Verbraucher GfK-Konsumklima so gut wie lange nicht

Die deutschen Verbraucher lassen sich ihre Stimmung nicht vermiesen. Trotz aller Krisen fällt das GfK-Konsumklima-Barometer gut aus - das hat auch mit den anstehenden Tarifabschlüssen zu tun.
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GfK: „Einkaufslust statt Einkaufsfrust”

BerlinTrotz Konjunkturflaute und hoher Benzinpreise sind die deutschen Verbraucher so gut gelaunt wie seit einem Jahr nicht mehr. Das für März berechnete Konsumklima-Barometer kletterte wie von Fachleuten erwartet von 5,9 auf 6,0 Punkte, teilten die GfK-Marktforscher am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern mit. „Die Beschäftigen hoffen, dass bei den anstehenden Tarifverhandlungen die Lohn- und Gehaltszuwächse besser ausfallen werden als in der Vergangenheit“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Die Konjunktur wird dagegen etwas skeptischer eingeschätzt, die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen bleibt trotz eines kleinen Dämpfers auf hohem Niveau.

Für 2012 erwartet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nun einen Anstieg des Privatkonsums um ein Prozent. „Er wird damit einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nicht in die Rezession abgleiten wird“, betonten die Nürnberger Experten. Viele Ökonomen sagen nur ein Anziehen der Konjunktur um rund 0,5 Prozent voraus, nach kräftigen drei Prozent 2011. Der meiste Schwung dürfte aus der Binnennachfrage kommen, während der Außenhandel wegen der globalen Flaute eher bremst.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte um drei Prozent zulegen. Bei einer erwarteten Inflation von 1,8 Prozent bleibe unterm Strich ein deutliches Plus an Kaufkraft, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Bei der Tarifrunde stehen die Verhandlungen für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie an, die Gewerkschaft IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn. Für die Chemieindustrie verlangt die Gewerkschaft IG BCE ein Plus von sechs Prozent, für den öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen sollen es 6,5 Prozent mehr sein.

„Die überaus positive Situation auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland hat von Seiten der Verbraucher hohe Erwartungen an die Tarifpartner geweckt“, erklärte die GfK. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen plädierte für spürbare Lohnerhöhungen und stieß damit auf Kritik in den eigenen Reihen und im Arbeitgeberlager.

Basisdaten Deutschland

Quelle: Information Research

Die Einkommenserwartungen der Bürger kletterten laut Gfk im Februar um 7,2 auf 41,3 Punkte. Das Barometer stieg auf den höchsten Wert seit Juni 2011. Der Teilindex für die Konjunktur sank leicht um 1,6 auf 5,9 Zähler und blieb noch über dem langjährigen Durchschnitt, den die Nulllinie signalisiert. „Die Verbraucher gewinnen offenbar den Eindruck, dass eine Erholung der deutschen Konjunktur nicht ganz reibungslos verlaufen wird und angesichts der tiefen Schuldenkrise in Europa auch für Deutschland nicht zu unterschätzende Risiken bestehen.“

Fairtrade beim Discounter

Die Kauflaune der Konsumenten blieb trotz eines leichten Rückgangs um 2,6 auf 39,2 Punkte auf hohem Niveau. Für Rückenwind sorge die nachlassende Angst vorm Job-Verlust und die sinkende Inflation. Zudem steckten die Verbraucher ihr Geld derzeit lieber in „werthaltige Anschaffungen“ als es für historisch niedrige Zinsen auf die Bank zu tragen.

  • rtr
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9 Kommentare zu "Verbraucher: GfK-Konsumklima so gut wie lange nicht"

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  • Das nennt man CrackUpCoom und hat man alles schon einmal gesehen... Wie die Geschichte weiterging weiss hoffentlich auch jeder.

  • Der Umsatz kommt von Auslandstouristen, die hier noch schnell ihr Geld in teure Waren fließen lassen, bevor es zu Hause vom Fiskus eingezogen wird. Ich konsumiere schon lange nicht mehr, weil der Realwert gesunken ist, will man gleiche Qualität einkaufen. Ich sage auch jedem meiner Freunde, gib dein Geld für dich aus, du bist dir selbst die beste Sparkasse, bevor die letzten Kröten vom Staat gefressen oder verpfändet werden.

