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Auslandsstudium Lund statt London – Warum der MBA in Skandinavien boomt

Amerika und Großbritannien galten als das Maß der Dinge für ein internationales MBA-Studium. Nun werden Business-Schools in Nordeuropa immer beliebter. Woran liegt das?
27.11.2020 - 09:58 Uhr Kommentieren
Die Uni in Südschweden ist bei ausländischen Studierenden beliebt. Quelle: Michael Runkel/robertharding/lai
Universität Lund

Die Uni in Südschweden ist bei ausländischen Studierenden beliebt.

(Foto: Michael Runkel/robertharding/lai)

Kiel Kopenhagen zählt zu den 100 meistbesuchten Städten der Welt. Attraktionen wie das Tivoli, der malerische Nyhavn, die kleine Meerjungfrau und das reichhaltige Kulturangebot locken jährlich mehr als drei Millionen Besucher an – zumindest war das vor Corona so. Weniger bekannt ist, dass die dänische Hauptstadt dem internationalen Managementnachwuchs eine weitere Attraktion zu bieten hat: die Copenhagen Business School (CBS) nämlich, die mit rund 21.000 Studenten zu den größten Wirtschaftsuniversitäten der Welt zählt.

Die CBS gehört zum illustren Kreis der „Triple Crown“ – das sind Business-Schools, die von allen drei international relevanten Zertifizierungsorganisationen EQUIS, AMBA und AACSB akkreditiert sind. Weniger als 100 Hochschulen weltweit können sich mit diesem Titel schmücken, darunter Topadressen wie die London Business School, die IESE in Barcelona oder die Universität St. Gallen in der Schweiz.

Viele Jahre galten Business-Schools gerade in den angelsächsischen Ländern als das Maß aller Dinge für den renommierten Wirtschaftsabschluss Master of Business Administration (MBA), der auf Führungskräfte ausgerichtet ist. Hochschulen in den USA und Großbritannien standen in der Gunst internationaler Studenten ganz oben, doch seit einiger Zeit bröckelt die Vorherrschaft. Der Brexit, die restriktive Einwanderungspolitik der US-Regierung sowie die hohen Corona-Infektionszahlen in Amerika und England lassen Bewerber, die gern im Ausland studieren möchten, nach Alternativen suchen – und die finden sich zunehmend in nordischen Gefilden.

Zum Beispiel an der CBS. „Unser Programm ist extrem international“, sagt Andreas Rasche, stellvertretender Dekan und zuständig für das Fulltime-MBA-Programm. „90 bis 95 Prozent unserer Studenten kommen aus dem Ausland.“ Neben den hohen akademischen Standards schätzen internationale Studenten auch die Sicherheit, die Dänemark bietet. Viele Bewerber mieden derzeit Länder mit schlechtem Pandemie-Management und schwachem Gesundheitssystem, vermutet Rasche.

Trotz aktueller Reisebeschränkungen und wirtschaftlicher Unsicherheit durch die Pandemie nimmt die Nachfrage nach Vollzeit-MBA-Programmen derzeit sogar zu, zeigen regelmäßige Umfragen des US-Bildungsdienstleisters GMAC. Demnach verläuft die Nachfrage nach Management-Studiengängen antizyklisch. „Die Opportunitätskosten, den Job für ein Vollzeitstudium aufzugeben, sinken, wenn die Wirtschaft schrumpft. Und mehr Leute fangen an, über ihre Karriereaussichten nachzudenken“, sagt GMAC-Präsident Sangeet Chowfla.

Und davon profitieren derzeit insbesondere Business-Schools in Europa. Fast drei von vier europäischen MBA-Programmen (72 Prozent) verzeichnen 2020 ein Plus – auch die CBS.

Präsenzlehre trotz Pandemie

Dänemark gilt als unaufgeregtes und gut organisiertes Land. Und in internationalen‧ Rankings zur Lebensqualität erzielt es regelmäßig Spitzenplätze. „Zudem erlaubt uns das vergleichsweise gute Corona-Management, fast das gesamte Programm im Präsenzunterricht durchzuführen“, sagt Wirtschaftsprofessor Rasche. Dass unter seinen Studenten bislang nur wenige Deutsche sind, führt er darauf zurück, dass Deutschland selbst ein hochwertiges Angebot an MBA-Programmen habe.

