Wirtschaftsweiser Lars Feld „Anleihenkäufe der EZB sind der falsche Weg“

Lars Feld rechnet mit moderatem Wachstum für die deutsche Wirtschaft. Ein Ende der Euro-Zone wäre für Deutschland extrem kostspielig, so der Wirtschaftsweise . Im Extremfall drohe ein Konjunktureinbruch von 10 Prozent.
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Lars Feld, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg und Mitglied des Sachverständigenrates (SVR). Quelle: dapd

Lars Feld, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg und Mitglied des Sachverständigenrates (SVR).

(Foto: dapd)

FrankfurtDer Wirtschaftsweise Lars Feld rechnet trotz erlahmender Konjunktur mit einem Wachstum von 0,8 bis 0,9 Prozent in diesem Jahr. "Alles hängt von der Frage ab, ob die Euro-Schuldenkrise gelöst werden kann. Wenn nicht, dann gibt es einen schärferen Rückgang", sagte Feld im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Im schlimmsten Fall, bei einem Auseinanderbrechen des Euro, sei sogar eine massive Krise mit einem Kollaps der Konjunktur von bis zu zehn Prozent denkbar.

Das zweite Halbjahr 2012 hat Feld selbst für den Fall abgeschrieben, dass eine Entschärfung der Krise gelingen sollte. Für das dritte und vierte Quartal prognostiziert der Ökonom Stagnation oder gar eine schrumpfende Wirtschaftsleistung.

Zur Lösung der Schuldenkrisen favorisiert Feld nach wie vor den vom Sachverständigenrat, dem er angehört, angeregten Schuldentilgungsfonds. Dieser wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings bereits abgelehnt. Die in Deutschland höchst umstrittenen Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) hält Feld hingegen für den falschen Weg. Zugleich räumte er ein, dass die EZB mit entsprechender Feuerkraft durchaus für vorübergehende Ruhe an den Finanzmärkten sorgen und damit den Druck auf die Schuldenländer des Südens reduzieren kann. "Wenn die Politik es selbst nicht schafft, die Krise zu lösen, dann bleibt nur die EZB. Es überwiegen aber die Nachteile."

Banken an die Leine!

EZB-Präsident Mario Draghi arbeitet derzeit mit Hochdruck an den Details eines neuen, zweiten Staatsanleihenkaufprogramms. Er will Ländern, die sich unter den Euro-Rettungsschirm flüchten und strikte Auflagen akzeptieren, mit Bondkäufen am Markt helfen und deren Zinslast drücken. Die EZB würde somit ihre Entscheidung von bestimmten Konditionen - sprich Bedingungen - abhängig machen und schließlich unter geldpolitischen Aspekten abwägen, ob sie am Markt eingreift oder nicht. Für Feld hat diese Strategie nur mäßige Aussichten auf Erfolg: "Die EZB wird Schwierigkeiten haben, Konditionalität festzulegen." Zudem bleibe die Frage offen, wie Fehlverhalten einzelner Länder sanktioniert würde.

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Staatsanleihenkäufe der EZB nicht vertragswidrig
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24 Kommentare zu "Wirtschaftsweiser Lars Feld: „Anleihenkäufe der EZB sind der falsche Weg“"

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  • Der Wirtschaftsweise Lars Feld rechnet trotz erlahmender Konjunktur mit einem Wachstum von 0,8 bis 0,9 Prozent in diesem Jahr. "Alles hängt von der Frage ab, ob die Euro-Schuldenkrise gelöst werden kann. Wenn nicht, dann gibt es einen schärferen Rückgang"
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    Mein Gott, was für ein hochintelligente Aussage.
    Hätte ich von einem Prof. nun gar nicht gedacht.
    Aber er ist ja auch Wirtschaftsweiser, das sagt alles.
    Arme Studenten, die heute von solchen Vollpfosten unterrichtet werden

  • @Philosoph
    Horrorszenario, dem keine innere Logik zukommt.
    Sollte es zu den von Ihnen katastrophalen wirtschaftlichen Entwicklungen kommen, die Sie mit einer Aufwertung verbinden, würde sich diese Aufwertung selbst als absurd erweisen, denn der Wert einer Währung hier der neuen DM, bemißt sich immer an der Wirtschaftskraft und dem wirtschaftlichen Erfolg des zugeordneten Landes.
    Insofern würde die von Ihnen vorhergesagte Aufwertung auch schnell wieder in sich zusammenfallen.
    Etwas Logik sollte einem Philosophen eigentlich zukommen.
    Zudem in Voreuro Zeiten mit einer DM war die deutsche Wirtschaft durchaus exportfähig und wirtschaftlich stark.

