Ratenkredite Harte Kritik am Geschäft mit Konsumenten bei der Kreditvergabe

Bei der Vergabe von Krediten werden Verbraucher oft falsch beraten. Besonders die Angebote zur Restschuldversicherung stehen in der Kritik.
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Oft drohen bei Ratenkrediten Effektivzinsen von bis zu 25 Prozent. Quelle: Mauritius
Überteuerte Policen

Oft drohen bei Ratenkrediten Effektivzinsen von bis zu 25 Prozent.

(Foto: Mauritius)

Die Bürgerbewegung Finanzwende aus Berlin hat keine Scheu, Botschaften mit einer gewissen Dramatik zu verbreiten. „Achtung Kreditfalle!“ mahnt die neue Studie der Initiative des Gründers und Vorstands Gerhard Schick, der bis vor Kurzem noch finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag war.

Die Organisation beschäftigt sich unter anderem auch mit Fragen der Stabilität des Finanzsystems. Die Studie beruht auf 94 Testkäufen von Ratenkrediten. „Unverantwortliche Kreditvergabe ist grausam, weil sie Menschen in eine ausweglose Situation treibt“, heißt es weiter.

Die Vorwürfe, die darauf folgen, sind vom Grundsatz her seit Jahrzehnten bekannt. Erstaunlich ist eher, dass sich an lange bekannten Missständen offenbar nur wenig geändert hat. Ein Kernvorwurf, den auch Verbraucherzentralen erheben, ist die missbräuchliche Nutzung von Restschuldversicherungen (RSV). Mit diesen Policen können Kreditnehmer zum Beispiel verhindern, dass ihre Familie einen Kredit weiter abbezahlen muss, wenn sie selbst als Hauptverdiener ausfallen.

Aber häufig, sagen die Kritiker, sind diese Versicherungen überteuert. Ein Teil der Erträge fließt als Provision an die Bank zurück. Die Kosten werden nicht in den effektiven Zins mit eingerechnet, den die Geldhäuser laut Gesetz ausweisen müssen. Die Folge: Der Kunde zahlt viel mehr, als ihm bei Abschluss klar ist.

In der Studie heißt es dazu: „Bei 53 der vorgelegten Kreditangebote, die Restschuldversicherungen enthielten, kann schon aufgrund der Kosten, die letztlich in dem doppelten Marktzins münden, nicht mehr von einem einvernehmlichen Verkauf bzw. einer informierten Entscheidung ausgegangen werden.“ Laut der Studie, die im Auftrag der „Finanzwende“ vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen iff durchgeführt wurde, ergaben sich unter Einrechnung der überteuerten Policen Effektivzinsen von bis zu 25 Prozent.

Ein weiterer Kritikpunkt der Studie ist ebenfalls bekannt: mangelnde Beratung. Oft fehlte zum Beispiel die Frage, ob schon eine Absicherung durch eine Lebensversicherung besteht. Eine Testperson berichtete: „Ich bat um zwei Angebote mit und ohne RSV. Habe aber nur zwei unterschiedliche RSV bekommen zur Auswahl.“

Die Studie kommt zu einem differenzierten Bild, das bei der relativ geringen Zahl von Gesprächen je Bank oder Bankengruppe allerdings nicht ganz frei von Zufällen ist. So hat etwa die Commerzbank bei allen acht Tests eine RSV angeboten, aber nur bei der Hälfte dazu den vermeintlichen Kunden auch beraten. Die Deutsche Bank hat das Produkt bei fünf von sieben Tests angeboten, aber jedes Mal beraten. Die Targobank hat es in allen Fällen angeboten, aber nur in jedem dritten Fall auch erläutert.

Weiter heißt es in der Studie: „Die Berater erheben in der Regel nur wenige Eckdaten wie Monatsgehalt und Miete und verlassen sich bei der Haushaltsanalyse im Übrigen auf statistische Werte, ohne die tatsächliche finanzielle Situation der Tester zu klären.“ Damit sei die Gefahr von Kreditausfall und Überschuldung gegeben.

Eine Sprecherin der Santander Consumer Bank sagte: „Die Schilderungen aus den Tests entsprechen nicht dem Anspruch, den wir an unser Geschäftsgebaren haben.“ Die Mitarbeiter seien zu umfassender Beratung angehalten, und das werde „laufend stichprobenartig“ überprüft.

Ein Vertreter der Targobank erklärte: „Der Kunde entscheidet selbst, ob er eine RSV abschließen möchte oder nicht – und wenn ja, in welchem Umfang. In der für die Banken verbindlichen Preisangaben-Verordnung ist zudem klar geregelt, dass lediglich die Kosten für obligatorische Versicherungen in den effektiven Jahreszins eingerechnet werden müssen.“

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