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EM-Teamcheck – Gruppe C Deutschland? Ohne Punktverlust!

Eine Hand am Pott? Die DFB-Auswahl ist klarer Favorit der EM-Gruppe C. Der Weltmeister kann auch in diesem Jahr Großes vollbringen. Das können auch die starken Polen und das Überraschungsteam Nordirland nicht verhindern.
Das letzte Testspiel gewann die deutsche Mannschaft gegen Ungarn mit 2:0. Im ersten Spiel bei der anstehenden EM wartet am Sonntag die Ukraine. Quelle: dpa
Generalprobe geglückt

Das letzte Testspiel gewann die deutsche Mannschaft gegen Ungarn mit 2:0. Im ersten Spiel bei der anstehenden EM wartet am Sonntag die Ukraine.

(Foto: dpa)

Favorit wider Willen?

Es ist exakt 100 Wochen her, seit die deutsche Elf eine gesamte Nation in Ekstase versetzte. Der 7:1-Kantersieg im WM-Halbfinale über Gastgeber Brasilien gilt nicht nur aufgrund seiner Höhe als historisch. Wie entfesselt spielten die Deutschen auf, zerlegten Brasilien allein in den ersten 29 Minuten der Partie in alle Einzelteile und schalteten nach der Pause problemlos drei Gänge zurück. Ob TV-Experte, Hobbyfußballer oder Gelegenheits-Fan: Die Bedeutung dieses denkwürdigen Abends in Belo Horizonte wurde erst Tage nach dem Titelgewinn klar. Mit Deutschland ist auf Jahre noch zu rechnen.

Als amtierender Weltmeister gehört Deutschland selbstverständlich zum elitären Kreis der diesjährigen Favoriten. Mit der Ukraine, Polen und Nordirland warten drei machbare Gegner auf die DFB-Elf, die ihren Kontrahenten nicht nur auf dem Papier spielerisch haushoch überlegen sein dürfte. Deutschland ist es gewohnt, das Spiel zu machen – das liegt in erster Linie am verfügbaren Personal.

Seien wir mal ehrlich: Trainer Jogi Löw hat im Endeffekt ein selten dagewesenes Luxusproblem. Deutschland hat von allen teilnehmenden Teams nach Spanien den wertvollsten Kader. Allen voran in der Offensive streiten sich dynamische, leichtfüßige und torgefährliche Kräfte um die wenigen Fahrkarten für die Startformation. Für das defensive Mittelfeld stehen neben WM-Held und Kapitän Schweinsteiger mit Khedira und Kroos zwei weitere Weltklasse-Akteure im Kader. Den Shootingstars Kimmich und Weigl sind Teileinsätze durchaus zuzutrauen. Und weiter vorn? Götze, Özil, Schürrle, Müller, Gomez, Draxler – die Liste ist lang…

Ob auf der Arbeit oder in der Nachbarschaft, beim Fußballverein oder im Freundeskreis: Mahnende Zeigefinger mischen sich auch in diesem Jahr unter die Optimisten. Die Achillesferse vermuten Experten, nicht ganz zu Unrecht, in der deutschen Hintermannschaft. Schließlich kassierte Deutschland in den fünf Testspielen vor dem Turnier neun Gegentore.

Jérôme Boateng und Benedikt Höwedes fielen lange verletzt aus, Mats Hummels setzt ein Muskelfaserriss außer Gefecht. Emre Can zeigte in der Verteidigung zuletzt schwache Leistungen, Mustafi ist im Zentrum eher eine Ausweichlösung und Außenverteidiger Jonas Hector ist zwar im Team festgespielt, aber international unerfahren. Zu allem Überfluss zog sich Antonio Rüdiger am Dienstagabend einen Kreuzbandriss zu. Für ihn nominierte Löw den blutjungen Innenverteidiger Jonathan Tah von Bayer Leverkusen nach. Die zweite Garde macht also leichte Sorgen.

Das Fehlen von Per Mertesacker und Philipp Lahm, die ihre Laufbahn in der Nationalmannschaft just beendeten, macht sich also im Vorfeld bemerkbar. Die Abwehr jedoch war es auch, die viele vor der WM in Brasilien als Schwachpunkt ausgemacht hatten – nur vier Gegentreffer in sieben Spielen sprachen schon damals eine deutliche Sprache. Sobald Hummels wieder fit ist, steht die vielleicht beste Innenverteidigung der Welt auf dem Feld, dahinter der unzweifelhaft beste Torhüter.

