Zinssignal Die EZB steckt in einem Dilemma

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Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola

Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatt.

(Foto: Pablo Castagnola)

Viel deutlicher konnte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, nicht werden. Eine Erhöhung der Leitzinsen auf der nächsten Sitzung des Zentralbankrates im April sei möglich, aber nicht sicher, sagte er heute auf der Pressekonferenz der EZB in Frankfurt. Das bedeute aber nicht, dass nun eine Serie von Leitzinserhöhungen beginne, fügte er auf Nachfrage hinzu. Damit ließ er keinen Zweifel daran, wie die Mitteilung zu verstehen war, dass der Zentralbankrat die Entwicklung der Inflationsraten im Euro-Raum mit "starker Wachsamkeit" beobachte. Die Märkte haben also das Zinssignal bekommen, auf das sie spekuliert hatten: Europa geht mit Zinserhöhungen voran.

Die EZB steckt in einem Dilemma: Die steigenden Preise für Öl, andere Rohstoffe und Lebensmittel haben die Inflationsrate im Euro-Raum auf 2,4 Prozent hochgetrieben. Es wird wohl auch eine Zeitlang dauern, bis sie wieder auf die Marke von knapp zwei Prozent sinkt, die sich die Zentralbank als Stabilitätsziel gesetzt hat. Die Inflationserwartungen beginnen bereits zu steigen. Das alles spricht für eine baldige Zinserhöhung, um zu verhindern, dass die Inflation eine Eigendynamik bekommt.

Auf der anderen Seite jedoch stecken mehrere Krisenländer der Euro-Zone in einer Rezession oder stehen am Rande einer solchen. Sie brauchen noch auf absehbare Zeit Unterstützung durch niedrige Leitzinsen, während für das boomende Deutschland die Zinsen eigentlich schon zu niedrig sind. Egal was die Frankfurter Währungshüter also machen, es wird unerwünschte Nebenwirkungen haben. Eins ist aber auch klar: Eine Zinserhöhung wird den Euro gegenüber dem Dollar in den nächsten Wochen und Monaten stärken.

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7 Kommentare zu "Zinssignal: Die EZB steckt in einem Dilemma"

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  • Die Inflation ist in den EU-Mitgliedstaaten in die Höhe geschossen, die von EZB, Kommission und IWF auf einen gnadenlosen Sparkurs gezwungen wurden oder - wie Großbritannien - von sich aus einen solchen eingeschlagen haben. Wenn der Absatz einbricht, dann werden die Preise angehoben. Dennoch gehen reihenweise Firmen pleite - primäre kleine Unternehmen.

    Das heißt, die Inflation ist hausgemacht! Die Krise in nordafrikanischen Staaten wirkt verstärkend und selbstverständlich auch Spekulation auf Rohstoffe - das hatten wir 2008 schon einmal, jetzt wiederholt es sich und damit zeigt sich, wie wenig effektiv die Politik einer Wiederholung der Finanzmarktkrise entgegengewirkt hat.

    MfG
    Stefan L. Eichner

  • Ich seh das genauso,wenn die Zinsen jetzt steigen,werden die Staatsschulden weiter wachsen,auch nache einer Schuldenbremse,allein schon durch den Zinseszins.Anleihen der Peripherie sind mittlerweile mit hohem Risiko behaftet und so werden Gläubiger einen höheren Zins als bisher verlangen.Was ich nicht verstehe,warm man sich so auf Spanien und Portugal einschießt,wo doch Italien der viel größere Brocken ist mit einer doppelt so hohen Verschuldung wie die Spanier und fast derselben Höhe der Griechen.Italien hat die gleichen Strukturprobleme wie viele Südländer,wenig Industrie,hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Wachstumsaussichten.Ohne einen Schuldenverzicht von Gläubigern dieser Staaten,sind die Staaten nicht zu retten,auch mit Bekundungen alles zum Erhalt der EWU zu tun wird nicht mehr lang ziehen,denn wenn diese Staaten in den Abgrund fallen,ziehen sie alle anderen europäischen Staaten mit,denn die haften ja mittlerweile im "Namen des Euro" mit,was nach EU Vertrag eigentlich unzulässig ist und das führt zum Zerbrechen der EU in der jetzigen Form.Man hätte mit ein bißchen Inflation die Haushalte sich etwas entschulden lassen können,aber das könnte jetzt der Abfang vom Ende der EU sein,denn es ist richtig in Deutschland bräuchten wir vielleicht höhere Zinsen,für die anderen Länder ist es jedoc Gift.Zumal die Inflation nicht aus Zweitrundeneffekten kommt,sondern nur aus Preissteigerungen der Rohstoffe.Und solange die Fed oder die Chinesen nicht die Zinsen erhöhen,werden Rohstoffe weiter haussieren und die Inflation treiben,egal ob die EZB die Zinsen erhöht,das würde nur in einem lokalen Markt funktionieren,aber nicht global,das ist als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen.Naja erst retten wir die Banken,dann die Staaten und am Ende wer rettet uns... Niemand.

