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Hochschullehre Ingenieuren fehlen häufig IT-Kenntnisse

Die Lehre sei nicht fit für das digitale Zeitalter, kritisieren Maschinen- und Anlagebauer. Sie drängen auf eine Modernisierung der Ingenieurausbildung.
11.12.2019 - 04:00 Uhr Kommentieren
An deutschen Hochschulen sind die Abbrecherquoten in technischen Studiengängen extrem hoch. Quelle: E+/Getty Images
Luftfahrt-Ingenieur

An deutschen Hochschulen sind die Abbrecherquoten in technischen Studiengängen extrem hoch.

(Foto: E+/Getty Images)

Berlin Die Maschinenbauer an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt lernen auf eine ganz neue Art: Im Labor stellen sie einen Spielzeugtruck her – einmal physisch aus Spritzguss, Metall und Kunststoff und am Computer den „digitalen Zwilling“. Das Besondere ist das didaktische Konzept: „Unsere Studenten konfigurieren alles selbst und lernen dabei aus Erfolgen und, noch viel wichtiger, ihren Fehlern“, sagt Maschinenbauprofessor Winfried Wilke, der das Projekt „c-factory“ betreut.

Die Studenten würden erlernen, wie sie später in der Praxis den Informatikern genau sagen können, was sie brauchen, und wie sie deren Instrumente ideal nutzen können. „Gleichzeitig lernen sie, schon bei der Produktion einer Maschine an deren Wartung zu denken, die mithilfe des digitalen Zwillings am anderen Ende der Welt stattfinden kann“, sagt Wilke. Schließlich lebe der deutsche Maschinenbau „zu 80 Prozent vom Export“, so der Professor.

Seine Studenten stehen für die Zukunft des Maschinenbaus: Sie seien ideal vorbereitet auf die Arbeitswelt 4.0, meint der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) – und verlieh den Schweinfurtern den VDMA-Hochschulpreis „Bestes Maschinenhaus 2019“.

Besonders positiv sei dabei „die Bereitschaft der Lehrenden, sich einem völlig neuen didaktischen Ansatz zu öffnen und damit die bisherige Lehre zu hinterfragen“. Statt zu dozieren, begleiteten sie künftige Ingenieure bei der Suche nach Lösungen.

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    Die Verknüpfung mit der IT sei das zentrale Thema des Mittelstands, so Wilke. „Deshalb sind wir auch ständig mit Praktikern in Kontakt, die uns die aktuellen Probleme der Industrie 4.0 schildern.“ Doch aktuell sei diese Art der Verknüpfung, die Herstellung digitaler Zwillinge eines jeden Produkts, in weiten Teilen des Mittelstands noch Zukunftsmusik.

    Seit 2013 versucht der VDMA mit der Initiative „Maschinenhaus“, die Hochschullehre dabei zu unterstützen, „ihre Lehre fit zu machen für die Industrie 4.0“, sagt Vizegeschäftsführer Helmut Rauen. Das sei dringend nötig, „denn mit der Digitalisierung von Produktion, Produkten und Dienstleistungen verändern sich die Anforderungen an zukünftige Ingenieure dramatisch“.

    Uni oder FH: Abbrecherquoten sind gegenläufig

    Neben dem Preis für Leuchttürme der Lehre – für den sich neuerdings neben Elektrotechnikern und Maschinenbauern auch Informatiker bewerben können – vernetzt der VDMA Wirtschaft und Hochschullehrer. Die Toolbox des Maschinenhauses liefert Anregungen und Best-Practice-Beispiele.

    Trauriger Anlass für die Initiative waren vor rund zehn Jahren die dramatischen Abbrecherquoten in den Ingenieurfächern. Seither hat sich die Lage zumindest an den Universitäten gebessert: Von 2010 bis 2016 sank die Abbrecherquote derjenigen, die endgültig das Hochschulsystem verlassen, im Maschinenbau deutlich von 53 auf 34 Prozent. In Elektrotechnik fiel sie immerhin von 53 auf 44 Prozent, zeigen Studien des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).

    An Fachhochschulen dagegen tut sich nichts: Hier stieg die Abbrecherquote in beiden Fächern sogar etwas auf 35 und 41 Prozent. Desolat ist die Lage auch in Informatik: Hier brechen an Unis nach wie vor mehr als 45 Prozent ab, an Fachhochschulen stieg der Wert sogar von 27 auf 39 Prozent. Das liege auch am Massenandrang in die IT, meint Rauen, „dann gibt es eben auch viele, die es nicht schaffen“.

    Um die Lehre fit für die digitalisierte Industrie zu machen, fordert der VDMA einen fundamentalen Umbau. Hilfreich wäre ein zweisemestriges Grundstudium für alle Ingenieure, ergab eine VDMA-Studie, für die 244 Mitgliedsunternehmen befragt und je rund 40 Experten aus Industrie und Hochschule interviewt wurden.

    Zudem müsse Informatik und Data-Science „Pflichtteil der Curricula in den Ingenieurfächern werden“, empfiehlt die „Impuls“-Studie. Um Studierende auf die Praxis vorzubereiten, müssten sich Fakultäten nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre viel stärker vernetzen. Die verbreiteten Kooperationen mit Unternehmen müssten stark ausgebaut werden, vor allem mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

    Mehr: In einer vernetzten Arbeitswelt wird Sicherheit als Anlagenfeature immer wichtiger.

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