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Digitales Lernprojekt Warum der FC Bayern jetzt einen Digital Campus eröffnet

Der deutsche Fußball-Rekordmeister hilft 100 Kindern, im Netz fit zu werden. Teil der neuen Initiative ist eine innovative Schule, die Geflüchteten hilft. 
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Der deutsche Rekordmeister geht den nächsten Schritt der Digitalisierung an. Quelle: action press
Kinder in Trikots des FC Bayern

Der deutsche Rekordmeister geht den nächsten Schritt der Digitalisierung an.

(Foto: action press)

München Anne Kjær Riechert hat eine klare Mission: Sie hilft Flüchtlingen durch Schulungen an Computern. Nachdem die Gründerin der „ReDi School of Digital Integration“ im vorigen Jahr auf einer Tech-Konferenz über ihre Arbeit berichtet hatte, kontaktierte sie ein unerwarteter Gesprächspartner. Das sei ja sehr spannend, sagte ein Vertreter des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München. Man kam ins Gespräch – und zu einem gemeinsamen Projekt.

Die Digitalschule der Dänin half dem Sportchampion aus dem Süden – im Zuge von „Ko-Creation“ – ein Programm für Jugendliche auszutüfteln. Bei der Initiative „FC Bayern Digital Campus“ sollen sie sowohl Fußballtugenden wie Fairness oder Teamgeist lernen, als auch kontrolliert tiefer in die digitale Welt eintauchen. Und so steht die Münchener Allianz-Arena an diesem Wochenende ganz im Zeichen dieses Lernprojekts für 100 Kinder und 100 Eltern.

In einer Zeit, in der Kids Smartphones als Lebensbegleiter haben, werden hier die Fragen neu gestellt, wie Erziehung ablaufen soll, welchen Stellenwert Sport dabei haben kann und wie soziale Benachteiligungen abzufedern sind. Das fordert auch einen erfolgsverwöhnten Fußballklub, der sonst mehr mit der Trainerfrage, der Spiellaune seiner Profis und wirtschaftlichen Vorzeigegrößen – Umsatz: eine Dreiviertelmilliarde Euro – Schlagzeilen macht.

„Gewinnen ist schön, kann aber nicht alles sein“, sagte FC-Bayern-Sprecher Stefan Mennerich dem Handelsblatt. „Ein Verein, dem in den sozialen Netzwerken 90 Millionen Menschen folgen, hat soziale Verantwortung. Der neue Digital Campus ist ein Meilenstein für uns.“

Ziel der Initiative sei es, „mit Experten aus unserem Netzwerk digitale Neugierde bei Kindern und Eltern zu wecken und gleichzeitig auf mögliche Gefahren hinzuweisen“, sagt CEO Karl-Heinz Rummenigge. Sein Verein verbreitet selbst immer stärker über digitale Kanäle eigene News und Stories. Kernzielgruppe der „Digital Campus“-Aktion sind Acht- bis Elfjährige. 

So stehen nun nach dem Besuch des FCB-Bundesliga-Samstagabendspiels gegen Bayer Leverkusen am Tag darauf Lernen und Laufen, Ballarbeit und Binäres auf dem Plan. 40 „digitale Coaches“ helfen. Der Nachwuchs programmiert ein Computerspiel oder baut einen Fußballroboter, lernt anschließend verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien und absolviert noch einen Fußballparcours. Dafür gibt es jeweils Sterne fürs Fußballtrikot.

Workshop für Eltern

Parallel reden die Eltern in einem Workshop über Themen wie Medienerziehung, Datensicherheit und „Digital Wellbeing“, das individuelle Wohlergehen in einer Welt der Algorithmen. „Erleben & entdecken“, spielerisches Lernen sowie Diversität im Alltag spielen die große pädagogische Rolle: Nach dem Konzeptpapier geht es etwa darum, „bewusst online zu sein“ oder „grenzenlosen Zusammenhalt“ zu genießen. Neben der ReDI School tritt das Münchener JFF Institut für Medienpädagogik als Kompetenzpartner auf. Auch Google ist involviert.