Der Trainer selbst könnte sich erneut in die Geschichtsbücher eintragen. Nach Helmut Schön (EM 1972 und WM 1974) wäre Löw der zweite Trainer, der sowohl die WM- als auch die EM-Trophäe nach Hause bringt. Wie gewohnt übt sich der Bundestrainer im Vorfeld in Demut. Neben Gastgeber Frankreich und Titelverteidiger Spanien zählt er auch Italien, England und Belgien zu den Favoriten – naja, wie man’s nimmt… Die Gesamtstatistik jedenfalls spricht für Deutschland, denn die Löw-Elf ist nun einmal eine echte Turniermannschaft. Seit dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der EM 2004 zog Deutschland bei allen großen Turnieren mindestens in die Runde der letzten Vier ein.

Fazit: Viel Lärm um wenig: Deutschland geht erneut mit einem bärenstarken Kader in das Turnier.

Prognose: Die „weiße Weste“ bleibt bestehen: Deutschland zieht souverän ohne Punktverlust in die K.O.-Runde ein. Dort macht sich die Erfahrung vieler Spieler auf international höchstem Niveau bezahlt. Im Juli wird Deutschland daher mindestens eine Hand am EM-Pott haben.

Ukraine: Ärger gefällig?

An Andriy Yarmolenko war zuletzt Borussia Dortmund dran. Der Flügelspieler von Dynamo Kiew kann sich bei der anstehenden Euro nachhaltig empfehlen. Quelle: Reuters
Andriy Yarmolenko

An Andriy Yarmolenko war zuletzt Borussia Dortmund dran. Der Flügelspieler von Dynamo Kiew kann sich bei der anstehenden Euro nachhaltig empfehlen.

(Foto: Reuters)

Duelle zwischen Dynamo Kiew und Schachtjor Donezk sind in der ukrainischen Meisterschaft immer etwas Besonderes. Schließlich machten beide Mannschaften die Meistertitel seit 1992 stets unter sich aus, in der Champions League sind sie mittlerweile Dauergäste, die den großen Klubs jedoch nicht gefährlich werden können. Spielen sie aber gegeneinander, ist die Stimmung aufgeheizt – und nicht immer bleibt es beim Sportlichen.

So auch im Mai diesen Jahres. Donezk hatte soeben das Tor zum 3:0 erzielt, die Entscheidung in einem einseitigen Spiel. Was dann folgte, sieht man heutzutage mal in den unteren Kreisligen, nicht allerdings im Profisport. Spieler und Funktionäre gingen mit Schlägen und Tritten aufeinander los, es dauerte mehrere Minuten, bis sich der Tumult endgültig aufgelöst hatte. Teamgeist und Harmonie im Jahr 2016 sehen definitiv anders aus.

Die Nachwehen sind bis heute zu spüren. 14 der 23 Spieler im aktuellen Kader kicken für Dynamo oder Schachtjor. Eine offizielle Erklärung des Verbandes sollte Einigkeit demonstrieren – die Glaubwürdigkeit dieser Entschuldigung darf aufgrund der aktuellen Debatte stark infrage gestellt werden.

Viel Arbeit also für Trainer Michail Formenko. Seit 2012 coacht der Ukrainer die Nationalmannschaft, die sich erst in den Playoffs nach Frankreich mühte. In der Qualifikation hatte die Ukraine nur den dritten Platz belegt, das anschließende Nachsitzen gegen Slowenien geriet zeitweise zu einer echten Zitterpartie. Der Glanz und die Vorfreude, die das Land vor der EM im eigenen Land im Jahr 2012 noch so zierten, sind längst verflogen.

Nominell schickt der erste Gegner der deutschen Elf kein schlechtes Team auf den Rasen. Ihr wertvollster Spieler, Flügelspieler Evgen Konoplyanka (Marktwert: 25 Millionen Euro), darf sich als Spieler des FC Sevilla Europa-League Sieger nennen, auch wenn er das Endspiel von der Ersatzbank aus verfolgen musste. Rechtsaußen Andriy Jarmolenko hat sein Können bei Dynamo Kiew regelmäßig unter Beweis gestellt und sich in den vergangenen Transferperioden auf das Radar einiger europäischer Spitzenteams gespielt – unter anderem hatte Borussia Dortmund intensiv über eine Verpflichtung des mittlerweile 26-Jährigen nachgedacht. Bei der besagten Auseinandersetzung im Mai hatte Jarmolenko eine Hauptrolle gespielt: Er trat seinem Nationalmannschaftskollegen im Schachtjor-Trikot, Taras Stepanenko, aus Frust gegen das Schienbein und trug somit maßgeblich zur Eskalation bei.

