Borussia Dortmund Der BVB und die Mission Monaco

Laut Thomas Tuchel sind die Voraussetzungen für das zweite Duell mit Monaco ganz andere als beim Hinspiel. Der BVB-Coach glaubt, dass seine Mannschaft mit einem „besonderen Mannschaftsgeist aufgeladen“ ist.
Update: 19.04.2017 - 17:24 Uhr Kommentieren
Trainer Thoma Tuchel beschwört vor dem Rückspiel gegen Monaco den „besonderen Mannschaftsgeist“ seines Teams. Quelle: dpa
Borussia Dortmund

Trainer Thoma Tuchel beschwört vor dem Rückspiel gegen Monaco den „besonderen Mannschaftsgeist“ seines Teams.

(Foto: dpa)

Monaco /DortmundDas Hinspiel gegen den AS Monaco vor einer Woche wurde vom Sprengstoffattentat auf den Mannschaftsbus überschattet. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League am heutigen Mittwoch rückt das rein Sportliche wieder mehr in den Fokus.

Ausgangslage: Nach dem 2:3 im Hinspiel zu Hause steht der BVB unter Zugzwang. Ein Sieg mit zwei Toren Abstand beim heimstarken Tabellenführer der Ligue 1 garantiert den vierten Einzug der Borussia in das Halbfinale des Wettbewerbes. Doch die Statistik verheißt wenig Gutes. Nur zweimal gelang es einer Mannschaft nach einer Heimniederlage in der K.o.-Phase der Champions League noch eine Runde weiter zu kommen.

Stimmung: Anders als beim Hinspiel nur einen Tag nach dem Anschlag wirken alle Beteiligten zuversichtlich. Sowohl Trainer Thomas Tuchel als auch Angreifer Marco Reus glauben an das Halbfinale. Groß ist die Hoffnung, dass die schrecklichen Ereignisse der Gruppendynamik zuträglich waren. „Ich bin überzeugt, dass wir aus den letzten Wochen Kraft schöpfen können. Wir fühlen uns mit dem besonderen Mannschaftsgeist aufgeladen“, sagte Tuchel. Ähnlich sah es Reus: „Wir haben in den vergangenen Tagen einen besonderen Teamgeist entwickelt und wollen eine grandiose Leistung zeigen.“

Mit der deutschen Schlagzeile „Willkommen“ auf der Titelseite hat die monegassische Zeitung „Monaco-Matin“ die Dortmund im Fürstentum am Mittelmeer begrüßt. „Heute Abend geht es um Fußball, aber auch um Brüderlichkeit auf dem Spielfeld“, schrieb „Monaco-Matin“ am Mittwoch.

„Wir wurden wie Tiere behandelt und nicht wie Menschen“
„Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt. Die Uefa hat das in der Schweiz entschieden. Das hat sich nicht gut angefühlt Minuten nach diesem Sprengstoffanschlag. Wir hatten das Gefühl, behandelt zu werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen.“
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Thomas Tuchel, Trainer von Borussia Dortmund, kritisiert die rasche Neuansetzung der Partie. Bereist einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus musste das Team im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AS Monaco antreten.

„Wir haben das als sehr ohnmächtig empfunden. Wir stehen noch am Bus, Bartra wird weggefahren. Und du wirst informiert, dass die Uefa in Nyon entschieden hat. Das hat sich nicht gut angefühlt.“
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Thomas Tuchel, Trainer von Borussia Dortmund.

„Ich bin mir ziemlich sicher, wenn einer der Leute, die das entschieden haben, im Bus gesessen hätte, hätten sie die Partie nicht gespielt“
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Auch Ex-Borussia-Trainer Jürgen Klopp kritisiert die Neuansetzung des Spiels unmittelbar am nächsten Tag.

„Ich kenne die Straße genau. Viele meiner Freunde saßen im Bus. (...) Ich hatte wirklich Angst um sie.“
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Der jetzige Liverpool-Coach Klopp weiter gegenüber der Deutschen Presseagentur.

„Ich weiß, dass der Fußball wichtig ist. Wir lieben den Fußball, wir leiden beim Fußball und ich weiß, dass wir sehr viel Geld verdienen, ein privilegiertes Leben haben. Aber wir sind auch nur Menschen und es gibt sehr viel mehr als Fußball auf dieser Welt. Das haben wir vergangene Nacht gefühlt.“
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Nuri Sahin (2.v.r.), Spieler von Borussia Dortmund.

