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Mint-Nachwuchsbarometer Schüler lernen in Mathematik und technischen Fächern immer weniger

Die Befunde sind alarmierend: Jeder dritte Achtklässler kann kaum mit Computern umgehen und hat Schwächen darin, Informationen zu verarbeiten.
06.05.2020 - 00:00 Uhr 4 Kommentare
Ein Schüler der sechsten Klasse im Mathematikunterricht. Quelle: dpa
Seit 2012 sinken die Leistungen der Schüler in den Mint-Fächern.

Ein Schüler der sechsten Klasse im Mathematikunterricht.

(Foto: dpa)

Berlin In der Coronakrise zeigt sich mit aller Schärfe, wie sehr die Republik von Technikern und Naturwissenschaftlern abhängt – vor allem von IT-Experten. Doch der Nachwuchs wird immer mehr zum Problem: Seit 2012 sinken die Leistungen unserer Schüler in den MINT-Fächern, also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Jeder fünfte gehört zudem zur Risikogruppe, die nicht genug mitbringt für eine Ausbildung. Mittlerweile zeigt schon jeder dritte Achtklässler im Umgang mit Computern und Informationen schwache Leistungen – 2013 waren es noch 29 Prozent. In der Oberstufe wird Informatik viel zu selten angeboten und gilt als unattraktiv.

Lediglich ein Prozent der Schüler wählt einen IT-Leistungskurs. Nur 14 Prozent der Abiturienten können im Netz systematisch nach Informationen suchen und deren Glaubwürdigkeit bewerten.

Das sind Ergebnisse des neuesten MINT-Nachwuchsbarometers, das an diesem Mittwoch vorgestellt wird. „Mit Corona hat die digitale Bildung in den vergangenen Wochen einen Boom erlebt, uns wurde aber auch vor Augen geführt, was wir versäumt haben: das schulformübergreifende Einüben grundlegender computer- und informationsbezogener Kompetenzen – sowohl bei Schülern als auch bei Lehrkräften“, fasst der Autor Olaf Köller die alarmierenden Befunde zusammen.

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    Köller ist Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN). Daher „müssen wir dringend in Ausbildung und Weiterbildung von Lehrkräften im MINT-Bereich investieren und dabei auch die Fortbildungen auf den Prüfstand stellen“, fordert Köller.

    Das IPN wertet jährlich im Auftrag der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und der Körber-Stiftung die einschlägigen Schultests wie Pisa oder Iglu mit dem Fokus auf die MINT-Fächer aus.

    Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zur – schon vor Corona – großen Nachfrage nach MINT-Experten: Im Oktober 2019 fehlten nach dem MINT-Herbstreport des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) rund 263 000 MINT-Fachkräfte, davon knapp die Hälfte in nicht akademischen Berufen.

    Für Köller ist es angesichts der schwindenden Kompetenzen der Schüler auch „keine Überraschung, wenn viele mit der aktuellen Homeschooling-Situation und dem Lernen am Laptop überfordert sind – sie haben eben in der Schule bislang keine oder zu wenige Erfahrungen damit gemacht“. Denn es fehle dort nicht nur an Hardware sondern auch an Software – und selbst wenn diese vorhanden sei, könnten viele Lehrer nicht damit umgehen.

    Der Bericht fordert daher, dass IT-Wissen schnell flächendeckender Bestandteil der Lehrerausbildung – und auch der Weiterbildung werden muss. Fortbildungen sind für Lehrer zwar Pflicht, den Umfang geben jedoch nur drei Länder verbindlich vor: In Bayern zum Beispiel sind es 60 Stunden in vier Jahren, in Hamburg 30 Stunden pro Schuljahr, 45 in berufsbildenden Schulen. Die Themen der Fortbildung wählen die Lehrkräfte selbst.

    Fehlende Ausstattung

    Die Coronakrise zeige aber überdeutlich, dass wir „um die Digitalisierung von Bildung voranzutreiben, erst einmal in vielen Haushalten die Voraussetzungen dafür schaffen müssen“, mahnt Köller. Da viele sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu Hause gar keine oder nicht die richtige technische Ausstattung hätten, müsse man sie dringend damit ausstatten.

    „Das kann über Subventionen funktionieren – in Härtefällen muss man aber auch darüber nachdenken, den Betroffenen die Kosten vollständig zu erstatten, ähnlich wie beim Schulessen“, fordert Köller. Das Barometer fordert zudem in allen MINT-Fächern eine bessere Erforschung der Leistungen der Schüler – die es etwa für die gymnasiale Oberstufe so gut wie gar nicht gibt.

