen am Mittwoch, die im Herbst begonnenen Staatsanleihenkäufe im Volumen von 600 Milliarden Dollar fortzusetzen. Zugleich wurde der Leitzins in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent belassen. Angesichts der konjunkturellen Rahmenbedingungen wollen die Notenbanker den Schlüsselzins noch "geraume Zeit" außergewöhnlich niedrig halten. Die wirtschaftliche Erholung setze sich zwar fort, hieß es. Doch sei das konjunkturelle Tempo nicht hoch genug, um eine "deutliche Besserung" am Arbeitsmarkt bewirken zu können.

{"Schmerzlich hohe Arbeitslosenquote"}

Die Fed änderte ihre skeptische Einschätzung in diesem Punkt im Vergleich zur Dezembersitzung nur um Nuancen. Damals hatte sie die Konjunktur noch als zu schwach bezeichnet, um überhaupt einen Abbau der Arbeitslosigkeit herbeiführen zu können.

Experten zeigten sich dennoch verwundert, dass die Notenbank die jüngsten Hoffnungszeichen am Konjunkturhorizont nicht stärker betonte. "Die Fed konzentriert sich stattdessen auf die schmerzlich hohe Arbeitslosenquote", sagt Fed-Beobachter Omer Esiner von Commonwealth Foreign Exchange in Washington. Die jüngst gestiegenen Energiepreise sind für die Notenbank jedoch offenbar noch kein Grund zu großer Sorge: "Die langfristigen Inflationserwartungen bleiben stabil und die Indikatoren für die Kerninflation zeigen nach unten", heißt es in der Fed-Erklärung.

Vor der Zinssitzung war darüber spekuliert worden, ob es im Fed-Ausschuss wegen der aufgehellten Konjunkturperspektiven zu Differenzen über den weiteren geldpolitischen Kurs kommen würde.

Mit Charles Plosser und Richard Fisher dürfen dieses Jahr zwei Geldpolitiker im FOMC mitstimmen, die besonders stark auf Inflationsgefahren achten und den lockeren geldpolitischen Kurs Bernankes mit gewisser Skepsis sehen. Beide "Falken' hielten bei der ersten Sitzung 2011 jedoch noch still. Dies könnte sich bei einer anhaltenden Gesundung der Wirtschaft in den nächsten Monaten aber durchaus ändern, meinen Experten.

Die Notenbank hatte Anfang November beschlossen, bis Mitte 2011 Staatsanleihen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar aufzukaufen um damit der mauen Konjunktur auf die Beine zu helfen. Und dies offenbar mit Erfolg: Das Konsumklima in den USA hat sich im Januar überraschend deutlich aufgehellt und den höchsten Stand seit Mai 2010 erreicht. Auch der Immobilienmarkt hat zum Jahresende 2010 deutlich Fahrt aufgenommen.

Zudem signalisierte der Wochenbericht am Arbeitsmarkt zuletzt eine leicht aufgehellte Lage. Doch dürfte der Weg zu deutlich niedrigeren Arbeitslosenzahlen noch lang und steinig sein: Die Quote lag zuletzt bei für US-Verhältnisse relativ hohen 9,4 Prozent. Die Konjunkturperspektiven haben sich unterdessen weiter aufgehellt: Experten gehen davon aus, dass sich das Wachstumstempo Ende 2010 auf 3,5 Prozent von 2,6 Prozent im dritten Quartal erhöht hat. Die jeweils aufs Jahr hochgerechneten Wachstumsdaten werden am Freitag veröffentlicht. Der Internationale Währungsfonds traut den USA für 2011 ein Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent zu, das sich 2012 nur leicht abkühlen soll.

Die US-Aktienmärkte reagierten kaum auf den Fed-Beschluss und hielten ihre freundliche Tendenz. Im Devisenhandel legte der Euro zum Dollar leicht zu.

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  • dpa
  • rtr
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