  • An den Autor:

    Was bitte verstehen Sie unter einer boomenden deutschen Wirtschaft???
    Seit wann ist der Begriff "boom" adäquat, wenn man sich immer noch in einer rezessiven Phase befindet. Wir holen ganz nüchtern betrachtet gerade auf, sind aber immer noch im Minus!Und heute war doch glatt zu lesen, dass der Einzelhandel im Januar 2011 gegenüber dem Dezember 2010 ein bisschen zugelegt hat. Aber in Ihren Augen, geehrter Ökonom, war bei uns in Deutschland das Weihnachtsgeschäft ein grandioser, boomender Kaufrausch! Die meisten Ökonomen sind nichts anderes als Lobbyisten der Konzerne!

  • An den Autor:

    Was bitte verstehen Sie unter einer boomenden deutschen Wirtschaft???
    Seit wann ist der Begriff "boom" andequat, wenn man sich immer noch in einer rezessiven Phase befindet. Wir holen ganz nüchtern betrachtet gerade auf, sind aber immer noch im Minus!Und heute war doch glatt zu lesen, dass der Einzelhandel im Januar 2011 gegenüber dem Dezember 2010 ein bisschen zugelegt hat. Aber in Ihren Augen, sehr geehrter Herr Ökonom, war gab es sicherlich bei uns in Deutschland ein Weihnachtsgeschäft im Kaufrausch! Die meisten Ökonomen sind nichts anderes als Lobbysten der Konzerne!

  • Pardon, sollte heissen "Sollte man also die ZINSEN niedrig halten ..."

  • Das Dilemma ist die Fehlkonstruktion der Kunstwährung Euro. In Deutschland und anderswo wäre längst eine Zinserhöhung notwendig in andere Staaten der Euro-Zone eben nicht und kontraproduktiv. Was nicht zusammengehört passt eben nicht zusammen. So einfach ist das.

  • Steigen die Zinsen, werden viele hochverschuldete Staaten ihre steigende Zinslast nur mit zusaetzlichen Schulden bedienen koennen. Die Laender, die schon bei niedrigen Zinsen ihren Schuldendienst nicht leisten konnten, werden noch tiefer in die Schuldenfalle geraten. Staaten, die es bei anhaltend niedrigen Zinsen vielleicht haetten schaffen koennen, streben dann ebenfalls in die Schuldenfalle. Staaten, die glauben mit Rettungsschirmen in Not geratene Laender retten zu koennen, werden in deren Sog mit in die Tiefe gezogen werden. Sollte man also die Schulden niedrig halten und Inflation in Kauf nehmen? Wuerde sich dann vielleicht die aus Sicht der Schuldner wuenschenswerte Nebenwirkung einer schleichenden Entwertung der Schulden einstellen?

    Wer aber wuerde Anleihen zu niedrigen Zinsen kaufen, wenn die Inflationserwartungen steigen? Weil die meisten Laender auslaufende Kredite mit neuen Krediten refinanzieren muessen und sich Geldgeber nicht mit Zinsen unterhalb der Inflationrate werden abspeisen lassen, werden die Zinsen so oder so steigen. Die Zinslast steigt und fuer die meisten Staaten wird damit auch die Verschuldung steigen. Der Lauf der Dinge kann also wahrscheinlich nicht mehr aufgehalten werden. Die Zentralbank wird ganz allmaehlich die Faehigkeit zur Zinsgestaltung verlieren. Schliesslich wird sie auch die Kontrolle ueber die Inflation verlieren. Vielleicht kommt am Ende einer ausser Rand und Band geratenen Inflation ein Reset in Form einer Waehrungsreform. Vielleicht koennen wir dann einen neuen Anfang machen.

    Wenn es aber ganz schlecht kommt, verlieren wir mit unserer Waehrung auch unsere freie Wirtschaftsordnung und vielleicht bleibt unsere buergerliche Gesellschaft, wie wir sie kennen, auch auf der Strecke.

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