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EM-Teamcheck – Gruppe D Alte Spanier auf dem Weg zum EM-Hattrick

Spanien stellt die stärkste Liga und die teuerste Elf der EM. Die Superstars sind gealtert, doch sie wollen ihren dritten Titel. Kroatien, Türkei und Tschechien sind nur kleine Hürden. Die EM-Gruppe D im Check.
Altmeister Andres Iniesta ist am Ball noch immer eine Augenweide. Das Team der Spanier ist allerdings in die Jahre gekommen. Quelle: AFP
Andres Iniesta

Altmeister Andres Iniesta ist am Ball noch immer eine Augenweide. Das Team der Spanier ist allerdings in die Jahre gekommen.

(Foto: AFP)

Spanien: Die Supertechniker sind heißer EM-Favorit

Blamagen im Vorfeld eines großen Turniers sind nicht ungewöhnlich. Insofern ist die knappe 0:1-Niederlage von EM-Titelverteidiger Spanien gegen Georgien bedeutungslos. Die Spanier wissen schließlich genau, woran es liegt: Wenn sie gegen schwächere Gegner spielen, müssen sie deren Konter unterbinden und Standardsituationen auf ein Minimum reduzieren.

Eine technisch derart gute Mannschaft wie Spanien kann bei der EM nahezu jedes andere Team spielerisch dominieren. Die große Frage ist dann, ob sie ihren gewöhnlich hohen Ballbesitz auch nutzen, um Chancen herauszuspielen und die entscheidenden Tore zu machen. Gelingt dies wieder in einer höheren Taktfrequenz, wird das Team weit kommen.

Präsentieren sich die Altstars nach zwei EM-Siegen in Folge jedoch so ideenlos wie bei der letzten Weltmeisterschaft in Brasilien, dann könnte auch bereits im Achtelfinale Schluss sein. Ein erneutes Aus in der Vorrunde ist dagegen in dieser Gruppe nicht zu erwarten. Kroatien ist ein starkes Team, doch hinten anfällig. Die Türken und die Tschechen sind eher Sparringspartner.

Spanien setzt bei der EM stärker auf Erfahrung als auf Jugend. Die Stars Andrés Iniesta, Sergio Ramos, Gerard Pique und Cesc Fàbregas sind alle um die 30 Jahre alt. Der inzwischen 65 Jahre alte Trainer Vicente del Bosque vertraut ihnen immer noch – und wenn das erneut schief geht, dann war es eben sein größter Fehler.

Denn: Den Umbruch in diesem Team der Supertechniker hat der Trainer noch nicht eingeleitet. Das überlässt er seinem Nachfolger, dem er nach der EM wohl nur eine Rumpfmannschaft übergeben wird. Wenn sie scheitern, sollten die Alten aufhören – und wenn sie gewinnen erst recht. Letzte Chance also, noch einmal das Tiki-Taka, das rasante Kurzpassspiel, zu zeigen.

Fazit: Die Selección muss unbedingt noch einen Zahn zulegen. Weniger wichtig als die Torhüterfrage zwischen Legende Iker Casillas (FC Porto) und David de Gea (Manchester United) ist das Sturmproblem. Gesucht wird ein Knipser.

Prognose: Spanien verliert im EM-Endspiel gegen Deutschland in der Verlängerung – durch ein Tor von Mario Götze. Diese Prognose ist übrigens nicht vom Autor, sondern von einem mathematischen Modell, das Kickform entwickelt hat, ein Startup aus Münster.

Kroatien: Hochbegabte stehen sich selbst im Weg

Der torgefährliche Flügelspieler ist noch bekannt aus seiner Zeit in Dortmund und Wolfsburg. Quelle: AP
Ivan Perisic

Der torgefährliche Flügelspieler ist noch bekannt aus seiner Zeit in Dortmund und Wolfsburg.

