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Institut der deutschen Wirtschaft Das sind die Hürden auf dem Weg zur digitalen Lehre

Die Digitalisierung ist allgegenwärtig, doch die Ausbildung 4.0 stellt viele Betriebe noch vor große Probleme. Das zeigt eine IW-Umfrage.
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Ein Auszubildender arbeitet in einem neuen Industrie-4.0-Labor an einer virtuellen Schweißmaschine. Quelle: dpa
Auszubildender bei Daimler

Ein Auszubildender arbeitet in einem neuen Industrie-4.0-Labor an einer virtuellen Schweißmaschine.

(Foto: dpa)

BerlinIm Alltag der Betriebe ist die Digitalisierung mittlerweile allgegenwärtig, nicht jedoch in der Ausbildung. Viele Betriebe, vor allem kleinere, sind relativ hilflos, wie sie die Lehre mit digitalen Mitteln gestalten sollen, zeigt eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Knapp ein Drittel der Unternehmen – vor allem die kleineren – hat sich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. In der Bauwirtschaft ist es sogar die Hälfte. Es gebe „großen Orientierungsbedarf“, schreiben die Autoren der Studie.

Die Mehrheit der Betriebe fordert daher, die Schulen müssten künftige Azubis besser auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten – das sei schließlich Teil der nötigen Ausbildungsreife. Befragt wurden gut 1000 Unternehmen.

Diese Forderung greift aber zu kurz, meint Dirk Werner, Leiter des Kompetenzfelds Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte beim IW. Vor allem Mittelständler müssten selbst aktiv werden, indem sie besser mit den Berufsschulen kooperieren und mehr digitale Lernmedien einsetzen.

Die große Mehrheit der befragten Unternehmen fordert in der Tat einen Umbau der Berufsausbildung: Gut 80 Prozent wünschen sich digitale Zusatzqualifikationen für die Lehrlinge und die generelle Modernisierung der Ausbildung. Ganz neue Digital-Berufe werden aber nur selten gefordert.

Nachdem schon 1997 die IT-Berufe und 1998 der Mechatroniker eingeführt wurde, Letzter als Kombination aus Mechaniker und Elektroniker, entwickelte das Bundeswirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern wegen des zunehmenden Online-Handels 2017 den neuen Beruf des „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“. 2018 begannen hier 1284 Azubis eine Lehre.

Das ist jedoch ein Einzelfall. Abgesehen davon ist man sich einig, dass die Digitalisierung eine Aufgabe ist, die quer über alle Berufe bewältigt werden muss – ähnlich wie in den vergangenen Jahrzehnten der Umweltschutz.

In der Metall- und Elektroindustrie haben Arbeitgeber und Gewerkschaften sich daher auf die Integration der digitalen Inhalte in die Lehre und auf sieben optionale Zusatzqualifikationen geeinigt. In der Chemieindustrie gibt es seit Herbst 2018 die Wahlqualifikation „Digitalisierung und vernetzte Produktion“.

Jedes zweite Unternehmen wünscht sich passende Weiterbildungen

In der Praxis berichtet mehr als die Hälfte der Ausbilder, dass die Azubis von sich aus Digitalisierungs-Kenntnisse in die Lehre einbringen.

Um jedoch nicht nur auf die Initiative der jungen Digital Natives angewiesen zu sein, wünscht sich jedes zweite Unternehmen passende Weiterbildungen für ihre Ausbilder, ein Drittel sucht Hilfe für die Auswahl geeigneter Lerntools. Fast jeder fünfte Betrieb gibt allerdings auch an, man wisse gar nicht, ob und wenn ja, welche Hilfe man brauche.

Auch die Zufriedenheit der Ausbilder mit den Berufsschulen fällt ernüchternd aus: Nicht mal ein Drittel lobt die Kooperation und ist mit der Vorbereitung der Azubis auf die Digitalisierung zufrieden. Etwa ein Drittel äußert sich unzufrieden mit der Zahl der Lehrer und deren Digital-Kompetenz – noch mehr rügen die technisches Ausstattung. Allerdings trauen sich hier 30 bis 40 Prozent der Betriebe gar kein Urteil zu.

Das deutet darauf hin, dass es in großem Umfang am nötigen regelmäßigen Austausch fehlt, konstatieren die IW-Autoren um Dirk Werner.

Der fünf Milliarden Euro schwere Digitalpakt des Bundes für die Aufrüstung der Schulen steht zwar prinzipiell auch Berufsschulen zu, kann die Wünsche aber bei weitem nicht befriedigen. Denn der DIHK sieht allein für die dort nötigen Investitionen einen Finanzierungsbedarf in Höhe von 2,5 Milliarden Euro, sagte unlängst dessen Präsident Eric Schweitzer.

Zudem werden aus dem Digitalpakt keine Personalkosten bezahlt. Daher dürfte das strukturelle Problem bestehen bleiben, dass auch an den Berufsschulen die Einrichtung und Wartung der digitalen Systemen oft von besonders engagierten und technisch versierten Lehrern außerhalb des Unterrichts geleistet wird.

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