Borussia Dortmund Nicht grübeln, spielen!

Keine Statements, keine Interviews – auf dem Weg nach Monaco gingen die BVB-Profis dem Medienrummel aus dem Weg. Schließlich lässt der Terminplan ohnehin kaum Zeit, nach dem Anschlag zur Besinnung zu kommen.
Update: 18.04.2017 - 14:03 Uhr Kommentieren
Nach der Heimniederlage gegen den AS Monaco spricht nur wenig für ein Weiterkommen des BVBs. Quelle: AP
Borussia Dortmund

Nach der Heimniederlage gegen den AS Monaco spricht nur wenig für ein Weiterkommen des BVBs.

(Foto: AP)

MonacoTorhüter Roman Bürki schreckt „nachts noch immer auf“, und auch bei Kapitän Marcel Schmelzer „ist das Gefühl leider nicht viel besser geworden“. Eine Woche nach dem Sprengstoffanschlag auf den Teambus bereitet es den Dortmunder Profis weiterhin Probleme, das Trauma zu verarbeiten. Viel Zeit dazu bleibt nicht. Schon am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky) steht im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League beim AS Monaco die bereits dritte Partie seit dem Attentat, bei dem Innenverteidiger Marc Bartra schwer verletzt wurde, an.

Für Keeper Bürki hat das auch Vorteile. „Es ist gut, dass wir einen so engen Spielplan haben und ich nicht auf der Couch sitzen und immer daran denken muss, was passiert ist“, sagte er der „Bild“. Aus Rücksicht auf die angeschlagene Psyche werden die Profis jenseits des Rasens entlastet. Anders als sonst stand beim Abflug der Mannschaft am Dienstagvormittag von Dortmund nach Nizza kein Spieler für Interviews zur Verfügung. Die Statements gaben Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc.

„Die Mannschaft hat in der vergangenen Woche Außergewöhnliches geleistet. Das gibt ihr Kraft“, sagte Watzke. Zorc verwies darauf, dass es wieder „in den Alltag, die Normalität“ ginge. „Aber wir haben keine Erwartungshaltung an die Mannschaft“, betonte er. Die Verantwortlichen gaben sich hinsichtlich der Aussichten, trotz des 2:3 im Hinspiel zum insgesamt vierten Mal das Halbfinale der europäischen Königsklasse zu erreichen, als Realisten, vertrauten aber auch dem Potenzial der Borussia. „Wir sind keine Träumer. Wir wissen, dass die Chance klein ist - aber es gibt eine“, sagte Watzke.

Der freie Ostersonntag gab den Profis nach den aufwühlenden Erlebnissen etwas Gelegenheit, zur Besinnung zu kommen und Gespräche im Kreise der Familie zu führen. Das lässt Trainer Thomas Tuchel hoffen, „dass man sich irgendwann wieder traut, über Fußball zu reden“.

„Wir wurden wie Tiere behandelt und nicht wie Menschen“
„Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt. Die Uefa hat das in der Schweiz entschieden. Das hat sich nicht gut angefühlt Minuten nach diesem Sprengstoffanschlag. Wir hatten das Gefühl, behandelt zu werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen.“
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Thomas Tuchel, Trainer von Borussia Dortmund, kritisiert die rasche Neuansetzung der Partie. Bereist einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus musste das Team im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AS Monaco antreten.

„Wir haben das als sehr ohnmächtig empfunden. Wir stehen noch am Bus, Bartra wird weggefahren. Und du wirst informiert, dass die Uefa in Nyon entschieden hat. Das hat sich nicht gut angefühlt.“
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Thomas Tuchel, Trainer von Borussia Dortmund.

„Ich bin mir ziemlich sicher, wenn einer der Leute, die das entschieden haben, im Bus gesessen hätte, hätten sie die Partie nicht gespielt“
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Auch Ex-Borussia-Trainer Jürgen Klopp kritisiert die Neuansetzung des Spiels unmittelbar am nächsten Tag.

„Ich kenne die Straße genau. Viele meiner Freunde saßen im Bus. (...) Ich hatte wirklich Angst um sie.“
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Der jetzige Liverpool-Coach Klopp weiter gegenüber der Deutschen Presseagentur.

