Rohstoff-News „Gold wechselt von schwachen Händen in starke Hände“

„Der Goldmarkt durchlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel“, so Nico Baumbach von der Hamburger Kapitalanlagegesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH. „Große Fonds, insbesondere aus...
  • Tomke Hansmann
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Hamburg„Der Goldmarkt durchlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel“, so Nico Baumbach von der Hamburger Kapitalanlagegesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH. „Große Fonds, insbesondere aus den USA, stehen nach wie vor auf der Verkäuferseite“, erläutert der Manager der beiden Edelmetallfonds HANSAgold und HANSAwerte. Demgegenüber zeichne sich China durch eine unverändert robuste Goldnachfrage aus. Die Edelmetalle Platin und Palladium stuft Baumbach nach wie vor als attraktiv ein, und auch für Silber ist der Fondsmanager positiv gestimmt.

Nach Einschätzung von Nico Baumbach wird der Goldpreis derzeit massiv von der Anlegerstimmung getrieben. In Europa und in den USA sähen die Investoren das Edelmetall aktuell kritisch, was sich in sinkenden Notierungen niederschlage. „Vor allem die Verkäufe großer ETFs lasten auf den Notierungen“, bemerkt der Portfoliomanager. So werfe der bekannte US-Indexfonds SPDR Gold Trust weiterhin Tag für Tag mehr als eine Tonne Material auf den Markt. „Insgesamt summieren sich die ETF-Verkäufe seit Jahresbeginn auf über 400 Tonnen“, so der Edelmetallexperte. Die Abgaben durch Indexfonds entfallen zum Teil auch auf spekulativ eingestellte Anleger, die zuvor auf steigende Notierungen gewettet hatten. Doch die Mehrheit der Marktteilnehmer halte die Schulden- und Währungsprobleme zahlreicher Staaten inzwischen offenbar für beherrschbar, stellt Baumbach fest. Manche Anleger wendeten sich daher vom Krisenmetall Gold ab und suchten ihre Chancen verstärkt an den haussierenden Aktienmärkten.

„Beim Gold auf kurzfristig steigende Notierungen zu wetten, halte ich jedoch genau für den falschen Ansatz“, betont Baumbach. Anleger sollten das Edelmetall vielmehr zur Risikodiversifikation ihres Portfolios einsetzen, was in der Vergangenheit auch gut funktioniert habe. Der Fondsmanager bekräftigt seine Empfehlung, fünf bis zehn Prozent des eigenen liquiden Vermögens in Gold zu halten, um sich gegen zukünftige Krisen an den Kapitalmärkten zu versichern. In ihrem derzeitigen „Risk-On-Modus“ verhielten sich die Investoren sehr sorglos, merkt der Portfoliomanager an. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Goldpreis im Fall weiter steigender Aktienbörsen kurzfristig noch einmal das bisherige Jahrestief bei rund 1.180 US-Dollar testet. Im weiteren Jahresverlauf 2014 sollte sich die Notierung des Edelmetalls dann aber wieder stabilisieren. Eine sprunghafte Erholung der Goldnotierungen hält der Hamburger Fondsmanager allerdings für unwahrscheinlich: „Momentan geben noch die Enttäuschungen über die 2013er-Preisentwicklung sowie die anhaltenden ETF-Verkäufe die Richtung vor.“

In Indien sei es der Regierung gelungen, den zuvor boomenden Goldabsatz im Land durch Zölle, Steuern und Einfuhrbeschränkungen zu begrenzen. Diese Restriktionen änderten jedoch nichts am „Verlangen“ der indischen Bevölkerung nach dem Edelmetall. Darüber hinaus registriert Baumbach eine unverändert robuste Nachfrage aus China. „Die chinesische Zentralbank hat den diesjährigen Kursrutsch genutzt, um ihre Bestände aufzustocken“, erläutert der Fondsmanager. Außerdem befänden sich die Endverbraucher auf der Käuferseite, was die Regierung in Peking auch gutheiße. „Mit Blick auf das konträre Anlegerverhalten vieler Europäer und Amerikaner entsteht der Eindruck, das Gold wandere von den schwachen in die starken Hände“, resümiert Baumbach. Indien und China sind traditionell sehr goldaffin und gelten als die beiden weltweit größten Nachfrager.

Baumbach schätzt allerdings, dass die starke Goldnachfrage aus Asien den kurzfristigen allgemeinen Angebotsüberhang eher mittelfristig kompensieren wird. Anders liege der Fall bei Platin und Palladium: „Hier dominiert eindeutig die industrielle Nachfrage das Geschehen.“ Der Portfoliomanager billigt den beiden in Abgas-Katalysatoren verwendeten Edelmetallen wegen des anhaltend knappen Angebots überdurchschnittliche Chancen zu. „Bei Platin bekommen die Minen im Hauptförderland Südafrika ihre Produktionsprobleme nicht in den Griff. Und in Russland, dem mit Abstand größten Anbieter von Palladium, scheinen die Lagerbestände, die den Markt seit vielen Jahren mit Liquidität versorgt haben, abzuschmelzen.“

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