    Das sei umso dringlicher, als dass sich in einzelnen Studien gezeigt habe, dass zwei Drittel der Abiturienten „den Unterrichtsstoff der Oberstufe nicht einmal ansatzweise beherrschten“. Nach einem Test für Schleswig-Holstein erreichten nur 27 Prozent die Ziele der Oberstufe in Mathematik, in den Naturwissenschaften waren es sogar nur 20 Prozent. Die Anteile sehr schwacher Schüler lagen jeweils bei über 30 Prozent.

    Ein Teil der Ursache für die nachlassenden Kompetenzen der Schüler ist ihre veränderte Zusammensetzung: Die Lehrer haben es zunehmend mit Migrantenkindern und sozial schlechter gestellten Schülern zu tun. Dies erkläre allerdings nur ein Drittel der Leistungsverluste, sagen die Forscher.

    Auch sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern gewaltig: Nach dem IQB-Bildungstrend haben sich die Mathe-Kenntnisse von 2012 bis 2018 in keinem Land maßgeblich verbessert – in sechs Ländern sind sie aber deutlich schlechter geworden.

    Übersetzt in Lernjahre bedeutet der Abstand zwischen dem leistungsstärksten Bundesland Sachsen und dem schwächsten Land Bremen einen Unterschied von etwa zwei Jahren im Fach Mathematik.

    Die zunehmende Zahl der Quer- und Seiteneinsteiger, mit denen die Kultusminister den grassierenden Lehrermangel bekämpfen, scheint allerdings kein großes Problem. Wirklich schädlich sei es jedoch, wenn fachfremde Lehrer MINT-Fächer unterrichteten.

    Mehr: Die Länder müssen für die Schulen mehr Mut zeigen - und ihn dort auch zulassen.

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    4 Kommentare zu "Mint-Nachwuchsbarometer: Schüler lernen in Mathematik und technischen Fächern immer weniger"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Klar ist MINT wichtig, Kompetenz in diesen Feldern schadet nicht. Die Nobelpreisverleihung zeigt aber wo die Gesellschaft ihre Prioritäten hat. Physik und Chemie erfahren immer nur eine kurze Erwähnung in den Medien. Literatur erhält dagegen wochenlange Berichterstattung. In unserer Gesellschaft sind MINT Kompetenzen ehr gut für nützliche Idioten im Maschinenraum der Wirtschaft, auf das Sonnendeck kommt man damit nicht. Auch Anerkennung und Einfluss bringt so eine Kompetenz ehr nicht. Warum sollen Kinder solche Qualifikationen für relevant halten? Als Sozialarbeiter, Anwalt, Musiker oder Sportler gibt es mehr Anerkennung. Wir sind eine alternde sich deindustrialisierende Gesellschaft, Veränderung durch MINT löst vor allem Ängste aus. Die meiste öffentliche Aufmerksamkeit geht in die Bewahrung der bestehenden Verhältnisse, angefangen bei der Rente bis hin zur Landwirtschaft.
      Mit der Lehrerbesoldung geht es weiter. Eine gute Physikerin, Chemikerin, Informatikerin, Mathematikerin hat Alternativen und muss sich nicht mit der Besoldung eines Germanisten zufrieden geben.
      Auch hat sich der Fächerkanon in den letzten hundert Jahren nicht wesentlich geändert. Warum wird immer noch Latein unterrichtet? Und final tun die Lehrpläne ihr übriges, damit keine Begeisterung bei Schülern aufkommt.

    • Klar ist MINT wichtig, Kompetenz in diesen Feldern schadet nicht. Die Nobelpreisverleihung zeigt aber wo die Gesellschaft ihre Prioritäten hat. Physik und Chemie erfahren immer nur eine kurze Erwähnung in den Medien. Literatur erhält dagegen wochenlange Berichterstattung. In unserer Gesellschaft sind MINT Kompetenzen ehr gut für nützliche Idioten im Maschinenraum der Wirtschaft, auf das Sonnendeck kommt man damit nicht. Auch Anerkennung und Einfluss bringt so eine Kompetenz ehr nicht. Warum sollen Kinder solche Qualifikationen für relevant halten? Als Sozialarbeiter, Anwalt, Musiker oder Sportler gibt es mehr Anerkennung. Wir sind eine alternde sich deindustrialisierende Gesellschaft, Veränderung durch MINT löst vor allem Ängste aus. Die meiste öffentliche Aufmerksamkeit geht in die Bewahrung der bestehenden Verhältnisse, angefangen bei der Rente bis hin zur Landwirtschaft.
      Mit der Lehrerbesoldung geht es weiter. Eine gute Physikerin, Chemikerin, Informatikerin, Mathematikerin hat Alternativen und muss sich nicht mit der Besoldung eines Germanisten zufrieden geben.
      Auch hat sich der Fächerkanon in den letzten hundert Jahren nicht wesentlich geändert. Warum wird immer noch Latein unterrichtet? Und final tun die Lehrpläne ihr übriges, damit keine Begeisterung bei Schülern aufkommt.