  • "...Man muss Ihr Argument mal zu Ende denken. Wenn es stimmt, dass die DEM "massiv" aufgewertet wird, dann sind die PIIGS heute zu gut bewertet und damit nicht wettbewerbsfähig und D ist zu niedrig bewertet. Und nun?..."

    Danke für die Zusammenfassung. Die ist bis hier hin völlig richtig! Die PIGGS sind nicht wettbewerbsfähig, Deutschland schon. Die Aufwertung der DEM würde aber diesen Wettbewerbsvorteil (der aktuell besteht) auflösen, oder gar völlig zunichte machen => wobei wir dann so dastehen wie aktuell z. B. die Griechen - klar?!

    Natürlich "löst" man das Problem nicht, in dem die EURO-Zone so bleibt - logisch! Aber man "kauft" aktuelle über die - zugegeben nicht sehr wirkungsvollen aber sehr sprengkrafthaltigen - Mechanismen (EFSF / ESM / EZB) Zeit! Schätze die PIGGS brauchen 5 bis 10 Jahre um da hin zu kommen wo wir jetzt sind (vielleicht auch mehr...).

    Außerdem meinte ich nicht, der Verbleib in der EURO-Zone sei für Deutschland "alternativlos", sondern...

    "Besser 100 Jahre lang eine Milliarde nach Griechenland als eine Billion auf ein mal futsch..."

    Das muss doch einleuchten, oder?

    Daher bin ich für den Verbleib GR in der EURO-Zone und für die "Bazooka" (soll Super-Mario die EUROs nur so raushauen... jeder kriegt soviel er will, Zins 0,00% für ewig...). Soll der ESM ne Banklizenz bekommen... -Scheiß egal!

    Klar ist: Wenn wir austreten, knallt es (100% Eintrittswahrscheinlichkeit!) Wenn die EURO-Zone so weiter "rummurkst" knallt es vielleicht (40% Eintrittswahrscheinlichkeit). Wenn der ESM Anleihen bis zur Kotzgrenze kauft knallt es wahrscheinlich(!) nicht - 1% Eintrittswahrscheinlichkeit!

    Sollte dieses 1% aber eintreffen - sind wir alle "tot" (im Sinne von "Licht aus, das war's...")

  • "Na Deutschland würde, bei einem Austritt, massiv an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen (weil die neue DEM massiv aufwertet)"

    Man muss Ihr Argument mal zu Ende denken. Wenn es stimmt, dass die DEM "massiv" aufgewertet wird, dann sind die PIIGS heute zu gut bewertet und damit nicht wettbewerbsfähig und D ist zu niedrig bewertet. Und nun? Dadurch, dass man den Euro zusammenhält löst sich dann auch dieses Problem von ganz allein? Oder was soll das Argument aussagen?

  • Natürlich ist ein Austritt Deutschlands aus dem EURO möglich! Nur... unsere Politiker wollen nicht, dass wir so enden wie die Griechen / Spanier / Italiener! Wieso?

    Na Deutschland würde, bei einem Austritt, massiv an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen (weil die neue DEM massiv aufwertet), hätte also dann bald das Problem, das heute die Griechen haben. Einzig können wir dann davon ausgehen, dass riesige Kapitalströme nach Deutschland fließen (sowohl in Staatsanleihen als auch in den privaten Sektor), wqorauf dann die Zinsen gegen 0,0% tendieren. Das Umfeld wäre dann etwa so:

    Wirtschaftswachstum -10% (weil kein Export mehr möglich)
    Zinsniveau 0,01% (toll für Investitionen, wenn man sich denn traut...)
    Arbeitslosigkeit +1 Million Arbeitslose...
    Steuereinnahmen des Staates -100 Mrd. jährlich
    Verschuldung: 120% des BIP

    Deutschland schlüpft unter den selbst gegründeten DEM-Rettungsschirm...

    ...danach geht das Licht aus!

