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Ballack bricht den Bann

Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat mit einem deutlichen 3:0 (0:0)-Sieg gegen Tunesien bereits nach dem zweiten Vorrundenspiel das Ticket für das Halbfinale gelöst. Dabei stand das Spiel lange auf des Messers Schneide. Erst ein Elfmetertor von Kapitan Michael Ballack brach den Bann. Die weiteren Treffer im mit rund 46 000 Zuschauern ausverkauften Kölner WM-Stadion erzielten Bastian Schweinsteiger und Debütant Mike Hanke.
Michael Ballack, FOTO: dpa

Michael Ballack, FOTO: dpa

KÖLN. Gegen Argentinien geht es nun am Dienstagabend in Nürnberg (20.45 Uhr) um den Sieg in der Gruppe A. Tunesien hingegen ist nach der Auftaktniederlage gegen Argentinien aus dem Rennen.

Die deutsche Mannschaft begann, wie es sich das Bundestrainer Jürgen Klinsmann vorstellt: aggressiv, mit Tempo - und vor allem mit Zug zum Tor. Frei nach dem Motto: die zuletzt so wackelige und heftig kritisierte Abwehr erst gar nicht in Schwierigkeiten kommen lassen. Vor allem die beiden offensiven Mittelfeldspieler auf den Außenpositionen erwiesen sich dabei als Aktivposten: Schweinsteiger auf der linken und Deisler, der nicht ganz unerwartet für Schneider in die Anfangsformation gerückt war, auf der rechten Seite. Doch kaum hatten Asamoah - er übersah offenbar übermotiviert den viel besser postierten Deisler (4.) - die erste hundertprozentige Chance vertan und Jaidi - er hielt den auf und davon stürmenden Lukas Podolski fest und sah dafür Gelb (5.) - die zweite unsauber verhindert, ebbte der Offensivdrang auch schon wieder ab - und die Abwehr geriet in dem Mittelpunkt.

Nicht etwa, weil die Nordafrikaner so brillant nach vorne gespielt hätten. Im Gegenteil. Das mehr an Offensivspielern auf dem Platz im Vergleich zum Auftaktspiel gegen Argentinien sorgte eher für ein Weniger an guten Szenen im Spiel nach vorne. Insbesondere von Superstar Santos, der bislang in 15 Länderspielen elf Mal getroffen hatte und auf den die Tunesier große Hoffnungen gesetzt hatten, war dank der persönlichen Betreuung durch Per Mertesacker kaum etwas zu sehen. Und doch musste man sich schon in dieser frühen Phase wieder Sorgen machen um die Null, die bei den Deutschen hinten endlich mal wieder stehen sollte. Der Grund: Robert Huth.

Klinsmann und Löw hatten ihrem jungen Abwehrrecken nach dem völlig missratenen Auftakt gegen Australien demonstrativ den Rücken gestärkt. Wohl auch weil eine Herausnahme aus der Mannschaft nach der Leistung gegen Australien einer Demontage des 20-jährigen Hünen gleich gekommen wäre. Doch sein Nervenkostüm war entgegen den Beteuerungen des DFB-Trainer-Duos zunächst alles andere als stark. Eindeutigster Beleg: Ein grober Stellungsfehler hätte nach neun Minuten fast das 0:1 bedeutet, doch sein kleiner und wendiger Gegenspieler Jaziri hob den Ball über das wie verabredet von Jens Lehmann gehütete deutsche Tor. Danach spielte der Chelsea-Verteidiger fast nur noch Sicherheitspässe - und selbst die misslangen zum Teil.

