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Ex-DFB Trainer Gero Bisanz „Als Damentrainer belächelt“

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Hoffen aus das kleine Sommermärchen
Gero Bisanz, spricht im Juli 1996 in Birmingham (Alabama/USA) während eines Trainings mit seiner Spielerin Patricia Brocker. Quelle: dapd

Gero Bisanz, spricht im Juli 1996 in Birmingham (Alabama/USA) während eines Trainings mit seiner Spielerin Patricia Brocker.

(Foto: dapd)

Aber die Nationalmannschaft ist doch so erfolgreich wie nie, ist das kein Pluspunkt?

Sicherlich, aber wenn wir von Erfolgen sprechen geht es auch in der Regel nur um die Nationalmannschaft. Die ist ohne Zweifel sehr erfolgreich, und drei oder vier Vereinsmannschaften ebenfalls. Aber man spricht nicht von der Bundesliga insgesamt, da sehe ich unheimlich viel Entwicklungspotenzial.

Egal wen man fragt, Fifa, Organisationskomitee und DFB: Glaubt man den Einschätzungen der Organisatoren der Weltmeisterschaft, steht dem Frauenfußball jetzt endgültig der große Durchbruch bevor. Sehen Sie die Zukunft auch so rosig?

Was man an den Zahlen sehen kann ist klar: Der Mädchenfußball hat sich rasant entwickelt, da kommen sehr viele neue Anmeldungen. Diese Entwicklung wird auch weitergehen, aber wie so viele sich das denken, dass dem Frauenfußball die Zukunft gehört, so einfach ist das auch nicht. Das wird kein Selbstläufer, das muss nach meiner Auffassung hart erarbeitet werden. Außerdem hängt sehr viel vom Geld ab. Es ist ein schwerer Weg und ich sehe das nicht so euphorisch, wie das viele andere sehen.

Sie treten auf die Euphoriebremse. Was ist nötig, damit der Frauenfußball dem Männerfußball näher kommt?
Es braucht sehr, sehr viel Zeit und Geduld den Frauenfußball gleichberechtigt im Amateurbereich neben dem Männerfußball zu etablieren. Man muss sich das realistisch vorstellen: Ein Verein der vom Männerfußball geprägt ist hat einen Sportplatz und zwei Kabinen. Wie sollen dort Männer und Frauen zusammen trainieren? Das kann noch nicht in allen Verbänden funktionieren, weil da immer noch der Männerfußball an erster Stelle steht.

Ist Ihrer Meinung nach Änderung in Sicht?

Man kann es hoffen. Warum sollen Frauen nicht die gleiche Berechtigung haben wie Männer, Fußball zu spielen? Aber da wären wir wieder bei der leidigen Geldfrage. Es hängt alles davon ab. Die Bundesliga der Männer spielt sehr viel Geld ein, aber bei den Frauen sind es immer nur eine handvoll Mannschaften, die erfolgreich sind. Alle anderen laufen hinterher.

Randvolle Stadien bleiben also auch weiterhin die Ausnahme beim Frauenfußball?

Es ist Potenzial da, aber das ist weiterhin ausbaufähig. Von den Zuschauerschnitten kann man die Frauenliga mit dem unteren Drittel der dritten Männerliga vergleichen. Die spielen vor 800, 1000 Leuten. Bis sich das ändert, muss die Qualität noch unheimlich steigen. Es müssen bessere Trainer zur Verfügung stehen, die müssen aber auch bezahlt werden. Und natürlich sind die Vereine auch abhängig vom Fernsehen.

Gerade vor dem Hintergrund mehr Aufmerksamkeit und dadurch mehr Zuschauer zu gewinnen: Wie wichtig ist die Weltmeisterschaft im eigenen Land?

Es kommt ganz darauf an, wie unsere Frauen spielen. Ich rede nicht von Titeln, sondern von der Qualität der Spiele. Sie müssen Spiele auf höchstem Niveau zeigen, damit die Zuschauer das anerkennen.

Und dann steht dem Boom nichts mehr im Wege?

Wenn es gelingt ein kleines Sommermärchen zu schaffen, werden sich auch wieder viele Mädchen wieder mehr für Fußball interessieren. Und gerade in Deutschland ist der Frauenfußball beliebter, als viele etablierte Sportarten. Aber das wird eher peu à peu geschehen – einen nachhaltigen Boom sehe ich nicht.

 

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