HSBC-Trinkaus-Vorsitzender zur China-Krise „Eine Milliarde Konsumenten fallen nicht vom Planeten“

China hat die Börsianer schockiert. Doch Andreas Schmitz, der deutsche Aufsichtsratschef der HSBC, glaubt weiter an das Land der Mitte. Nur das Wachstum werde bescheidener. Kann er Recht haben?
Andreas Schmitz rechnet mit weiterem Wachstum in China – nur moderater: „Je größer eine Masse ist, desto mehr Energie brauche ich, um sie zu bewegen.“ Quelle: Imago
Einstein’sches Gesetz

Andreas Schmitz rechnet mit weiterem Wachstum in China – nur moderater: „Je größer eine Masse ist, desto mehr Energie brauche ich, um sie zu bewegen.“

(Foto: Imago)

Kaum eine westliche Volkswirtschaft ist so abhängig von China wie die deutsche. Doch nicht nur hierzulande hat das Beben auf den chinesischen Aktienmärkten hohe Wellen geschlagen. Die ganze Welt fragt sich: Findet das Land der Mitte wieder auf den Wachstumspfad zurück? Der deutsche Aufsichtsratsvorsitzende der Transaktionsbank HSBC Trinkaus meint: Ja. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, warum.

Glauben Sie, Herr Schmitz, dass wir nochmal zu den Wachstumszahlen in China von 7 bis 8 Prozent zurückkehren werden?
Für die nächsten beiden Jahre sehe ich durchaus ein Wachstum um und über 6 Prozent. Aber hier wirkt ganz einfach das Einstein’sche Gesetz: Je größer eine Masse ist, desto mehr Energie brauche ich, um sie zu bewegen. Das sehen wir überall, zum Beispiel auch in Südkorea – Wachstumsraten gehen auf Dauer zurück.

Muss uns das erschrecken?
Überhaupt nicht. Wir können den Chinesen beim Umbau ihrer Wirtschaft helfen. Wir müssen uns eben aber aus dem reinen Export von Gütern verabschieden.

So reagieren die Märkte aufs China-Beben

SSE Composite Index

WKN
ISIN
CNM000000019
Börse
SE

+34,69 +1,29%
Chart von SSE Composite Index
Shanghai Composite Index
1 von 15

Der Aktiencrash des Sommers ist gerade einmal ein halbes Jahr her, nun kracht es wieder an der chinesischen Börse: Nach dem zweiten Kursrutsch in der ersten Januarwoche wurde der Wertpapierhandel am Donnerstag erneut für den Rest des Tages ausgesetzt – gerade einmal eine halbe Stunde nach der Börseneröffnung. Das war damit der kürzeste Handelstag der 25-jährigen Geschichte der chinesischen Börse. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen waren zuvor um mehr als sieben Prozent gefallen.

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+120,75 +0,99%
Chart von DAX ®
Dax
2 von 15

An den Märkten weltweit sorgte die chinesische Börsenschließung für ein Kursbeben, so auch im Dax. Der deutsche Leitindex verlor am Vormittag mehr als drei Prozent.

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
L&S

-0,31 -0,22%
+139,49€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Auto-Aktien
3 von 15

Am härtesten traf es die Autowerte im Dax, allen voran Volkswagen. Kein Wunder, schließlich gehört China zu den wichtigsten Exportmärkten des ohnehin schon krisengebeutelten Konzerns. Die VW-Aktie sank um rund sechs Prozent ab und war damit eindeutig der Dax-Kellerwert des Tages. Für BMW ging es ebenfalls tief nach unten. Die Aktie rutschte um 4,5 Prozent. Auch die Daimler-Papiere büßten mehr als vier Prozent ein.

CAC 40

WKN
ISIN
FR0003500008
Börse
PAR

+34,72 +0,65%
Chart von CAC 40
CAC 40 Index
4 von 15

Den Dax trifft der China-Crash naturgemäß besonders hart, schließlich sind die darin gelisteten Unternehmen exportstark und auch die Automobilwerte machen einen nicht unwichtigen Teil des Index aus. Etwas leichter kommen die anderen europäischen Aktienmärkte davon. Der französische Leitindex CAC 40 verlor rund 2,7 Prozent.

FTSE 100

WKN
ISIN
GB0001383545
Börse
n. a.

Chart von FTSE 100
FTSE 100 Index
5 von 15

Noch weniger gelitten hat der britische FTSE 100 Index, von den Anlegern liebevoll auch „Footsie” genannt. Dieser verlor gerade einmal ein Prozent.

NIKKEI 225 INDEX

WKN
ISIN
JP9010C00002
Börse
TOKIO

-71,38 -0,32%
Chart von NIKKEI 225 INDEX
Nikkei
6 von 15

Für den japanischen Nikkei ging es dagegen prompt auf ein Dreimonatstief auf 17.767 Punkte. Zugleich verbuchte der Index die größte Neujahrspechsträhne seit 1995. Grund dafür ist der durch die China-Turbulenzen erstarkte Yen.

JPY/USD

WKN
ISIN
XC0009652428
Börse
XRATE

+0,00 +0,01%
+0,01€
Chart von JPY/USD
Yen
7 von 15

Die Anleger haben die japanische Währung als sicheren Hafen angesteuert. Diese gewann gegenüber dem US-Dollar.

Also weniger Autos, mehr Know-how liefern?
Die Autos sind geliefert, die Werke auch schon aufgebaut, jetzt geht es um die zweite Welle: Die Infrastruktur zum Beispiel. Straßen, Gebäudetechnik, Medizintechnik, Umwelttechnik – all das braucht China, um den Lebensstandard der Menschen weiter zu verbessern.

Sie sind Aufsichtsratsvorsitzender von HSBC Trinkaus und Burkhardt. Trifft die Banken der Börsencrash in China?
Erstmal nicht – was die Eigenanlage betrifft. Das Volumen ist nicht so groß. Aber wir reden natürlich mit unseren Kunden über deren Engagement in China.

Also nur mittelbar ...
Ja, als Kreditgeber zum Beispiel. Aber ich glaube, China wird weiter wachsen. Und der mögliche Rückgang kann durch die USA und leicht auch durch Europa kompensiert werden. Die Welt dreht sich weiter – wir haben eine Milliarde neue Konsumenten gewonnen, und die fallen nicht einfach vom Planeten.

„Die chinesische Bevölkerung schätzt eines: Stabilität“
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