World Economic Outlook IWF warnt vor globaler Konjunkturflaute

Europa und die USA haben die Welt in ihrer Hand. Lösen sie ihre Probleme, geht es aufwärts. Versagen sie, droht der Welt eine erneute tiefe Krise.
Update: 09.10.2012 - 03:55 Uhr 14 Kommentare
Die weltweite Industrieproduktion im ersten Halbjahr 2012 war enttäuschend. Quelle: dpa

Die weltweite Industrieproduktion im ersten Halbjahr 2012 war enttäuschend.

(Foto: dpa)

Tokio/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Welt vor einer historischen Wahl zwischen Rezession und Erholung. Zum einen hat der IWF die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt und vor einer globalen Rezession gewarnt. „Das Risiko einer gravierenden Verlangsamung der Weltkonjunktur ist alarmierend hoch“, schrieb der IWF in seinem „World Economic Outlook“.

Zum anderen zeigte sich IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard am Dienstagmorgen in Tokio bei der Vorstellung des Berichts „vorsichtig optimistisch“, falls die Länder der Euro-Zone ihre Versprechen umsetzen und die USA ihre „fiskalpolitische Kliff“, ein hartes, durch politische Blockade verursachtes Sparprogramm, vermeiden. „Das Argument für ein verbessertes Szenario ist ein bisschen stärker als für einige Zeit war“, so Blanchard.

In seinem halbjährlichen „World Economic Outlook“ senkte der IWF seine Prognose von 3,9 auf 3,3 Prozent. Für 2013 sagt die IWF-Ökonomen zwar 3,6 Prozent Wachstum voraus. Jedoch erhöhten sie auch die Wahrscheinlichkeit, dass das das globale Wachstum unter zwei Prozent sinken könnte, von vier auf 17 Prozent. Zwei Prozent gilt als Schwelle für eine globale Rezession.

Der Grund für die Revision ist das unerwartet maue erste Halbjahr 2012, die weltweit auf die Industrieproduktion und den Handel drückten. Auch die Sparrunden, die praktisch alle westlichen Regierungen gleichzeitig umsetzten, hätten die globale Nachfrage stärker belastet als zuvor angenommen, erklärte Blanchard. Tatsächlich haben die Industrieländer ihre Haushalte zuletzt um Werte in Höhe von einem Dreiviertelprozent der Wirtschaftsleistung zusammengestrichen. 2013 dürfte es sogar ein Prozent sein.

Die Schwäche der Industrieländer schlägt derweil voll auf die Schwellenländer durch. Das Abflauen von Chinas Hochwachstum ginge zu einem Großteil auf schwächere Auslandsnachfrage zurück, sagten die IWF-Ökonomen. Daher haben die Fonds-Forscher in fast allen Ländern ihre Prognosen gesenkt. Besonders groß ist die Korrektur für Deutschland: Die Prognose für 2013 senkten die IWF-Forscher gleich um einen halben Prozentpunkt.

Allerdings erwarten die IWF-Volkswirte, dass es ab der zweiten Jahreshälfte 2013 mit der Weltkonjunktur wieder aufwärts gehen wird. Doch sicher ist das längst nicht. Denn die IWF-Vorhersage für das kommende Jahr basiert auf ungewöhnlich optimistischen Annahmen.

So gingen sie bei ihren Berechnungen einerseits davon aus, dass es Europas Politikern gelingt, die Krise in der Währungsunion weiter einzudämmen und mit institutionellen Reformen für neues Vertrauen in der Wirtschaft zu sorgen, erklärte Jörg Decressin vom IWF in Tokio. Andererseits müssten die Amerikaner das sogenannte fiskalische Kliff „entschärfen“, so Decressin. Sonst drohe weltweit eine Rezession.


Wachstum Bruttioinlandsprodukt

Deutschland (in %)

20122013
Prognose Juli 20121,01,4
Prognose Oktober 20120,90,9
Quelle: World Economic Outlook (IWF), Oktober 2012
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14 Kommentare zu "World Economic Outlook: IWF warnt vor globaler Konjunkturflaute"

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  • Richtig! Die kapitalistischen Entscheidungsträger von heute sind nicht mehr die gleichen wie gestern. Bei denen war klar dass ein gesunder und nachhaltiger Wachstum und damit gesellschaftliche Werteschaffung nur durch gerechte und für den Konsum logische Verteilung zu erreichen ist. Bei den heutigen hingegen dominiert die durch Minderwertigkeitskomplexe (da sie ja nicht diejenigen sind, die die Werte geschaffen haben und daher, oder gerade deswegen, danach streben bewundert und geliebt zu werden) hervorgerufene Gier gepaart mit dem völligen Unwillen zu teilen. Im Gegenteil wird der arbeitenden Bevölkerung nicht nur deren Verdienst gekürzt, Arbeitplätze vernichtet und in Billiglohnländer transferiert sondern auch noch ganz perfide es ermöglicht sich für den für die Wirtschaft notwendigen Konsum, verbunden mit hoher Zinsbelastung, zu verschulden.