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So können auch die Berliner ESMT, die Frankfurt School of Finance & Management, die Mannheim Business School und die TUM School of Management an der TU München mit der Triple Crown aufwarten. Ein weiterer Grund: Viele deutsche Bewerber hätten skandinavische Hochschulen noch nicht „auf dem Radar“, so Rasche.

Mittelfristig könnte die Pandemie den nordischen Business-Schools aber Auftrieb verleihen – nicht nur, weil die dünn besiedelten, mit starken Sozialsystemen ausgestatteten Nationen bisher vergleichsweise gut durch die Coronakrise kommen, sondern auch, weil Dänemark, Schweden oder Finnland weltweit als Vorbild für Chancengleichheit, Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung gelten. Werte, die bei vielen Studierenden hoch im Kurs stehen.

„Das Thema Nachhaltigkeit können wir hier authentisch vermitteln“, sagt Rasche. Dänische Firmen seien auf dem Gebiet führend und die Stadt Kopenhagen lebe dieses Motto schon länger. Zudem sei das skandinavische Geschäftsleben eher von Kooperation geprägt statt von Wettbewerb um jeden Preis. Ein Management-Studium in Skandinavien biete künftigen Führungskräften die Möglichkeit, einen zukunftsweisenden kollaborativen und Stakeholder-orientierten Ansatz zu verinnerlichen, meint Rasche.

Allerdings spielt das klassische MBA-Studium nach angelsächsischem Vorbild in der nordeuropäischen Hochschullandschaft verglichen mit Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Spanien oder den Niederlanden eine eher untergeordnete Rolle: Von Reykjavik bis Helsinki bieten die Wirtschaftshochschulen überwiegend berufsbegleitende Executive-MBA-Programme für das mittlere und gehobene Management an. Die Teilzeit-Studiengänge mit mehrtägigen Präsenzphasen pro Monat werden überwiegend von einheimischen Führungskräften gebucht und oft von deren Arbeitgebern finanziert.

Wenige Vollzeit-Angebote

Fulltime-MBA-Programme für eine jüngere Zielgruppe werden oft nur in der Landessprache angeboten. Wer den Scandinavian Way of Management erleben und erlernen möchte, kann zumindest aus einem breiten Angebot an englischsprachigen Masterstudiengängen wählen. Anders als ein MBA setzten solche Programme in der Regel keine Berufserfahrung voraus. Trotzdem finden sich in den internationalen Kursen viele zuvor bereits berufstätige Teilnehmer, die den nächsten Karriereschritt anstreben.

Für diese Option hat sich auch Lisa Wiedmann entschieden: 2015 kündigte sie nach rund zwei Jahren ihren Job als Eventmanagerin im Pferdesport, um an der Universität Lund in Schweden einen Master in Management zu machen. „Ich wollte gern auf Englisch und im Ausland studieren, deshalb kam ein berufsbegleitendes Studium für mich nicht infrage“, sagt Wiedmann, die ihr Bachelor-Studium in den Niederlanden gemacht hat.

Der einjährige Master-Studiengang in Lund richtet sich ausdrücklich an Bewerber ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund und erfordert im Gegensatz zu den meisten MBA-Programmen keinen vorbereitungsintensiven Eignungstest wie GMAT oder GME. Stattdessen müssen Kandidaten in einem Auswahlverfahren überzeugend ihre Motivation und Lernbereitschaft darlegen.

Der Andrang auf die rund 50 Studienplätze ist groß, denn für Bewerber aus dem EU-Ausland ist das Studium in Schweden kostenlos. Mit rund sechs Prozent ist die Annahmequote allerdings niedriger als bei den bekannten Adressen in Harvard oder Stanford.

Neue Impulse für die Karriere

Das Jahr sei intensiv gewesen, doch der Einsatz habe sich ausgezahlt, so Wiedmann. Aus dem Pferdesport ist sie in die Softwarebranche gewechselt und verantwortet heute das digitale Marketing beim Hamburger Technologie-Start-up Minubo. Auch viele ihrer Kommilitonen haben neue Karrierewege eingeschlagen: So arbeite eine ehemalige Lehrerin aus ihrem Jahrgang heute im Einkauf beim Online-Modehändler Zalando.

„Das Studium hat viel für die persönliche Entwicklung gebracht und uns neue Türen geöffnet“, sagt Wiedmann. Und schön sei es in Südschweden ohnehin.

Mehr: So gelingt die Bewerbung für ein MBA-Programm

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