Fußball-Managerin Katja Kraus „WM ist ein Schritt hin zu größerer Selbstverständlichkeit“

Die frühere Nationalspielerin Katja Kraus freut sich auf die Frauen-WM in Deutschland. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen im männerdominierten Fußball-Business und verrät, was eine Frauenquote ändern könnte.
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Ex-Nationaltorhüterin Katja Kraus: Als Aktive gewann sie mit dem FSV Frankfurt mehrfach die Deutsche Meisterschaft sowie den DFB Pokal. Mit der Nationalmannschaft wurde Kraus Europa- und Vize-Weltmeisterin. Nach ihrer aktiven Laufbahn arbeitete sie zunächst für Adidas, wurde anschließend Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt. Von 2003 an war Kraus beim Hamburger SV für die Bereiche Kommunikation und Marketing zuständig. 2010 rückte sie in den Vorstand - als erste Frau bei einem Bundesligisten überhaupt. Quelle: Sandra GätkePR

Ex-Nationaltorhüterin Katja Kraus: Als Aktive gewann sie mit dem FSV Frankfurt mehrfach die Deutsche Meisterschaft sowie den DFB Pokal. Mit der Nationalmannschaft wurde Kraus Europa- und Vize-Weltmeisterin. Nach ihrer aktiven Laufbahn arbeitete sie zunächst für Adidas, wurde anschließend Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt. Von 2003 an war Kraus beim Hamburger SV für die Bereiche Kommunikation und Marketing zuständig. 2010 rückte sie in den Vorstand - als erste Frau bei einem Bundesligisten überhaupt.

(Foto: Sandra GätkePR)

Frau Kraus, Sie waren als erste Frau Vorstandsmitglied bei einem Bundesligisten, sind darüber hinaus sehr erfolgreich im Sport-Marketing tätig. Haben Sie alles erreicht oder suchen Sie neue Herausforderungen?

Ich bin zufrieden mit meinem beruflichen Weg. Im Moment genieße ich es, einen neuen Schwerpunkt zu setzen, der mich ausfüllt und mir viel Raum für Kreativität und Experimentierfreude gibt. Bei aller Begeisterung, die ich für meine Aufgabe hatte, geht das durch die rasante Geschwindigkeit und die Flüchtigkeit des Bundesligageschäftes oft verloren. Das gilt wohl für alle Bereiche mit einer so enormen Öffentlichkeitswirksamkeit. Aus der relativen Distanz, mit der ich gerade darauf blicke, entstehen ganz neue Gedanken, und irgendwann vielleicht auch der Wunsch, wieder in der Branche zu gestalten.

Mit welchen Widerständen hatten Sie auf dem Weg in ihr Amt zu kämpfen?

In einer Branche, mit einer solchen Aufmerksamkeit und entsprechender Meinungsvielfalt, Entscheidungen zu treffen, heißt mit Widerständen umgehen zu müssen. In meiner Zeit als Vorstand habe ich allerdings keine solchen gespürt, die in meinem Frausein begründen waren. Zumindest wurde ich nicht direkt damit konfrontiert. Das war anfangs anders. Als ich 1996 Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt wurde, war die Skepsis der Männer groß, und sie haben ihr Spielfeld nach Kräften verteidigt. Durchaus auch mal mithilfe eines Fouls. Auch heute spielen Männlichkeitsrituale in der Fußballbranche noch eine große Rolle. Aber das weicht gerade etwas auf, da zunehmend Männer, die eine andere Vorstellung von Führung, Teamstruktur und Kommunikation haben, in verantwortlichen Positionen sind.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum im Fußball kaum Frauen in Führungspositionen vertreten sind?

Ich würde mir wünschen, dass es mehr Frauen in Führungspositionen gibt, weil es eine zusätzliche Managementkompetenz einbringt und die Ausrichtung und die Atmosphäre verändert. Allerdings ist die Veränderungsgeschwindigkeit in der Bundesliga langsamer als in anderen Branchen und die Offenheit für Einflüsse von außen begrenzt. Das gilt nicht nur für die Akzeptanz der Bereicherung durch kompetente Frauen.

War der Einbruch in die Männerdomäne für Sie besonderer Ansporn?

Nein. ich habe immer Fußball gespielt und in meiner Welt gab es die Frage nicht, wem dieses Spiel eigentlich gehört. Als sich die Chance ergab, darauf meine berufliche Karriere aufzubauen, habe ich mir auch  keine Gedanken gemacht, dass damit Widerstände verbunden sein könnten. An den bedeutenden Weichenstellungen meines Lebens habe ich keine bewussten Entscheidungen getroffen, sondern lagen Wege wie selbstverständlich vor mit. In jedem Fall brauchte ich keinen zusätzlichen Ansporn neben der Begeisterung für die Aufgabe.

„Spielfreude hat nichts mit Millionengagen zu tun“
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