(Foto: AP)

Kroatien stellt den siebtwertvollsten Kader dieser EM. Das Team ist gespickt mit Superstars aus ganz Europa. Mittelfeldantreiber Luca Modric von Real Madrid und Ivan Rakitic vom FC Barcelona sorgen für läuferische, kämpferische sowie kreative Momente im Spiel. Der ehemalige Wolfsburger Ivan Perisic (Inter Mailand) ist immer für ein Tor gut.

Und Mittelstürmer Mario Mandzukic (Juventus Turin) kennen die deutschen Fußballfans noch gut vom FC Bayern München. Beim deutschen Rekordmeister fiel er nicht nur durch seine Tore auf, sondern auch durch seine extrem aggressive Spielweise. Mit Trainer Pep Guardiola legte er sich am Ende so an, dass der ihn kurzerhand ausmusterte und abschob.

Mandzukic ist nicht der einzige Spieler aus dem Balkan, der im Fußballgeschäft durch Unbeherrschtheiten aufgefallen ist. Das bietet für das Publikum gute Unterhaltung, doch für ein Team können solche Ego-Touren einzelner Spieler Gift sein. Und genau hier liegt das große Problem der Kroaten.

Wenn es Trainer Ante Cacic schafft, aus 23 Egomanen ein schlagkräftiges Team zu formen, dann ist den Kroaten bei dieser EM einiges zuzutrauen. Die Gier nach dem großen Coup verkörpern sie auch nach außen: „Wir sind hungrig auf Erfolg“, sagt der frühere Schalker Rakitic. „Wir wollen Kroatien stolz machen.“

Ja, so sind sie. Und damit es auch tatsächlich gelingen kann, ist sich selbst die Staatspräsidentin Kolinda Grabar Kitarovic nicht zu schade, ihre Fußballer persönlich einzuschwören. „Spielt mit dem Herzen. Lasst Euch tragen vom Gedanken, dass Ihr die besten Botschafter Kroatiens in der Welt seid“, sagte das Staatsoberhaupt bei einem Empfang in Zagreb.

Altstar und Mannschaftskapitän Darijo Srna bedankte sich im Namen der Mannschaft für diese Ehre. Und er schenkte der Präsidentin sogar noch ein Dress mit der Rückennummer 9 und der Aufschrift Kolinda. Das trägt sie bestimmt im Stadion. Doch ob das hilft, um notorische Fußball-Streithähne von internen Machtkämpfen dieses Mal abzuhalten?

Fazit: Bei der WM und der letzten EM schieden die Kroaten bereits in der Vorrunde aus. In Frankreich müssen sie ihre Abwehrprobleme in den Griff bekommen – da sind sie jedoch nicht die einzigen.

Prognose: Der zweite Platz in der Gruppe und das Viertelfinale sollten drin sein. Und sogar mehr, wenn die Truppe erst einmal in Schwung kommt und auf einer Erfolgswelle schwimmt.

Türkei: Nicht überragend, aber effizient

Der Akteur in Diensten des FC Barcelona ist der wertvollste Spieler im Kader der Türken. Quelle: AP
Arda Turan

Der Akteur in Diensten des FC Barcelona ist der wertvollste Spieler im Kader der Türken.

(Foto: AP)

Die türkische Liga wird interessanter, nicht zuletzt weil die deutschen Nationalspieler Lukas Podolski oder Mario Gomez dort zu neuen Ehren kommen. Die Nationalmannschaft des Landes spiegelt jedoch weniger die eigene Liga wider, sie ist inzwischen ebenfalls – wie viele andere Teams – mit Stars aus vielen Ligen Europas zusammengestellt.

Die Spielidee der Mannschaft ist aus der Not geboren. Weil den Türken dominanter Fußball nicht liegt, überlassen sie gerne dem Gegner den Ball – in der Hoffnung, aus ein, zwei oder drei Chancen das entscheidende Tor zu machen. Dafür sollen dann zum Beispiel Barca-Star Arda Turan oder der Leverkusener Hakan Calhanoglu sorgen.

Auch weitere bekannte Gesichter aus der Bundesliga stehen im Kader: Nuri Sahin von Borussia Dortmund und Yunus Malli von Mainz 05. Bisher spielen beide im türkischen Team jedoch keine tragende Rolle. Sahin war zu lange verletzt, Malli ist noch zu jung und hat in der zweiten Hälfte der Bundesliga-Saison stark abgebaut.