  • ... Sie haben DEUTSCHLAND vergessen: auch Pleite! "Pleite" im Sinne von "ich habe nichts" sind sie nämlich alle! Pleite im Sinne von "mir gibt keiner mehr was" (nichts anderes sind die stetig steigenden Renditespreads) sind sie bald wirklich alle!

  • Das sehen andere aber ganzzzz anders.
    "Der Staatsanleihenkauf ist nicht vertragswidrig im juristischen Sinne."
    Wie kommt er denn zu dieser Wahnsinn`s Summe?
    "Die Bruttoforderungen Deutschlands gegenüber den anderen Euro-Ländern betragen rund 3,5 Billionen Euro",

    Vertretbar, da unsere Freunde sowieso nicht zahlen. Unsere Freunde haben bisher ca. 760 Mrd. anschreiben lassen. Da von einem Wegbrechen der Exporte zu sprechen ist doch lächerlich. Wir bezahlen doch unsere eigenen Exporte die nach Spanien und Italien u.s.w. gehen.
    Vielleicht könnten Sie auch eine Rechnung aufmachen wenn wir weiterhin diesen Euro Wahnsinn mitmachen.
    "Das Bruttoinlandsprodukt würde wohl zwischen sieben und zehn Prozent einbrechen"
    Ja sollen wir uns denn weiter erpressen lassen, von unseren Freunden. Wenn Sie das unter politischen Folgen verstehen sollten wir uns schleunigst ein etwas distanziertes Verhältnis zu den jeweiligen Freunden eingehen. Wie würde das denn die nächste Jahre ablaufen?
    "ganz zu schweigen von politischen Folgen"

  • Juncker ist einer der schlimmsten Finger innerhalb der EU -gemeinsam mit Barroso. Warum werden wohl alle europäischen Finanzfaziliäten (EFSM, ESM etc.) in Luxemburg stationiert? Sie sind nach meinem Kenntnisstand alle dort eingetragen. Wie kann also ein Bürgermeister von Luxemburg, dieser Juncker, ein allen europäischen Interessen gerecht werdender Vertreter bzw. Euro-Gruppenführer sein?

  • @edelzwicker
    Ich widerspreche Ihnen nicht. Contenance heißt "Haltung zeigen" Die Mischung von Verbindlichkeit (nichts anderes ist Diplomatie) und Härte in der Sache ist allerdings angebracht. In der Politik ist nichts alternativlos und schon gar nicht in der Geldpolitik der EU. Selbstverständlich muß ein Austritt Deutschlands aus der Währungsunion inc. Gründung eines Nordeuros möglich sein und z.B. einem Herrn Monti auch
    bewußt werden, der sich sonst bemüßigt sieht, sich in allerlei Phantasien zu ergehen gleiches gilt für Herrn Juncker.
    Es gibt Interessenkonflikte in der EU und die können nicht ständig unter den Tische gefegt werden.
    Wenn die Peripherieländer glauben, entsprechendes pol. Erpressungspotential zur Verfügung zu haben, weil sie der Meinung sind, Deutschland und andere Stabilitätsländer würden den Einheitseuro nie und nimmer aufgeben, müssen sie eines besseren belehrt werden, allerdings mit "Contenance" und Höflichkeit aber unmißverständlich.

  • - Die Euro-Visionäre sind nicht in der Lage ein schlüssiges, zu Ende gedachtes Konzept vorzulegen - oder sie sind in der Lage, wagen es aber nicht es kund zu tun da es heißt: "Alle sind am Ende pleite, und wir fangen dann gleich mit der finalen Transferunion an".

    - Der Euro-Ausstieg (siehe Meldungen zu Finnland) wird zum Tabu erklärt, da mit sehr hohen Kosten verbunden. Die weit höheren Kosten beim Verbleib im Euro werden verschwiegen und ignoriert.

    - Die Euro-Kriegsgewinnler haben weitgehend die Kontrolle über die Massenmedien (TV etc. ...) übernommen.

    - Das Haupthindernis für eine objektive Euro-Analyse mit sachgerechter Schlußfolgerung ist das Ego der Beteiligten: Eine ganze Generation von Politikern und deren Claqueure müsste zugeben, dass sie Deutschlands und Europas Bürgern unermesslichen Schaden zugefügt haben, ihr Lebensziel und ihre Reputation wären vernichtet

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