  • Ludwig Erhard sagte mal "Zur sozialen Marktwirtschaft gehört auch das Maßhalten"
    Aber das Maßhalten ist der Gier gewichen und soziale Marktwirtschaft haben wir nicht mehr. Wir haben knallharen Manchester-Kapitalismus
    Immer mehr, immer höher, immer weiter etc.
    Dies aber hat uns doch genau dahin geführt, wo wir heute sind.
    Wohin hat denn Schröders Agenda 2010, Dumpinglöhne etc. in Deutschland geführt?
    Und obendrauf noch die völlig falsche Einführung des Euro? Der ja für uns eine 100%ige Preiserhöhung war und bis heute ist
    Und zum völligen Zusammenbruch des Binnenmarktes führte, wenn kein Geld bei den Leuten ist, können die eben nichts kaufen.
    Und Merkel macht das doch weiter, nur noch schlimmer.
    Und das will sie doch nun auch den anderen Euro-Staaten befehlen.
    Das ist Brüning-Politik.
    Wo die letztendlich hingeführt hat, ist doch bekannt

  • Wenn das "Der IWF rät daher, die lockere Geldpolitik weltweit fortzusetzendie" Lösung sein soll, dann frage ich mich, für was wir diese Schmarotzer brauchen. Für die Einführung und Legitiemierung der dann endlich weltweiten Planwirtschaft ?
    Na gute Nacht !

  • Naja der Patient ist schon lange nicht mehr gesund. Und der deklarierte Wachstum ist einer, wenn man überhaupt davon reden kann, der nur ganz wenigen nutzt, zum Schaden aller Anderen.

  • Hier ist Wunschdenken wohl der Vater des Gedankens. Die Realität sieht freilich anders aus und zeigt gleichzeitig dass die Entscheidungsträger schon lange den Blick dafür verloren haben. Jede Initiative und Entscheidung seitens dieser Damen und Herren wird den Kollaps nicht aufhalten sondern nur noch beschleunigen, zielen sie doch nur darauf das System, welches die Ursache dieser Entwicklung ist, weiter zu ernähren. Tatsache ist dass schon heute die Geldmenge in der globalen Finanzwelt ein vielfaches derer ist was weltweit an Wahren und Dienstleistungen produziert wird die zudem auch noch stetig abnehmen. Auf der anderen Seite wird der Markt und damit der Konsum, durch immer höhere Steuerbelastungen, immer stärker kompromittiert. Die einzig vernünftige Lösung währe 1) durch kontrollierte Inflation wieder für ein gesundes Gleichgewicht der Wahren und Dienstleistungen im Verhältnis der zirkulierenden Geldmenge zu sorgen und 2) Dem Markt (Konsumenten) wieder die Mittel für den Konsum zu geben. Dies aber nicht in Form von mit Zinsen belasteten Krediten. Mises hatte schon recht als er bereits 1912 fest stellte das “ein System was auf Kreditexpansion beruht zum Kollaps verurteilt ist”.

  • Wenn die weltweite Schuldenpolitik zu Ende sein soll, gibt es einen gnadenlosen Einbruch. Das ist doch wohl klar. Die USA finanzieren 35% ihres Haushaltes oder über 10% des BIP jedes Jahr über neue Schulden. Das bringt dann 1,5% Wachstum - toll oder? Der Rest der Welt ähnlich. Damit ist nun Schluss - freiwillig oder der "Laden" fällt mit einem Knall auseinander. Zukünftig gibt es ein neues Wort: Wirtschaftschrumpfung (nicht Minus-Wachstum), das kennen die Volkswirte noch garnicht. Realistisch = Die Zukunft sieht schlecht aus - so oder so.

  • "Die Prognose beruht auf unerwartet optimistischen Annahmen" - mein Lottozttel auch...

  • Europa und die USA haben die Welt in ihrer Hand. Lösen sie ihre Probleme, geht es aufwärts. Versagen sie, droht der Welt eine erneute tiefe Krise.

    Sie werden versagen, da bin ich mir ganz sicher!

  • ... und EZB rät zu Lohnsenkungen. Man darf sich doch mal fragen, was genau an dieser Wirtschaft frei ist? Mehr planerische Gleichschaltung war nie. Dafür reicht der Abacus. Und tatsächlich erzeugt der globale Absprachenschwachsinn bloß einen Riesenbrecher mit untiefem Wellental; eine handvoll Megaerzeuger (Apple, Monsanto) werden zu Giganten aufgeblasen und der Rest geht pleite.

    Der Computer macht nicht nur dumm, er macht regelrecht blöde.

  • Naja, Wachstum ist immer gut nur wo hört Wachstum auf? Sie sind wie alt? Was wir weltweit haben, hat mich Wachstum nichts mehr zu tun sondern mit Wucherung. Stellen Sie sich vor, Ihr Arzt erklärt SIE morgen für unendlich erkrankt, kurz vor dem Tod, nicht mehr rentabel etc. weil sie seit ihrem 20. Lebensjahr nicht mehr wachsen....zwar gesund sind aber sie wachsen nicht mehr.

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