Privatschulen – Hochbegabte „Viele Eltern überschätzen ihren Nachwuchs“

Der Experte für hochbegabte Kinder spricht im Interview über falschen Ehrgeiz und die Grenzen der Inklusion.
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Als Leiter der begabungspsychologischen Beratungsstelle der Universität Würzburg kennt Wolfgang Schneider die Bedürfnisse hochbegabter Kinder. Er hält spezielle Förderklassen für sinnvoll − wenn auch nicht für alle Schüler.

Herr Schneider, Inklusion gilt als Grundpfeiler unseres Schulsystems. Warum sollte das nicht auch für Hochbegabte gelten?
Inklusion ist eine gute Sache, aber eben nicht in jedem Fall. Viele hochbegabte Kinder kommen in normalen Regelklassen gut zurecht, und dann macht Inklusion viel Sinn. Es gibt aber auch Kinder, die aus verschiedensten Gründen weniger anpassungsfähig sind – und für die sollte es separate Angebote geben, die ihren Bedürfnissen besser entsprechen.

Wolfgang Schneider

Woran erkennen Eltern, welche Schulform besser zu ihrem Kind passt?
In der Regel lohnt es sich, zu Beginn der Schulkarriere normalen Regelklassen eine Chance zu geben und das Kind am Nachmittag zusätzlich zu fördern. Auch eine Klasse zu überspringen oder Extrakurse zu besuchen kann eine Möglichkeit sein. Wenn ein Kind aber trotzdem ungern zur Schule geht und oft unkonzentriert oder verunsichert wirkt, sollten Eltern über spezielle Hochbegabtenklassen nachdenken.

Verlernen Kinder in solchen Klassen nicht ihre soziale Kompetenz und den Umgang mit Normalbegabten?
Nein. Für manche Kinder kann es sogar eine sehr wichtige Erfahrung sein, mal unter ihresgleichen und „normal“ zu sein. So erlernen sie unter Umständen besser soziale Kompetenz, als wenn sie in ihrer Schule immer Außenseiter sind. Außerdem müssen auch Hochbegabte lernen, sich schwierige Aufgaben zu erarbeiten oder mal an ihre Grenzen zu stoßen, das geht in Spezialklassen teils besser. Im späteren Leben haben hochbegabte Menschen dann sowieso mehr Auswahl, mit wem sie ihre Zeit verbringen und wie sie arbeiten wollen.

Welche Fehler sollten Eltern unbedingt vermeiden?
Sie sollten ihr Kind vor allem nicht überfordern. Gerade ehrgeizige Eltern verlangen teils zu viel: Möglich, dass ein Kind intelligent genug ist, um Staranwalt zu werden. Aber wenn das Kind lieber Musik macht, dann ist das eben so. Dazu kommt: Viele Eltern überschätzen die Intelligenz ihres Nachwuchses, denken also, er sei hochbegabt, obwohl das nicht stimmt. Das kann Kinder extrem unter Druck setzen.

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