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Fußball-Experte Paul Breitner hat vor einer Woche einen ziemlich guten Witz gemacht, und das Witzigste war, dass niemand den Witz als Witz erkannt hat
  • Stefan Hermanns (Handelsblatt)
Kevin Kuranyi, Robert Huth und Sebastian Deisler (von links) beim Sprinttraining. Foto: dpa

Kevin Kuranyi, Robert Huth und Sebastian Deisler (von links) beim Sprinttraining. Foto: dpa

HB FRANKFURT/MAIN. Breitner hat nämlich seine Sorge geäußert, dass die deutschen Fußball-Nationalspieler vor lauter Fitnesstraining noch zu Leichtathleten degenerieren. Das war insofern bemerkenswert, als Breitner selbst zu den Protagonisten der wohl leichtathletischsten Epoche des deutschen Fußballs gehört hat. In den frühen Achtzigerjahren rannten die Deutschen ihre Gegner einfach in Grund und Boden, und mit Hans-Peter Briegel, einem gebürtigen Zehnkämpfer, hatte der deutsche Kraftfußball genau die Symbolfigur, die er damals verdiente.

"Wir wollen keine Dauerläufer, die in einem Spiel 14 Kilometer zurücklegen", sagt Joachim Löw, der Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. "Es kommt nicht darauf an, viel zu laufen, es kommt darauf an, effizient zu laufen." Erfolgreich rennen können inzwischen auch Südkoreaner und Chinesen; entscheidend ist aber, dass die deutschen Spieler selbst in der 90. Minute noch fit genug sind, damit sie spielen können. "Die Mannschaft geht ein sehr hohes Tempo", hat Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, nach dem Länderspiel gegen Russland gesagt. "Aber die ganzen 90 Minuten kann sie es noch nicht durchhalten." Folglich gelang den Russen in der Schlussminute der Ausgleich

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Klinsmann hat die Fitnessexperten aus den USA nicht engagiert, um seine Spieler zu quälen. Sie sollen die Mannschaft fit machen für ein Spielsystem, das "hohes Tempo, hohen Einsatzwillen und enorme Laufbereitschaft" verlangt, wie er sagt. Doch der neue offensive Spielstil ist kein ungezügelter Hurrafußball. Er wird mit sehr viel mehr System betrieben, als nach außen sichtbar wird. Die Planung beginnt schon bei der Frage, wie und wo der Gegner am besten attackiert wird, um den Ball zu erobern.

"Ziel ist es, möglichst schnell in des Gegners Hälfte zu kommen", sagt der Bundestrainer. Löw, der Klinsmanns Philosophie in die taktische Schulung der Spieler herunterbricht, hält es für günstiger, in der Mitte des Platzes an den Ball zu kommen. Das eröffnet der eigenen Mannschaften mehr Möglichkeiten, das Spiel fortzusetzen. An den Seitenlinien sind es meistens nur zwei: der Pass in die Mitte und der inzwischen geächtete Umweg über den Torwart.

Doch auch das Spiel nach vorn ist keine freie Improvisationskunst. "Gute Mannschaften erkennt man daran, wie viele Anspielmöglichkeiten der ballführende Spieler hat", erklärt Löw. Mannschaften, bei denen das Spiel ohne Ball funktioniert, heben sich positiv von der Masse ab. Die Bremer haben das in ihrem Meisterjahr so überzeugend praktiziert, dass manchmal der Eindruck entstanden ist, als hätten sie einen Spieler mehr auf dem Platz.

Solche Überlegenheit ist keine Frage der Begabung, sondern oft das Resultat harter Arbeit. "Wir müssen das Stehen aus den Köpfen kriegen. Bei Top-Teams kann man das gut beobachten", sagt Löw. "Da sprinten drei Spieler von dem ballführenden Mann weg, die den Ball gar nicht bekommen. Sie reißen nur eine Lücke für den vierten Spieler, der angespielt wird und das Tor macht." Diese Sprints im Höchsttempo dauern nur wenige Sekunden, im Laufe eines Spiels aber müssen sie je nach Bedarf beliebig oft wiederholt werden können. Ohne die entsprechende Ausdauer geht das nicht.

Was sonst passiert, war vor zwei Wochen im Spiel der Nationalelf gegen Bayern München zu beobachten. Die Spieler hatten ein paar freie Tage hinter sich und waren nicht austrainiert. "Andreas Hinkel hatte an der rechten Seite manchmal 20, 25 Meter um sich herum keine Anspielstation", sagt Löw. "Er hat den Ball sechsmal zu Jens Lehmann zurückgespielt. Sechsmal in zehn Minuten."

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