„Ich kann die Gesichter nicht vergessen. Ich werde ihre Blicke nie in meinem Leben vergessen können, ganz sicher. Als ich Marc (Bartra) sah, und Schmelles (Kapitän Marc Schmelzer) Gesicht. Unvorstellbar.“
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Nuri Sahin (l.), Spieler von Borussia Dortmund.

„Wir sind nicht gefragt worden. ich glaube, wir wären alle gerne gefragt worden. Weil es uns passiert – und nicht den Personen, die es im Büro entschieden haben.“
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Marcel Schmelzer (l.), Spieler von Borussia Dortmund.

Mittelfeldspieler Nuri Sahin will den Anschlag vom 11. April nicht verdrängen. „Ich packe das in eine Schublade. Und diese Schublade kann ich öffnen, aber auch schließen. Was passiert ist, das gehört jetzt zu mir und zu meinem Leben“, sagte der 28-Jährige dem am Donnerstag erscheinenden Magazin „Stern“. Jeder müsse seinen eigenen Weg finden. „Ich habe meinen inzwischen festgelegt. Ich will den Anschlag nicht verdrängen“, sagte Sahin.

Im ersten Moment des Sprengstoffanschlags auf den BVB-Bus vor dem Champions-League-Spiel gegen AS Monaco habe er an einen Steinwurf gedacht. „Deshalb habe ich auch nicht geschrien. Dann habe ich mich umgedreht und Marc gesehen, wie er geblutet hat. Und der Geruch, der kam auch, man hat gerochen, dass da etwas explodiert ist. Da dachte ich, das ist etwas Großes.“

Sahins Kollege Marc Bartra war durch die Explosion an Arm und Handgelenk verletzt und später operiert worden. Am vergangenen Samstag war der 26 Jahre alte spanische Verteidiger aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Sicherheit: Schon beim Abflug waren die Sicherheitsvorkehrungen beträchtlich. Begleitet von der Bundespolizei machte sich der Mannschaftsbus am Dienstag auf den Weg zum Dortmunder Flughafen. Zudem kontrollierte ein Polizeihubschrauber die Landebahn aus der Luft. Ähnlich ging es nach der Landung in Nizza zu. Der Bus für die Spieler wartete bereits neben der Landebahn. Dabei war viel Gendarmerie zu sehen. Im Stadion sollen die Kontrollen verstärkt werden.

Die monegassische Polizei bekommt für die Partie der Borussen extra Verstärkung aus Frankreich. 200 französische Bereitschaftspolizisten unterstützen die rund 150 Beamten des Fürstentums am Mittelmeer, sagte Richard Marangoni, Chef der Polizei von Monaco, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Sicherheitskräfte bewachen das Mannschaftshotel von Borussia Dortmund und sollen das Team auch auf dem Weg zum Stadion eskortieren. Zusätzlich sichern französische Beamte auch die Grenzen des Fürstentums.

Hoffnungsträger: Marco Reus gilt als Comeback-Spezialist. Gleich mehrfach stellte er bereits unter Beweis, dass er nach langer Zwangspause keine lange Anlaufzeit benötigt. So traf er beim 8:4 des BVB im Gruppenspiel gegen Legia Warschau am 22. November zwei Mal, obwohl er zuvor monatelang ausgefallen war. Auch am vergangenen Samstag beim 3:1 über Frankfurt schlug er gleich in seinem ersten Spiel nach sechswöchiger Pause eiskalt zu. „Ich fühle mich ausgezeichnet und bin froh, dass ich der Mannschaft wieder helfen kann“, sagte Reus.

Personal: Bis auf die Langzeitverletzten Mario Götze, André Schürrle und Sebastian Rode sowie den beim Anschlag auf den Teambus verletzten Marc Bartra stehen alle Profis zur Verfügung. Selbst Sven Bender, der am Samstag gegen Frankfurt wegen einer Oberschenkelverhärtung ausgewechselt werden musste, nahm am Dienstag in Monaco am Abschlusstraining teil.

Geld: Bei einem Einzug in das Halbfinale ist der Borussia eine zusätzliche Prämie in Höhe von 7,5 Millionen Euro sicher. Darüber hinaus würden der Revierclub weitere Einnahmen aus dem sogenannten Marktpool und aus einem weiteren Heimspiel generieren. Im bisherigen Verlauf des Wettbewerb flossen bereits geschätzte gute 50 Millionen Euro in die Vereinskasse.

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