Anstoß – die Fußball-Kolumne Frauen können Fußball!

Die Frauen spielen und keinen interessiert's: In Kanada läuft die Fußball-WM der Frauen – und bekommt nicht halb so viel Aufmerksamkeit wie das Turnier der Männer. Warum es an der Zeit ist, Frauenfußball zu schauen.
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Geringes Interesse: Oftmals bleiben die Ränge bei Frauen-Weltmeisterschaften leer. Quelle: dpa
Leere Ränge bei der Frauen-WM

Geringes Interesse: Oftmals bleiben die Ränge bei Frauen-Weltmeisterschaften leer.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVor 60 Jahren verbot der DFB seinen Vereinen, Fußball für Frauen anzubieten. Die Begründung damals: Das Spiel mit dem Ball sei eine Kampfsportart, die „der Natur des Weibes im Wesentlichen fremd“ sei. Diese Meinung gehört zwar mittlerweile lange der Vergangenheit an, die Skepsis gegenüber kickenden Frauen ist aber bis heute geblieben. Das Königreich Fußball wird weiterhin von Männern regiert.

Wer behauptet, Frauen könnten nicht Fußball spielen, ist in den Eckkneipen der Republik ein gern gesehener Gesprächspartner – da können sich die Mädels von Bundestrainerin Silvia Neid bei der aktuell stattfindenden Frauen-Fußball-WM in Kanada noch so anstrengen. Es nützt einfach nichts, obwohl niemand auf die Idee käme, zu behaupten, dass Frauen keine 100 Meter laufen oder nicht Diskuswerfen können.

Klar, Frauen sind – in der Regel – keine Brecher á la Jérôme Boateng oder Arturo Vidal. Doch es gibt auch Ausnahmen: Das Spiel der Nigerianerinnen ist oft körperlich geprägt. Der Gegner muss das erstmal ausgleichen. Als Brechermannschaft ist es bei den Frauen viel leichter, ein Missverhältnis zu erzielen.

Ausruhen, pflegen, trainieren
Umzug
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Die DFB-Frauen sind nach den ersten zwei WM-Spielen in Ottawa am Freitag nach Winnipeg umgezogen. Montag steht dort das letzte Gruppenspiel gegen Thailand an.

Quelle: dpa

Bundestrainerin
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Bundestrainerin Neid will sich mit ihrem Team als Gruppensieger für das Achtelfinale qualifizieren. Ob das der leichtere Weg ist, weiß noch niemand. Aber der Reisestress wäre geringer, die Erholungsphasen wären günstiger.

Reise
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Im Gegensatz zu Otto-Normal-Flieger müssen sich die Spielerinnen um nichts außer um ihr persönliches Gepäck kümmern. Alles ist bestens vorbereitet. Die Reiseorganisation ist Sache von DFB-Teammanagerin Patrizia Hell.

Gepäck
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Die Spielerinnen müssen nicht selbst einchecken oder ihr Gepäck aufgeben. Zudem wurde das Team in Ottawa direkt mit dem Bus auf das Rollfeld zur Chartermaschine kutschiert. Dann ging es in einem gut zweistündigen Flug nach Winnipeg in die östlichste der Prärieprovinzen Kanadas.

Training
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Die Spielerinnen, die gegen Norwegen nicht oder nur kurz zum Einsatz kamen, absolvierten eine komplette Einheit. „Die war recht intensiv mit Eins-zu-eins-Situationen und ein paar Spielformen“, berichtete die 21-jährigen Lena Lotzen. „Die anderen waren am Pool und haben regeneriert.“

Stadion
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Samstag stand eine normale Übungseinheit für das komplette Team auf dem Programm. Das Abschlusstraining findet einen Tag vor dem Match normalerweise im Stadion statt.

Mahlzeiten
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Der DFB achtet auf regelmäßige Mahlzeiten, die vom mitreisenden Koch zusammengestellt werden. Zwischen den Trainingseinheiten gibt es immer mal Besprechungen und Sitzungen, einen Tag vor dem Spiel dann auf den Gegner bezogene Video-Analysen.

Männer sind aufgrund ihrer körperlichen Konstitution allerdings sportlich im Vorteil. Sie können mehr Muskelmasse aufbauen und haben ein größeres Herz, um selbige mit Blut vollzupumpen. Doch welche Auswirkungen hat das auf das schöne Spiel mit dem Ball? Gar keine! Schließlich geht es im Fußball nicht ausschließlich um Masse und Athletik.

Vielmehr entscheidet das Köpfchen, wohin der Ball gespielt wird. Und wer nach den Kriterien Spielübersicht, Technik und Taktik geht, wird im Frauenfußball mehr als glücklich. Die Anfangsphase im Vorrunden-Spiel Deutschland-Norwegen präsentierte die Finesse des Frauenfußballs in Reinform und bewies: Frauen können Fußball! Das weiß sogar der (hoffentlich) scheidende Fifa-Präsident Joseph S. Blatter. Er befand zuletzt : „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich.“

Es gilt: Frauenfußball schaut man(n) anders als das Pendant bei den Männern. Hier geht es nicht um revolutionäre Spielzüge, Hacke-Spitze-Eins-Zwei-Drei oder 50-Meter-Tore. Dafür darf der interessierte Zuschauer spektakuläre Dribblings und Ticki-Tacka-Fußball bestaunen – mit zuletzt bis zu zehn Toren pro Spiel.

Wer das noch immer nicht attraktiv findet, dem ist nicht mehr zu helfen.

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2 Kommentare zu "Anstoß – die Fußball-Kolumne: Frauen können Fußball!"

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  • Mag ja sein, das "... das Köpfchen entscheidet, wohin der Ball soll..." Aber Muskelmasse und Technik bestimmen, ob der Ball auch ankommt, wo er soll.
    Die entschiedensten Gegner des Frauenfußballs habe ich bislang unter Fußball-interessierten Frauen ausgemacht "... geht ja gar nicht ....".
    Und letztlich: Was verspricht - oder erhofft - sich der Autor für seine Lobhudelei ?? :-))

  • Es ist wirklich nervend, wie versucht wird, den Frauenfußball hochzujubeln. Einerseits wird kritisiert, dass der Frauenfußball ständig mit dem Herrenfußball verglichen wird, anderseits tun genau dies die Frauenfußballerinnen und Journalisten selber.
    Warum schauen nicht mal halb so viele Zuschauer Frauenfußball im Vergleich zu Herrenfußball? Wahrscheinlich weil es nur halb so viel interessiert.

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