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Analyse 3 Gründe, warum Jogi Löw auch nach der Niederlage gegen Frankreich Bundestrainer bleibt

Nach der verkorksten WM und dem schwachen Start in die Nations League scheint Joachim Löws Rücktritt als Bundestrainer unausweichlich. Doch die Alternativen sind rar.
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Momentan wäre eine Entlassung des Fußball-Bundestrainers schwer zu rechtfertigen. Quelle: dpa
Joachim Löw

Momentan wäre eine Entlassung des Fußball-Bundestrainers schwer zu rechtfertigen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist die mit Abstand schwierigste Zeit für Joachim Löw. Der Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, vor vier Jahren noch zum Weltmeister gekürt, hat in seiner langen Amtszeit keine vergleichbare Durststrecke erlebt wie diese.

Im Sommer schied seine Mannschaft nach peinlichen Auftritten frühzeitig bei der Weltmeisterschaft in Russland aus. Und auch nach der groß angekündigten Aufarbeitung der Krise im Spätsommer wurde es keineswegs besser.

Aus dem Neuanfang pünktlich zur Nations League wurde zunächst nichts. Nach der heutigen knappen Niederlage gegen Frankreich droht gar der Abstieg in die Zweitklassigkeit. Einen Rücktritt schloss Löw bislang aus. So einfach ist der nämlich auch gar nicht – aus drei Gründen.

Erstens: Die Leistung

Am Dienstagabend folgte für die deutsche Nationalelf die nächste Niederlage. 1:2 verlor das Team gegen Frankreich. Doch die Leistung stimmte durchaus, die Deutschen spielten lange Zeit gut mit, hielten dagegen, gingen sogar in Führung. Und wurden am Ende leider nicht belohnt.

Dennoch: Der Gegner hieß nicht San Marino oder Aserbaidschan, sondern Frankreich – der aktuelle Weltmeister. Löw scheint es gelungen, mit ein paar Änderungen in der Aufstellung eine aggressivere Spielweise herbeigeführt zu haben. Seine Mannschaft zeigte in Frankreich ein deutlich besseres Spiel als in den Niederlanden, scheiterte am Ende aber auch an Antoine Griezmann.

Der Franzose, einer der derzeit besten Spieler der Welt, erzielte gleich zwei Tore. Trotz allem: Nach diesem Spiel dürfte der Rausschmiss Löws schwerfallen. Zumindest im Moment wäre er schwer zu rechtfertigen.

Zweitens: Die Alternativen

Joachim Löw ist seit nunmehr zwölf Jahren Bundestrainer. Er hat eine ganze Generation von Spielern geprägt – und fast alles erreicht, was man mit einer Nationalmannschaft erreichen kann. Er hat mit seiner ruhigen und sachlichen Art den deutschen Fußball umgekrempelt, er hat aus Individuen ein Team gemacht.

Bei seiner ersten Vertragsverlängerung gab es noch Diskussionen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), es ging damals ums Gehalt, um Einfluss und Macht. Seitdem ist die Kritik an seiner Person selten laut geworden. Denn beim DFB weiß man, dass die Alternativen rar sind.

Thomas Tuchel und Jürgen Klopp, zwei andere erfolgreiche deutsche Trainer, verdienen ihr Geld lieber bei Top-Klubs in Frankreich und England. Und erhalten da auch deutlich mehr Geld als Löw. Nur mal zum Vergleich: Löw verdient rund 3,8 Millionen Euro pro Jahr (er hat sein Gehalt im Laufe der Jahre gesteigert), Tuchel kommt bei Paris St. Germain auf rund fünf Millionen Euro und Klopp verdient in Liverpool angeblich sogar zehn Millionen Euro – alles exklusive Werbeverträge und der ständigen Beobachtung durch deutsche Medien.

Andere Namen als die eben genannten kursieren dabei selten – von dieser Klasse gibt es eben auch nicht so viele. Einen Nachfolger zu finden, der Löws Posten wirklich haben will – und der ihn auch ausfüllen kann, ist enorm schwer. Man weiß in Frankfurt eben auch genau, was man an Löw hat.

Drittens: Die Eigenheiten des DFB

Erst vor ein paar Monaten, noch vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM in Russland, gab der DFB offiziell bekannt, dass man mit Löw bis zum Jahr 2022 plane. Die vorzeitige Vertragsverlängerung für einen Mann, der nie satt werde und der keinerlei Abnutzungserscheinungen zeige, wie man damals den Schritt begründete.

Jetzt, nur kurze Zeit später, dies zu revidieren und Löw ins Abseits zu manövrieren, weil die sportliche Leistung nicht stimmt, käme einem Schuldeingeständnis gleich. Dafür wird sich das DFB-Präsidium sicher so lange Zeit wie möglich lassen.

Nach der Niederlage gegen Frankreich ließ daher auch DFB-Chef Reinhard Grindel verlauten: „Ich finde, dass wir ein Stück Umbruch heute gesehen haben, der Mut macht.“ Und weiter: „Entscheidend ist die Entwicklung der Mannschaft. Das, was die junge Mannschaft heute gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen.“ Grindel hat seinem Bundestrainer wieder einmal den Rücken gestärkt. Und damit auch sich selbst. Fragt sich nur, wie lange noch.

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