Weiter Aktionen dieser Art sollen folgen. Die Kosten von gut 100.000 Euro sind durch die Sponsoren Adidas und Allianz (sie sind auch FCB-Aktionäre) sowie SAP und Hylo gedeckt. Auf der Habenseite steht auch ein Imagegewinn.

Der FC Bayern beschäftige sich mit der Frage, für welche Werte er steht und stehen will, sagt Sprecher Mennerich: „Die Mia-san-mia-Haltung ist wichtig, muss aber auch mit Inhalten und Werten gefüllt und gelebt werden.“ Solche Fragen seien gerade dem neuen Präsidenten Herbert Hainer, einst Adidas-CEO, sowie Vorstandschef Rummenigge enorm wichtig. Das „Digital Campus“-Wochenende solle für die Kinder „zum unvergesslichen Erlebnis werden und für neue Aktivitäten stimulieren“, erklärt Mennerich, der das Thema langfristig verfolgen will.

Nachdem der Klub Anfang 2018 einen „Hackathon“ veranstaltet hat, steht nun der nächste Schritt in die Digitalisierung an. „Wir diskutieren seit Langem, ob wir uns an E-Football, also Fußballsimulation, beteiligen sollen“, so Mennerich. „Ich will das auf keinen Fall ausschließen.“

Der FC Bayern begeistere über alle Altersgrenzen hinweg, lobt die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär: „Diese Begeisterung nutzen wir nun, um Kindern die vielfältigen Chancen digitaler Anwendungen näherzubringen.“ Sie ist zusammen mit der bayerischen Staatsministerin Judith Gerlach Schirmherrin der Veranstaltung. 

Allein 82.000 offene IT-Stellen

Für ReDi-School-Gründerin Riechert ist der „Digital Campus“ eine Premiere. Noch nie hatte sie es mit einem Sportprojekt zu tun: „Fußball bedeutet Integration auf Augenhöhe.“ Ihre private Schule für Weiterbildung und Kinder-Grundlagenarbeit begann im „Wir-schaffen-das“-Sommer 2015 in Berlin und hat seit 18 Monaten auch einen Sitz in München (dritter Standort ist Kopenhagen), wo auch die Landeshauptstadt hilft. 50 Kinder aus Flüchtlingsfamilien werden in Workshops in Sachen Internet geschult.

Rund 80 Großunternehmen wie Klöckner, Microsoft und Cisco sind bei der ReDI School als Finanziers und Unterstützer mit dabei. Insgesamt wurden so schon rund 1.100 Absolventen fit für den Arbeitsmarkt gemacht.

Am Wochenende beim FC Bayern stellt Riecherts Organisation 20 Mitarbeiter und 33 Kinder. Zielgruppe der ReDI School seien Heranwachsende, „die keinen Zugang zur digitalen Bildung haben, darunter Geflüchtete, Migranten und sozial benachteiligte Kinder“, erklärt sie im Gespräch. Technologie sei dabei „ein Werkzeug, um Probleme zu lösen, und kein Endziel“. Seit 2017 gehört ein „Kids & Teens“-Programm zum Angebot. Und nächstes Jahr geht Riechert mit ihren Mitarbeitern nach Duisburg-Marxloh, einem sozialen Brennpunkt. 

Eine in die Zukunft weisende Hoffnung für den Arbeitsmarkt hat die dänische Pionierin, die 2012 für das „Peace Innovation Lab“ der Stanford University einen deutschen Ableger gestartet hat, auch. Die generell von Technologie begeisterten Kinder sollen durch den FCB-Campus mit künftigen Arbeitsfeldern in Berührung kommen: Denn „noch haben wir in Deutschland 82.000 offene Stellen im IT-Markt“.

Mehr: Bei der digitalen Ausstattung haben Deutschlands Schulen viel aufzuholen, zeigt eine Umfrage. Doch eine Mehrheit für die nötige Grundgesetzänderung ist nicht gesichert.

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