Durch die Qualifikation hangelten sich die Türken als bester Dritter. Das war holprig und nicht unbedingt zu erwarten, insbesondere die Siege gegen den späteren Gruppensieger Tschechien und die ausgeschiedenen Niederländer kamen überraschend. Spielerisch ließen die Türken oft viele Wünsche offen, was aber nichts an der Euphorie im Lande für das eigene Team ändert.

Die Turniererfahrung der Türkei ist mager. Der größte Erfolg bisher ist der dritte Platz bei der WM 2002. Daneben reden die Türken noch gerne vom EM-Halbfinale 2008, das sie knapp gegen Deutschland verloren – durch einen späten Treffer von Philipp Lahm. Auch damals war ihr Trainer wie heute „Imperator“ Fatih Terim, der eigentliche Star des Teams.

Fazit: In der Gruppe spielen die Türken wieder um den dritten Platz – und haben dabei erneut die Tschechen als wichtigsten Konkurrenten. Mehr ist nur drin, wenn sie gegen Spanien und Kroatien überraschend gut abschneiden.
Prognose: Mit etwas Glück schafft die es Türkei ins Achtelfinale. Doch hier dürfte bereits Schluss sein, weil der zu erwartende Gegner zu stark ist.

Tschechien: Einer für alle, alle für einen

Die Generalprobe gegen Südkorea verloren die Tschechen mit 1:2. Quelle: Reuters
Noch nicht in Form

Die Generalprobe gegen Südkorea verloren die Tschechen mit 1:2.

(Foto: Reuters)

Die Tschechen haben das Motto der drei Musketiere verinnerlicht: „Einer für alle, alle für einen“ und sogar ein Lied draus gemacht. Das passt gut, weil das Team aggressiv nach vorne spielt und sich viele Torchancen erspielen will. Darunter leidet die Defensive. Oft verlassen sich die Tschechen dabei zu sehr auf ihren wertvollsten Spieler, Torwart-Legende Petr Cech (FC Arsenal).

Gemessen an der Qualität des Kaders ist eigentlich nur Platz vier in der Gruppe D realistisch. Doch auch vermeintlich schwächere Spieler können im Fußball viel erreichen, wenn die Zusammenstellung des Teams und der Zusammenhalt der Spieler untereinander stimmt. Das scheint bei den Tschechen der Fall zu sein. Denn sie spielten eine überraschend gute Qualifikation.

Mit sieben Siegen in zehn Spielen holten sie sich den Gruppensieg – und ließen dabei ganz nebenbei die starken Niederländer weit hinter sich. Sie wissen selbst, dass dies eine große Überraschung war, wie Vladimir Darida von Hertha BSC sagt. Der Dauerläufer der Bundesliga soll zum Dirigenten des Teams aufgebaut werden.

Noch ist das ein alter Bekannter aus Dortmunder Zeiten: Tomas Rosicky, der inzwischen 35 Jahre alt ist und noch immer beim FC Arsenal in England spielt. Allerdings ist er häufig verletzt. Ob er bei der EM in guter Form sein wird, bleibt daher abzuwarten. Für das Spiel der Tschechen ist er extrem wichtig – wegen seiner Ideen.

Die Erfolgsgeschichte der Tschechen bei Europameisterschaften ist lang, doch dafür kann sich das aktuelle Team nichts kaufen. Ob Cech und Rosicky noch einmal einen großen Erfolg feiern werden, ist sehr unwahrscheinlich. Auf jeden Fall dürfte es das letzte große Turnier der beiden Altstars der goldenen Generation des Landes werden.

Fazit: In dem Team steckt zu wenig internationale Qualität, um das Viertel- oder Halbfinale zu erreichen.

Prognose: Mit der Türkei kämpfen die Tschechen um den dritten Platz in der Gruppe. Allenfalls das Achtelfinale ist drin, danach dürften sie spätestens nach Hause reisen.

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