Sei’s drum: Jetzt zählen auch für die Ukraine nur noch Ergebnisse. Alle vier Testspiele im Kalenderjahr 2016 wurden gewonnen. Bei der Generalprobe gegen EM-Neuling Albanien im italienischen Bergamo behielt die Formenko-Elf mit 3:1 die Oberhand. Auch hier agierte die Ukraine aus einer defensiven Grundordnung heraus – eine Taktik, die aufgrund der stark besetzten Flügel in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionsstoff sorgte.

Fazit: Entscheidend wird sein, ob Trainer Formenko in so kurzer Zeit das passende Gegengift für die schlechte Stimmung in der Mannschaft gefunden hat. Die Mannschaft hat nur eine Chance, wenn sie sich als Einheit präsentiert.

Prognose: Mühevoll geht es ins Achtelfinale. Dort allerdings scheitern Jarmolenko und Co. an ihrem eigenen Stolz – und fliegen vorzeitig nach Hause.

Polen: Die Abhängigen

Polens Nationalelf steht und fällt mit ihrem Superstar. Quelle: Reuters
Robert Lewandowski

Polens Nationalelf steht und fällt mit ihrem Superstar.

(Foto: Reuters)

Mensch, wie hoch waren die Erwartungen bei der Heim-EM vor vier Jahren? Ein Vordringen ins Halbfinale sei aufgrund des starken Kaders durchaus im Bereich des Möglichen. Mindestens die Vorrunde jedenfalls wolle man überstehen, hieß es. Es folgte eine sportliche Enttäuschung: Mit nur zwei Punkten schied Polen als Letzter der Gruppe A vorzeitig aus. Viel Talent zeigt das Team seit Jahren, gerade in Turnieren gelingt es jedoch selten, zu liefern.

Wieder mal soll bei diesem Turnier alles anders werden. In der Qualifikation kam Polen souverän als Zweiter ins Ziel. Die einzige Niederlage gab es beim 1:3 in Frankfurt gegen Deutschland – das Hinspiel hatten sie noch mit 2:0 gewonnen. 33 Treffer in zehn Spielen zeigen eindrucksvoll: Polen setzt auf die Karte Angriff. Kein anderes Team traf häufiger. In der Hauptrolle: Robert Lewandowski.

Das Spiel der polnischen Elf ist wie schon 2012 voll auf Lewandowski zugeschnitten. Der Stürmer in Diensten des FC Bayern hat in den vergangenen vier Jahren erneut einen großen Schritt nach vorne gemacht. Kaltschnäuzigkeit, Fitness, Beweglichkeit, Technik, Schussgewalt: Lewandowski vereint die Superlative eines Angreifers in einer Person. „Eines ist klar: Wenn Robert in Topform ist, wird er uns sehr helfen“, schwärmte Trainer Adam Nawalka.

Lewandowski selbst ist es, der vor dem ersten Spiel gegen Nordirland Optimismus verbreitet. Denn anders als vor der EM im eigenen Land scheint der polnische Motor in diesen Tagen etwas zu stottern. Auf die 1:2-Niederlage gegen die Niederlande am Wochenende folgte ein wenig überzeugendes 0:0 gegen Litauen. „Bedeutung hat, was wir bei der EM zeigen. Aber manchmal muss man zeigen, dass man sich nicht in die Suppe spucken lässt“, sagte der Kapitän im Anschluss. Neben Lewandowski dürfte Arkadiusz Milik im Sturmzentrum auflaufen. Der junge Angreifer von Ajax Amsterdam, dem der Durchbruch in Leverkusen und Augsburg nicht vergönnt war, spielte eine starke Serie in der holländischen Liga.

Vollstes Vertrauen haben die Polen in ihren Trainer. Mit seiner zurückhaltenden Art wusste Adam Nawalka in der jüngeren Vergangenheit zu überzeugen, denn schließlich stimmten auch die Ergebnisse. 2013 übernahm er nach der missglückten Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Brasilien das Amt von Waldemar Fornalik und führte das Team souverän nach Frankreich. Nawalka arbeitete bislang nur in Polen und kennt sich im dortigen Profifußball bestens aus. Ein gutes Tandem, denn ein großer Teil der Nationalmannschaft konnte im Ausland wertvolle Erfahrungen sammeln.