„Ich weiß, dass der Fußball wichtig ist. Wir lieben den Fußball, wir leiden beim Fußball und ich weiß, dass wir sehr viel Geld verdienen, ein privilegiertes Leben haben. Aber wir sind auch nur Menschen und es gibt sehr viel mehr als Fußball auf dieser Welt. Das haben wir vergangene Nacht gefühlt.“
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Nuri Sahin (2.v.r.), Spieler von Borussia Dortmund.

„Ich kann die Gesichter nicht vergessen. Ich werde ihre Blicke nie in meinem Leben vergessen können, ganz sicher. Als ich Marc (Bartra) sah, und Schmelles (Kapitän Marc Schmelzer) Gesicht. Unvorstellbar.“
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Nuri Sahin (l.), Spieler von Borussia Dortmund.

„Wir sind nicht gefragt worden. ich glaube, wir wären alle gerne gefragt worden. Weil es uns passiert – und nicht den Personen, die es im Büro entschieden haben.“
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Marcel Schmelzer (l.), Spieler von Borussia Dortmund.

Große Hoffnungen setzen die Dortmunder in Marco Reus, der im Hinspiel noch gefehlt hatte. Wie wichtig der Nationalstürmer für den Bundesligavierten ist, stellte er bei seinem 45-minütigen Comeback im Spiel gegen Eintracht Frankfurt (3:1) unter Beweis. Reus belebte das Dortmunder Angriffsspiel nicht nur wegen seines sehenswerten frühen Treffers.

Im gut 18.500 Zuschauer fassenden Stade Louis II soll der nach sechswöchiger Zwangspause von einem Muskelfaserriss genesene Führungsspieler wenn möglich über die komplette Spielzeit zum Einsatz kommen. Schon einmal feierte Reus nach langer Verletzungspause ein glänzendes Comeback in der Champions League. Beim 8:4-Gruppensieg über Warschau erzielte er zwei Treffer und bereitete zwei weitere vor. „Marco ist ein Frühstarter“, schwärmte Zorc im „Kicker“, „er kann das einfach.“

Übermächtig ist der Gegner nicht. Nur mit Mühe gewann das Team von Trainer Leonardo Jardim die Generalprobe gegen Aufsteiger Dijon 2:1. Erst die Einwechslung von Kapitän Radamel Falcao brachte die Wende. Damit kann Monaco weiter auf den ersten französischen Meistertitel seit 2000 hoffen. Zudem gewann der Tabellenführer der Ligue 1 im laufenden Wettbewerb fünf seiner sechs Heimspiele. Nur Bayer Leverkusen gelang ein 1:1.

Das 2:3 im Hinspiel senkt die Chance auf den insgesamt vierten Halbfinaleinzug des Revierclubs beträchtlich. Ein Erfolg im Fürstentum könnte helfen, schneller zurück zur Leichtigkeit zu finden. Doch der Borussia steht eine Herkulesaufgabe bevor. Nur zweimal in der Champions-League-Geschichte gelang es einem Team, nach einer Heimniederlage in der K.o.-Runde noch weiterzukommen.

Im Achtelfinale 2010/11 war der FC Bayern München Leidtragender, als er gegen Inter Mailand trotz eines 1:0-Erfolgs in Italien vor eigener Kulisse mit 2:3 unterlag. Im Halbfinale 1995/96 wendete Ajax Amsterdam nach einem 0:1 daheim das drohende Aus dank eines 3:0-Auswärtsieges bei Panathinaikos Athen noch ab.

Auch die Dortmunder Statistik verheißt wenig Gutes. Bei insgesamt sechs Duellen in Uefa-Wettbewerben, in denen der BVB das Hinspiel zuhause verlor, folgte am Ende auch der Knockout. Beim letzten Mal – in der ersten Runde des UEFA-Pokals 2008/09 – war der BVB jedoch kurz davor, das Blatt noch zu wenden. Dem 0:2 in Dortmund folgte ein 2:0 bei Udinese Calcio. Im Elfmeterschießen unterlag der BVB den Italienern aber mit 3:4.

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  • dpa
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