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Eine Modernisierung des Angebots an Krediten für angehende Akademiker ist längst überfällig.

(Foto: mauritius images)

Kredite im Test Das sind die besten Studienkredite

600 Millionen Euro nehmen Studierende im Jahr über Kredite und Bildungsfonds auf. Die Angebote sind höchst unterschiedlich. Ein Überblick.
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BerlinSeit 2005 gibt es in Deutschland Kredite für Studenten – nun gibt es erstmals eine Zahl zur Gesamtsumme: Bundesweit werden derzeit Monat für Monat mehr als 50 Millionen Euro an Studenten ausgezahlt. Pro Jahr fließen also über 600 Millionen Euro über Studienkredite und Bildungsfonds an den akademischen Nachwuchs. Das zeigt der neueste Studienkredittest des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), der dem Handelsblatt vorliegt.

„Das ist ein überraschend hohes Volumen“, sagt Autor Ulrich Müller. Zum Vergleich: Das Bafög für Studenten machte 2016 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) nach Jahren des Rückgangs noch 2,07 Milliarden Euro aus – also gut dreimal so viel wie die Gesamtsumme der Kredite. Von insgesamt 2,7 Millionen Studierenden erhielten 377.000 Bafög – im Jahr 2012 waren es noch 440.000.

Einen Kredit nehmen aktuell rund 100.000 Studierende in Anspruch, so das CHE. Weitere 180.000 haben ihr Studium abgeschlossen und sind in der Rückzahlungsphase.

Einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Bafög-Empfänger und der hohen Zahl der Kreditnehmer weist das Bundesbildungsministerium allerdings zurück: „Die Kreise potenzieller Kreditnehmer und solcher, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, sind keineswegs deckungsgleich“, sagte ein Sprecher. Es sei gut, dass es viele Angebote auch für solche Studenten gebe, die „beispielsweise aus nicht wirklich bedürftigen Elternhäusern stammen, aber den eigenen Eltern nicht auf der Tasche liegen wollen“.

Die Kreditsumme sei jedenfalls „kein Indikator für Nachsteuerungsbedarf beim Bafög“, so der Sprecher weiter. Der Koalitionsvertrag verspricht zwar „deutliche Verbesserung und Ausbau des Bafög“. Ministerin Anja Karliczek (CDU) will jedoch erst prüfen, warum die Zahl der Empfänger zurückgegangen ist.

Auch die Gesamtzahl der Studienkredite sinkt allerdings weiter. Der Rückgang entfällt jedoch nach Angaben des CHE nahezu ausschließlich auf den Marktführer KfW, der rund 84 Prozent aller Studienkredite vergibt: Bei der Staatsbank ist die Zahl der Neuverträge seit einem Rekordwert von rund 35.000 im Jahr 2014 kontinuierlich auf zuletzt 23.200 gesunken. Die KfW erklärt dies mit der guten Konjunktur: So könnten Eltern Studenten besser unterstützen und diese selbst leichter Jobs finden.

Das CHE sieht das etwas anders: Die marktmächtige KfW habe in den vergangenen Jahren „alle größeren Konkurrenten weggedrückt“, so Müller; die Deutsche Bank, die DKB, die SEB und fast alle Sparkassen hätten ihre Angebote eingestellt. Der KfW-Studienkredit bleibe so nahezu allein auf weiter Flur.

Das berge jedoch eine Gefahr: „Ohne Konkurrenzdruck könnte die KfW in Versuchung geraten, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Das wäre fatal: Der KfW-Studienkredit ist zwar für Otto Normalstudenten ein ordentliches Angebot, aber keineswegs in allen Bereichen up to date und schon gar nicht innovativ“, warnt CHE-Experte Müller.

Modernisierung überfällig

Dabei sei eine Modernisierung des Angebots lange überfällig: Die maximale Auszahlungssumme von 650 Euro pro Monat sei – gerade für die wachsende Zahl von Studenten an privaten Hochschulen oder für Weiterbildungsstudierende – viel zu gering.

Auch eine automatisierte Stundung der Zinsen in der Auszahlungsphase sei bei der KfW immer noch nicht vorgesehen – somit nehme der vereinbarte Auszahlungsbetrag im Lauf des Studiums kontinuierlich ab. „Auch Sonderauszahlungen, etwa für einen neuen Laptop, sind nicht möglich“, moniert Müller.

Seit Jahren schon kritisiert das CHE, dass die KfW ein Studium im Ausland nur fördert, wenn man parallel in Deutschland immatrikuliert ist. Prinzipiell ist es dem Bund ein großes Anliegen, dass möglichst viele Studenten Erfahrung im Ausland machen. Aktuell geht gut ein Drittel der Bachelor-Studenten eine Zeit lang ins Ausland, bis 2020 sollen es 50 Prozent sein.

In die Konditionen der Staatsbank KfW will sich das Bildungsministerium jedoch nicht einmischen: Diese biete den Studienkredit schließlich als sogenanntes „Eigenmittelprogramm“ an, ohne dass der Staat die Zinsen zusätzlich subventioniere.

Zugleich verteidigt das Ministerium jedoch die Kalkulation der KfW: Wenn jemand während eines Auslandsstudiums parallel in Deutschland immatrikuliert sei, sei es wahrscheinlicher, dass er auch zurückkehre und den Kredit zurückzahle. Anderenfalls müsse die KfW höhere Verwaltungskosten und Ausfälle auf alle anderen umlegen und könnte dann womöglich ihre „attraktiven Zinskonditionen“ nicht auf dem bisherigen Stand halten.

Das mit den „attraktiven Konditionen“ will das CHE, das die Studienkredite seit 13 Jahren unter die Lupe nimmt, so allerdings nicht stehen lassen: „Es kann eigentlich niemand erklären, warum mit dem KfW-Studienkredit und dem Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts (für Studenten kurz vor dem Abschluss) zwei staatliche Angebote nebeneinander existieren“, sagt Müller, „das eine, der KfW-Kredit, mit einem Effektivzinssatz von 3,55 Prozent, das andere vom Bundesverwaltungsamt mit einem von 0,72 Prozent.“

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