    • Die Leistungen unserer Schüler sinken seit Jahrzehnten kontinuierlich, egal in welchen Fächern.
      Die Hauptprobleme, die man nicht (an-)erkennen will, sind fundamental zwei, und zwar

      1. Die gesellschaftliche Entwicklung, also u.a. "Familienschwund", Berufstätigkeit beider Eltern, daraus folgend Überforderung der Eltern auf dem Gebiet der Erziehung, Vorbildmangel, Aussterben der Arbeitstugenden Fleiß, Konzentration, Arbeitsruhe, "Biss", Autoritätsschwund usw. usw.

      2. Strukturelle Probleme, z.B. Einführung des Privatfernsehens (Negativ-Vorbilder), Einflüsse von Medien generell (elektronische Dauerberieselung), Konzeptlosigkeit der Bildungspolitik: Dauerreformen und -reförmchen, die meist an den eigentlichen Problemen der Kinder, Familien und Schulen vorbeigehen (und oft der Profilierung der beteiligten Politiker und Professoren dienen); fortdauernde Niveauabsenkungen (um die Missstände durch die falschen Reformen zu verschleiern); Lehrer als "Ausbügler" der gesellschaftlichen Probleme: zu viel Erziehungsarbeit, zu viel Sozialarbeit, zu wenig Zeit für die eigentlichen Anliegen, die so nebenbei erledigt werden sollen u.v.a.

      Erziehung, Schule und Bildung setzen u.a. in erster Linie voraus: Ruhe, Hinwendung, Übung, klare Linien, gemeinsame Ziele in der Gesellschaft etc. Natürlich braucht es auch Geld, das allerdings nicht für Prestigeobjekte ausgegeben werden sollte, sondern in der Fläche die Notwendigkeiten und Bedürfnisse (Räumlichkeiten, Personal, Fortbildungsmaßnahmen, mediale Ausstattung usw.) abdecken muss. Vor allem braucht es auch hier Kontinuität; also nicht auf einmal alles auf Vordermann bringen, und dann wieder Jahrzehnte alles verkommen lassen.

      Wenn weiterhin die Grundlagen der schulischen Bildung derart vernachlässigt werden und jeder nur schreit, es fehlt hier oder da (ob MINT, Deutsch, Rechnen und Mathematik, Sport und was nicht alles), wird es niemals zu einer brauchbaren BILDUNG kommen, die leider auch kaum noch gesellschaftliches Anliegen ist.

    • Dafür wissen sie wenigstens wie man *in für die geschlechtsspezifische Anrede richtig in einen Satz einbindet. Kennt alle noch so irrwitzigen Geschlechterrollen und sind, dank "schreiben wie man will", schon in der Grundschule für das weitere Leben versaut. Man ist wieder wer. Damit auch keiner Zurück bleibt, passt man die Leistungsfähigkeit auch im Gymnasium regelmäßig an das schwächste Glied an.

      Wir wollen in Zukunft das Handtelefon in den Unterricht einbinden, als großes innovatives Feigenblatt, damit der Unterricht dann "digitaler" wird. Hauen riesen Summen für "digitale" Tafeln raus, die nachher keiner nutzen kann (Wartung) und die nach 2 Jahren jede Funktion verlieren. Kreide ist ja nicht mehr Zeitgemäß, ein Innovations Hemmer. Derweil verrottet die komplette Infrastruktur des Landes, nicht nur die Schulen.

      Ab und an gibt es auch mal einen Lehrer, der sich in seiner Freizeit mit IT beschäftigt, der wird dann gnadenlos verheizt und darf dann noch die Wartungsaufgaben für die Schulstrukturen übernehmen.

      Es gibt da einige Gründe die man mit offenen Augen sehen kann, wenn man nicht völlig ideologisiert durch das Leben rennt, wir schreiten fort. In China z.B. wird gerade die neue Bildungselite rangezüchtet und gedrillt. Mal schauen, wer hier bald für wen die Werkbank sein wird.

      Zu Akademikern mit Niveau gehört man heute mit einem Bachelor in Deutschland.

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