Viel dürfte abhängen von der ersten Partie gegen Nordirland. In Polen haben sich einige Fans in ihren Erwartungen übertroffen: Mit einem Sieg gegen Nordirland hätte man selbst bei einer anschließenden Niederlage gegen Deutschland alles in der eigenen Hand im letzten Gruppenduell mit der Ukraine.

Fazit: Die polnische Mannschaft ist stark besetzt. Der Sieg über Deutschland in der Qualifikation hat gezeigt: Polen ist für Überraschungen bereit. Der Erfolg allerdings steht und fällt mit Robert Lewandowski.

Prognose: Für den ganz großen Wurf – den Gruppensieg – reicht es in diesem Jahr nicht. Dank ihrer starken Offensive folgen sie Deutschland als Gruppenzweiter ins Achtelfinale.

Nordirland: Mehr als nur ein Lückenfüller

Kyle Lafferty schießt Nordirland im September 2015 zur ersten EM-Teilnahme. Quelle: dpa
Eine Nation im Ausnahmezustand

Kyle Lafferty schießt Nordirland im September 2015 zur ersten EM-Teilnahme.

(Foto: dpa)

Der klassische Underdog, den es in eigentlich jeder homogenen Gruppe braucht, kommt in der Gruppe C von der Insel. Nordirland hat vor dem Turnier eigentlich niemand auf dem Zettel, außer einer Seekuh, die auf die Iren als Europameister tippte. Der Außenseiterstatus resultiert daraus, dass das kleine Land schlichtweg keine Akte im Weltfußball besitzt. Schließlich konnte sich Nordirland im 14. Anlauf das erste Mal für eine EM-Endrunde qualifizieren. Dieser Fakt würde in diesen Tagen wohl noch deutlich stärker betont werden, würden mit Wales, Island und Albanien nicht drei weitere Nationen erstmals teilnehmen.

Wer aber erwartet hatte, Nordirland würde sich hinter seiner Hülle verstecken, der hat sich mächtig getäuscht. „Wir müssen ja nur schauen, wie Irland der deutschen Mannschaft in der Qualifikation zugesetzt hat“, sagte Trainer Michael O’Neill im Vorfeld. „Wir leben in einer Zeit, in der die kleinen Teams gegen vermeintliche Favoriten absolut etwas holen können.“ Einen luftigen Betriebsausflug nach Frankreich wird es also nicht geben.

Bleibt die Frage, wie Nordirland die notwendigen Punkte fürs Weiterkommen einheimsen möchte. In der Verteidigung mangelt es an Spritzigkeit, in der vorderen Zone fehlen die kreativen Köpfe. Nur 16 Tore schossen die Nordiren in zehn Qualifikationsspielen. Kyle Lafferty vom englischen Absteiger Norwich City entpuppte sich mit sieben Treffern zur heimlichen Lebensversicherung. Reichte trotzdem für 21 Punkte und die Pole Position.

Die Qualifikation war sowieso etwas eigenartig. Gruppenkopf Griechenland blamierte sich bis auf seine hellenischen Knochen und wurde mit nur einem Sieg aus zehn Spielen Letzter – und zwar noch hinter den Färöer-Inseln. Ein neuer Favorit war also nötig: Mit drei Siegen zu Beginn konnte Nordirland seine Ambitionen eindrucksvoll unterstreichen – letztlich glückte die Qualifikation gemeinsam mit Rumänien und Ungarn.

Große Namen sucht man im Kader der Nordiren vergeblich. Als bekannteste Spieler fahren der langjährige Verteidiger von Manchester United, Johnny Evans (inzwischen West Bromwich Albion) und Kapitän Steven Davis vom FC Southampton mit nach Frankreich. Allein Lewandowski ist doppelt so wertvoll wie die gesamte Équipe. Doch wie sagt man so schön: Teams ohne große Stars kommen über das Kollektiv. Und hier hat Nordirland nichts zu verlieren. „Endlich hier angekommen zu sein ist aufregend. Wir freuen uns sehr auf dieses Turnier“, so Mittelfeldakteur Oliver Norwood nach der Ankunft im Teamquartier nahe Lyon.

Fazit: Ein ganzes Land fiebert dem ersten Spiel der EM-Historie gegen Polen entgegen. Nordirland ist auf dem Papier keine große Nummer – und zieht vielleicht daraus den entscheidenden Vorteil.

Prognose: Vielleicht beim nächsten Mal. Für große Überraschungen ist in der Gruppe C kein Platz. Nach einer Auftaktniederlage gibt es auch gegen Deutschland nichts zu holen. Gegen die Ukraine hält Nordirland gut mit, unterliegt jedoch knapp.

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