Brasilien-Trainer Steueraffäre könnte Felipe Scolari in den Knast bringen

Felipe Scolari steht für die Hoffnung auf Brasiliens sechsten WM-Titel, doch einen Monat vor Turnierbeginn steht der Nationalcoach im Verdacht des Steuerbetrugs. Ihm drohen bis zu 17 Jahre Haft.
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„Felipao“, der „Große Philipp“, wie Scolari in seiner Heimat liebevoll genannt wird, beteuert seine Unschuld. Quelle: Reuters

„Felipao“, der „Große Philipp“, wie Scolari in seiner Heimat liebevoll genannt wird, beteuert seine Unschuld.

(Foto: Reuters)

Lissabon/São PauloDicker Ärger für Brasilien-Trainer Luiz Felipe Scolari: Nur einen Monat vor Beginn der Fußball-WM gerät der Coach des Gastgebers wegen seiner privaten Finanzen in schlimme Bedrängnis. Die zuständigen Behörden in Portugal bestätigten am Mittwoch Medienberichte, wonach gegen den 65-Jährigen wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche ermittelt wird. Die Staatsanwaltschaft in Lissabon teilte mit, sie habe im Rahmen laufender Untersuchungen die Kooperation der Behörden in den USA, Großbritannien, Brasilien und den Niederlanden beantragt.

Den Medienberichten zufolge steht Scolari im Verdacht, während seiner Zeit als Trainer der Nationalelf von Portugal zwischen 2003 und 2008 dem portugiesischen Fiskus Einnahmen in Höhe von mehr als sieben Millionen Euro vorenthalten zu haben. Es gehe dabei um Einkünfte aus Vermarktungsrechten, hieß es. Für die genannten Vergehen droht in Portugal eine Haftstrafe von insgesamt bis zu 17 Jahren.

Vor der Mitteilung der portugiesischen Behörden hatte Scolari die Medienberichte dementiert. „Ich habe meine Steuererklärungen alle korrekt gemacht“, ließ er der brasilianischen Zeitung „Folha de S.Paulo“ am Dienstagabend (Ortszeit) auf Anfrage durch einen Sprecher mitteilen. Das Blatt hatte zuvor unter Berufung auf das auf internationalen Steuerbetrug spezialisierte und als seriös geltende Portal „OffshoreAlert“ berichtet, dass im US-Staat Florida die Staatsanwaltschaft bereits verdächtige Banküberweisungen Scolaris in Millionenhöhe untersuche.

Der für Südflorida zuständige Staatsanwalt Wilfredo Ferrer habe schon einen ersten ausführlichen Bericht verfasst, in dem unter anderem auch Scolaris Sohn Leonardo erwähnt werde, und Anfang Mai die Eröffnung von Strafermittlungen eingeleitet. „OffshoreAlert“ schrieb, in den Fall seien unter anderen Unternehmen auf den Bahamas, den Britischen Jungferninseln, aus Großbritannien und den Niederlanden verwickelt.

„Felipão“, der „Große Philipp“, wie Scolari in seiner Heimat liebevoll genannt wird, beteuerte seine Unschuld: „In allen Ländern, in denen ich gearbeitet habe, habe ich meine Einnahmen versteuert. Ich bin von der Korrektheit meiner Erklärungen völlig überzeugt. Wenn es etwas Unkorrektes gibt, habe ich nichts damit zu tun. Die Justiz soll alle Fakten ermitteln“, so der Coach via E-Mail.

Auf die Fragen von „Folha de S.Paulo“, ob er Beziehungen zu verschiedenen von „OffshoreAlert“ genannten Finanzinstituten und Firmen habe oder gehabt habe, und welche Rolle sein Sohn spiele, antwortete der Coach nicht.

Nachdem er Brasilien 2002 in Südkorea und Japan durch einen 2:0-Finalsieg über Deutschland zum fünften WM-Titelgewinn geführt hatte, hatte der Disziplinfanatiker Scolari zwischen 2003 und 2008 erfolgreich als Trainer der portugiesischen Nationalmannschaft gearbeitet. Mit den „Lusos“ wurde er bei der EURO 2004 vor eigenem Publikum Zweiter. Bei der WM 2006 in Deutschland errang Portugal den vierten Platz und bei der EURO 2008 führte Scolari seine Kicker bis ins Viertelfinale.

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Wann und wo geht's los?