  • Hohe Tarifabschlüsse. Leidtragende werden die Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein. Nutzniesser ist die Bürokratie, die ob der Kalten Progression nicht abgebaut wird. Der Arbeitnehmer wird oft kaum mehr als vorher haben. Da die Bemessungsgrundlage nicht angehoben wird, ist prozentual wieder weniger Netto vom Brutto übrig.

  • Was für ein verlogener Unsinn. Die unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken im Dezember 2011 um -0,9% zum Vorjahresmonat auf 115,9 Indexpunkten und waren damit real die zweitschwächsten in einem Dezember seit 1994, nur der Dezember 2007 war mit 115,3 Indexpunkten noch etwas schlechter. Ja so ist er, der deutsche Konsumboom, kommt immer wieder auf das mediale Tableau, schlägt sich aber weder im Einzelhandel noch bei den Umsatzsteuereinnahmen des Staates positiv nieder. Chapeau! Ein Wunder – Made in Germany! <der im Februar veröffentlichte Bundesbankbericht für Februar 2012 wird die Summe der eingenommen Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) des Staates für Dezember 2011 mit 11,891 Mrd. Euro angegeben. Ein marginaler Anstieg von nominalen +0,67% zum Vorjahresmonat und real nach Abzug des Anstieges der Verbraucherpreise sogar ein Rückgang von -1,39% zum Vorjahresmonat. Wir sind nur noch von einen absurden Kampgnenjournalismus umgeben.

  • Der GFK-Index ist ein reiner " Sentiment- ", sprich Stimmungsindikator.

    Darin enthalten sind auch ganz gewöhnliche Anschaffungen wie Benzin. Wenn ich als mal wieder die A5 mit meinen 911er mit Vollgas runterbretter und dann Volltanken muss, führt der gestiegene Spritpreis automatisch auch zu einem höheren GFK-Index.

    Besser und verlässlicher für die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist und bleibt der DAX !

  • denk.mal
    hat vollkommen recht. Wenn ich in einer sicheren Kapitalanlage jährlich z. Z. mit 2% Realverlust rechnen muss und die Risiken im Finanzsystem sehe, gebe ich mein Geld lieber aus.

  • @OttoChilli

    Sie haben Recht.

    Allerdings ist mir auch der Einzelhandelsverband in den letzten zwei Jahren im Rahmen des Weihnachtsgeschäfts durch realitätsferne "Zwischenberichte" unangenehm aufgefallen. Dennoch, irgendwann folgen natürlich die Zahlen.

    Für die Frage, ob und wie sich die Preisspirale dreht, ist allerdings auch die Erwartungshaltung der Konsumenten von erheblicher Bedeutung. Mit der Bereitschaft zu konsumieren kann auch ein sorgfältig haushaltender deutscher Konsument den Inflationsschritt mitgehen; er kauft dann halt weniger Güter, die teurer sind. Nur so kann Teuierung hierzulande entstehen...

    Man beachte auch die Entwicklung im Lebensmittelhandel. Wenn Aldi mehr Markenprodukte einführt, erodiert die Verhandlungsdominanz der Billigdiscounter langsam aber sicher -- sie beruhte auf dem schieren Volumen. Aber die Kundschaft wandert ab...

    Wir sind also bereit, höhere Preise zu zahlen.

  • Die GfK-Daten werden erstaunlicherweise nie von den realen Einzelhandelsumsätzen verifiziert. Und man möge mir verzeihen - den Umsatzdaten vertraue ich doch eher als der GfK-Propaganda, die mich an den DDR-Witz erinnert: "Warum hatten in der DDR die Schuhe die Absätze vorn? - Damit keiner merkt, daß es bergab geht!"

  • Man möge mich korrigieren wenn ich falsch liege, aber für mich ist dieser Artikel ein klarer Beleg für eine inflationäre Grundhaltung der Konsumenten. Hier wird ein wesentlicher Schritt in Richtung Preisspirale gegangen.

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