Und so dürfte Huth, der allerdings immer wieder von den Fans aufgemuntert wurde ("Huuuuuuuuth!") und sich dann im Laufe des Spiels auch wieder steigern konnte, froh gewesen sein, als sich nach 20 Minuten das Spiel wieder mehr in die Hälfte des Afrika-Meisters verlagerte und statt der angekündigten Moskito-Stiche gegen die DFB-Elf höchstens kleine Mücken-Pikser herausgekommen waren. Allerdings hatte sich die Verunsicherung mittlerweile offenbar auch auf den Rest der Mannschaft übertragen, denn die Fehlerquote nahm zu. Insbesondere Hitzlsperger und der nach einer langen Saison mit über 60 Pflichtspielen ganz eindeutig überspielte Asamoah, der überraschend den Vorzug vor Kuranyi erhalten hatte, waren an erster Stelle zu nennen. Gut, dass zumindest Lehmann hellwach war und mit einer Klasse-Parade verhindert, das ein Eckball von Clayton direkt im deutschen Netz einschlug (26.).

Da auch Kapitän Michael Ballack nicht an die Leistung vom Freundschaftsspiel gegen Irland anknüpfen konnte und außer bei einem Kopfball nach einer Schweinsteiger-Ecke (32.), den Clayton von der Linie kratzte, weitgehend unauffällig blieb, blieben die Bemühungen, die man der Klinsmann-Elf keinesfalls absprechen konnte, fruchtlos.

Wer nach dem Wechsel eine andere deutsche Mannschaft erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Als Podolski aus 18 Metern abgezogen hatte (52.), hatten die Deutschen vorerst ihr Pulver verschossen. Mehr als zuvor hielt die allgemeine Verunsicherung Einzug in die Reihen des Confed-Cup-Gastgebers - und die Tunesier drängten und drückten plötzlich. Im Strafraum von Jens Lehmann brannte es mehr als nur einmal lichterloh. Die deutsche Mannschaft schien endgültig den Faden verloren zu haben.

Das merkte auch Jürgen Klinsmann und reagierte. Endlich, muss man wohl sagen. Der indisponierte Asamoah (62.) musste ebenso vom Feld wie wenig später der neben Huth zweitgrößte Unsicherheitsfaktor Thomas Hitzlsperger (67.). Kuranyi und Schneider sollten neuen Schwung und mehr Ordnung ins Spiel bringen.

Es sollte sich schon bald bezahlt machen. Denn nur fünf Minuten später war die so lange herbeigesehnte, zu diesem Zeitpunkt aber überraschende Führung dann fällig. Und wieder einmal war es Michael Ballack, der den Bann brach und dem Spiel die entscheidende Wende gab: Von Podolski bedient und Abdi im Strafraum gefoult, legte er, so schien es, den gesamten bis dahin aufgestauten Frust des Spiel in seinen Schuss und versenkte das Leder aus elf Metern knallhart in die Mitte zum 1:0 für Deutschland (73.).

Die Elf von Roger Lemerre musste sich den Rücktand aber auch ein Stück weit selbst zuschreiben. Ihre fast zwanzigminütige Sturm- und Drangphase um die 60. Minute hatte sie zu mutig gemacht. Die Defensive wurde zusehends vernachlässigt - und nach dem Rückstand noch mehr geöffnet.

Bei den Deutschen klappte dagegen plötzlich, was bis dahin schief gegangen war. Zum Beispiel das Zusammenspiel zwischen den beiden Jung-Stars Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski: Als der Kölner Lokalmatador seinen Spezi mit einem Zuckerpass der jedem Brasilianer zur Ehre gereicht hätte, frei gespielt, der den Torwart umkurvt und zum 2:0 eingeschoben hatte, war das Spiel entschieden (80.).

Der Schlusspunkt war das aber noch nicht. Den zu setzen gebührte ausgerechnet dem Debütanten und Neu-Wolfsburger Mike Hanke. Klinsmann hatte "Prinz Poldi" vor heimischer Kulisse einen triumphalen Abgang gegönnt und den 20-Jährigen nach 87 Minuten vom Feld genommen - und damit Hanke seinen großen Auftritt ermöglicht: Der Stürmer zahlte Klinsmann die Nominierung schon nach zwei Minuten auf dem Feld im Nachschuss mit seinem ersten Tor im Dress der A-Nationalelf zum 3:0 zurück - und versöhnte die Fans damit endgültig.

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