Ukraine-Krieg: Verschwieg Selenski den Ukrainern die Wahrheit?
Im eigenen Land gerät der im Ausland als Kriegsheld gefeierte ukrainische Präsident unter Druck.
Foto: Büro des Präsidenten der Ukraine/YouTubeBerlin. Die Ukraine hat nach eigenen Angaben die lange angekündigte Offensive im Süden des Landes begonnen. Eine Militärsprecherin in Kiew rief am Montag die Zivilbevölkerung um die Stadt Cherson auf, zu fliehen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hatte zuvor am Nationalfeiertag seinen Landsleuten zugerufen: Es gehe der Ukraine „nicht nur um Frieden, sondern um einen Sieg“. Er wolle die von Russland besetzten Gebiete zurückerobern.
Selenski war es gelungen, sein Volk hinter sich zu versammeln, während Russland immer behauptet hatte, die ukrainische Staatsführung sei isoliert, das Land gespalten. Und er wurde auch im Westen zu einer Heldenfigur, die mit ihren Videoschalten und Reden, Empathie ausstrahlte – und vor allem Waffen und Geld für die Ukraine beschaffte. Aber im Land gibt es nun auch eine düstere Debatte über Selenski: Hat er sein Volk zu Beginn des Krieges absichtlich in einer falschen Sicherheit gewogen und zu wenig vor dem unmittelbar bevorstehenden Krieg gewarnt?
Die bekannte Drehbuchautorin und Dramatikerin Kateryna Babkina warf Selenski jetzt vor, die Kriegswarnungen der US-Geheimdienste vor mehr als einem halben Jahr in den Wind geschlagen zu haben und sein Volk nicht auf den Waffengang vorbereitet zu haben: „Das ist kein Versehen, kein Fehler, kein unglückliches Missverständnis, keine strategische Fehleinschätzung – das ist ein Verbrechen“, betonte Babkina.