Genau hier wird am 12. Juni 2014 die 20. Fußballweltmeisterschaft mit der Partie zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien angepfiffen. Die Corinthians Arena in São Paulo wird allerdings „nicht vor dem 15. Mai“ fertig sein, wie WM-Chefplaner und Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke am vergangenen Wochenende einräumen musste. Zuletzt war die Fifa von einer Fertigstellung Mitte April ausgegangen. Eine maßgebliche Ursache für die Verzögerung war ein Unfall mit einem Baukran im November, bei dem zwei Arbeiter getötet wurden. Weitere drei Gruppenspiele, ein Achtel- und ein Halbfinal stehen in der Millionen-Metropole auf dem Spielplan. Wie in São Paulo wird auch das WM-Stadion in Curitiba – die Arena da Baixada – erst rund einen Monat vor Turnierbeginn fertig sein. In insgesamt zwölf brasilianischen Städten wird gespielt, das Finale findet am 13. Juli 2014 im berühmten Stadion Maracanã in Rio de Janeiro statt.

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Welche Teams sind dabei?

Insgesamt kämpfen 32 Mannschaften werden um den Weltmeistertitel 2014 in Brasilien. Qualifiziert haben sich neben Deutschland, dem gesetzten Gastgeber Brasilien und den Fußballnationen Italien, Spanien, England und Argentinien folgende Teams: Japan, Australien, Iran, Südkorea, die Niederlande, die USA, Costa Rica, Belgien, die Schweiz, Kolumbien, Russland, Bosnien-Herzergowina, Honduras, Chile, Ecuador, Griechenland, Portugal, Frankreich, Kroatien, Uruguay, Mexiko, Nigeria, die Elfenbeinküste, Kamerun, Ghana und Algerien.

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Wie wird gespielt?

Der Turnier-Modus funktioniert wie gehabt: 32 Mannschaften werden in acht Vorrundengruppen à vier Teams aufgeteilt. Die besten beiden Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Achtelfinale – die Tordifferenz ist bei Punktgleichheit erster entscheidender Faktor, nicht der direkte Vergleich. Ab der K.o.-Phase (Achtelfinale bis Finale) werden die Spiele notfalls nach Verlängerung und im Elfmeterschießen entschieden.

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Wann wird angepfiffen?

Je nach Spielort liegt die Brasilien-Zeit fünf bzw. sechs Stunden hinter der Mitteleuropäischen Sommerzeit. Bei der Spielplangestaltung hat die Fifa dem starken europäischen TV-Markt Rechnung getragen. 18 Gruppenspiele beginnen um 18 Uhr MESZ, zehn um 21 Uhr bzw. um Mitternacht, neun um 22 Uhr und eins um 3 Uhr. Achtel- und Viertelfinals werden um 18 bzw. 22 Uhr gespielt, beide Halbfinals und das Spiel um Platz drei um 22 Uhr und das Finale um 21 Uhr.

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Was kostet der Spaß?

Neben hoffentlich schönem Fußball erwartet die Fans wohl auch ein nicht unbedingt günstiges Turnier. Zusätzlich ist Brasilien nicht ganz ungefährlich. Flugtickets sind schon jetzt teuer. Direktflüge von Frankfurt nach Rio hin und zurück kosten schon jetzt etwa 1200 Euro aufwärts. Hinzu kommen möglicherweise weitere hohe Reisekosten innerhalb Brasiliens. Zwischen Porto Alegre im Süden und Fortaleza im Nordwesten bzw. Manaus im Westen liegen jeweils über 3000 Kilometer Luftlinie – die realistischerweise nur mit dem Flugzeug zu bewältigen sind.

Training deutsche Fußball-Nationalmannschaft
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Wann und wo spielt das deutsche Team?

Das Team von Jogi Löw ist in Gruppe G, gemeinsam mit Portugal, Ghana und den USA. Das erste Spiel bestreitet es am Montag, 16. Juni, in Salvador gegen Portugal (Anstoß 18 Uhr). Am Samstag, 21. Juni, trifft die Nationalmannschaft in Fortaleza auf Ghana (Anstoß 21 Uhr) und am Donnerstag, 26. Juni, spielen die Deutschen in Recife gegen die USA (Anstoß 18 Uhr). Schließen die Deutschen die Vorrunde als Erster ab, bestreiten sie das Achtelfinale am Montag, 30. Juni, in Porto Alegre gegen den Zweiten der Gruppe H (Russland, Belgien, Algerien, Südkorea). Werden sie Gruppenzweiter, spielen sie am Dienstag, 1. Juli, in Salvador gegen den Sieger der Gruppe H. Anstoß der Achtelfinals ist jeweils um 22 Uhr.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Brasilien-Trainer: Steueraffäre könnte Felipe Scolari in den Knast bringen"

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  • Dann muss er halt Weltmeister werden. Wenn nicht gibt es halt ein paar extra Jahre.

  • Dann muss er eben Weltmeister werden. Dann wird alles gut, wenn nicht gibt es halt ein paar Jahre extra. So ist halt das Leben

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