MBA-Markt Bewerbungszahlen für Harvard und Stanford sinken – Business-Schools in den USA laufen die Studenten weg

Ausländische Studenten meiden wegen der restriktiven Einwanderungspolitik zunehmend die USA – und gehen lieber nach Kanada oder Europa.
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Wer seinen MBA-Abschluss in den USA machen möchte, muss tief in die Tasche greifen: Die Studiengebühren für das zweijährige Vollzeitstudium in Harvard betragen 146.880 US-Dollar. Quelle: AP
Harvard University

Wer seinen MBA-Abschluss in den USA machen möchte, muss tief in die Tasche greifen: Die Studiengebühren für das zweijährige Vollzeitstudium in Harvard betragen 146.880 US-Dollar.

(Foto: AP)

New YorkDer Trend zeichnet sich bereits seit Längerem ab, doch die Deutlichkeit hat diesmal selbst Experten überrascht. Die Bewerberzahlen für MBA-Programme in den USA sind 2018 so stark gesunken wie seit Jahren nicht.

70 Prozent aller amerikanischen Business-Schools meldeten einen Rückgang der Interessenten für zweijährige Vollzeitstudiengänge – mehr als doppelt so viele wie noch vor vier Jahren (siehe Grafik). Das geht aus dem aktuellen Bericht des gemeinnützigen Bildungsdienstleisters Graduate Management Admission Council (GMAC) hervor.

Der Abschluss „Master of Business Administration“ (MBA) gilt als renommiertester akademischer Wirtschaftstitel weltweit und war bisher stets eine Domäne von US-Hochschulen, die mit Elite-Unis wie Harvard und Stanford in den einschlägigen Rankings regelmäßig Spitzenpositionen belegen.

Und nun das: Während in allen anderen Regionen der Welt die Bewerberzahlen für MBA-Programme steigen (siehe Grafik), geht erstmals auch bei den amerikanischen Tophochschulen die Zahl der Interessenten zurück. In den vergangenen zwei Jahren hatten sie sich dem Abwärtstrend noch entziehen können.

So meldete die Harvard Business School 4,5 Prozent weniger Bewerbungen, Stanfords Graduate School of Business verbuchte einen Rückgang um 4,6 Prozent, die Wharton School an der University of Pennsylvania sogar um 6,7 Prozent.

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Es sind vor allem die Studenten aus dem Ausland, die sich von den US-Unis abwenden. „Der Hauptfaktor für den Rückgang ist meiner Meinung nach die US-Einwanderungspolitik“, sagt William Boulding, Dekan der renommierten Fuqua School of Business an der Duke University in North Carolina. Er musste in diesem Jahr ein Minus bei den Bewerberzahlen um mehr als sechs Prozent hinnehmen. 

Und er weiß auch, warum: „Es ist für ausländische Studenten schwierig geworden, nach dem Abschluss eine Arbeitserlaubnis in den USA zu erhalten.“

Seit Donald Trump vor knapp zwei Jahren die Präsidentschaftswahl gewann, wurden die Visa- und Einreisebestimmungen mehrmals verschärft. Professoren wie Boulding sind alarmiert und warnen vor schwerwiegenden Konsequenzen der nationalistischen Politik: „Wenn wir unsere Türen für Talente schließen, könnten sich die Gewichte in der Weltwirtschaft zum Nachteil der USA verschieben.“

Doch die Skepsis der internationalen Klientel ist nur ein Grund, warum die Bewerberzahlen an den US-Business-Schools im Schnitt um 6,6 Prozent sanken. Auch für amerikanische Studenten werden Studienorte außerhalb der USA zunehmend interessant. Denn im Ausland ist ein MBA-Studium nicht selten deutlich günstiger als in der Heimat.

Stanfords Graduate School of Business verbuchte einen Rückgang um 4,6 Prozent. Quelle: Reuters
Stanford University

Stanfords Graduate School of Business verbuchte einen Rückgang um 4,6 Prozent.

(Foto: Reuters)

„Europa war eine bessere Investition für meine Zeit und mein Geld“, sagt Victoria Ferguson. Die US-Amerikanerin hatte Zusagen mehrerer Hochschulen in ihrer Heimat, entschied sich aber für ein MBA-Studium am Imperial College in London. „Ich wollte mich nicht selbst in den Bankrott treiben, um meinen Abschluss zu machen“, berichtet die 27-Jährige.

Wer seinen MBA-Abschluss in den USA machen möchte, muss tief in die Tasche greifen: Die Studiengebühren für das zweijährige Vollzeitstudium in Harvard betragen beispielsweise 146.880 US-Dollar, in Wharton sind 153.160 Dollar fällig. Am Imperial College London kostet das Studium umgerechnet nur knapp 69.000 Dollar – und zwar für einheimische wie ausländische Studenten gleichermaßen.

In den USA zahlen Studenten ohne amerikanischen Pass zum Teil erheblich höhere Gebühren, was auch eine Erklärung dafür ist, dass die Zahl internationaler Bewerber mit 10,5 Prozent deutlich stärker zurückging als die von US-Bürgern (1,8 Prozent).

Besonders für kleinere US-Business-Schools hat die MBA-Krise bereits Folgen: So stellten die University of Iowa und die Wake Forest University ihre zweijährigen Programme aufgrund der schwachen Nachfrage ein. Zu den Profiteuren gehören dagegen neben den Business-Schools in Kanada (plus 7,7 Prozent) und Asien (plus 8,8 Prozent) auch deutsche Anbieter wie die ESMT in Berlin.

„Mit den Handelskriegen, die von der Trump-Regierung gestartet wurden, gewinnen die USA nicht gerade Freunde im Ausland“, sagt Nick Barniville, stellvertretender Dekan der ESMT. Auch hätten internationale Studenten hierzulande deutlich bessere Chancen, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, als in den Vereinigten Staaten.

„Die Garantie einer Arbeitserlaubnis in Deutschland spricht sehr für uns, insbesondere gegenüber dem Visadrama in den USA. Zudem ist Berlin eine ebenso boomende Stadt wie Boston, New York oder San Francisco, aber dabei gleichzeitig ein erschwinglicher Ort zum Leben und Arbeiten.“

Nicht zuletzt deshalb entschied sich auch Manav Jain aus Indien gegen ein MBA-Studium in den USA. Seine Wahl fiel stattdessen auf die ESCP Europe Business School, die sechs Standorte in ganz Europa unterhält. „Ich habe mich für Europa entschieden, weil ich hier ein schnelles einjähriges MBA-Studium machen kann“, sagt der Student.

Er zahlt moderate 36.000 Euro Gebühren und studiert dafür je ein Semester in Paris und Berlin. „Zudem habe ich so auch die Möglichkeit, eine neue Sprache wie Deutsch zu lernen.“

Der Wirtschaftsaufschwung und das Einkommenswachstum in vielen anderen Regionen weltweit seien weitere Faktoren für den Rückgang der Studentenzahlen in den USA, ergänzt GMAC-Präsident Sangeet Chowfla. „Es gibt mittlerweile qualitativ hochwertige MBA-Programme in Asien und Europa. Zudem entstehen für viele Studenten gerade großartige Jobangebote in ihren Heimatländern, etwa durch den Aufstieg von Firmen wie Alibaba, Tencent und Tata. Warum also sollten sie zum Studieren in die USA gehen?“

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