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Bundesliga, 18. Spieltag Gladbach schießt Bayern 3:1 ab

Borussia Mönchengladbach ist zum Titelanwärter mutiert. Die „Fohlen“ besiegten den FC Bayern München mit 3:1 (2:0) und weckten Erinnerungen an die goldenen 70er-Jahre. Und das gelang mit typischen Bazi-Mitteln.
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Die Matchwinner: Marco Reus und Patrick Herrmann feiern den Sieg gegen Bayern München. Quelle: dapd

Die Matchwinner: Marco Reus und Patrick Herrmann feiern den Sieg gegen Bayern München.

(Foto: dapd)

MönchengladbachManchmal wiederholt sich Geschichte auch im Fußball: Wie schon zum Start der Hinrunde schockte Borussia Mönchengladbach auch beim ersten Auftritt in der Rückserie den FC Bayern München. Die „Fohlen“ gewannen gegen den Rekordmeister dank einer starken Defensivleistung und höchster Effektivität im Abschluss mit 3:1 (2:0). Überragende Akteure waren Marco Reus und Patrick Herrmann. Doch der Reihe nach.

Der Respekt der Bayern vor dem Überraschungsteam vom Niederrhein war groß, zumal den Gladbachern im Hinspiel ein spektakulärer 1:0-Erfolg gelang, aber das Selbstbewusstsein des Meisterschaftsfavoriten war noch größer. „Wenn wir so spielen, wie zeitweise in der Vorrunde, wird es schwer, uns zu stoppen. Wir wollen gewinnen und eine Serie starten“, forderte Bastian Schweinsteiger, der nach mehr als zweimonatiger Verletzungspause ins Team zurückkehrte. Dafür müssen die Bayern allerdings den gesperrten Franck Ribéry ersetzen. Toni Kroos spielte links, Thomas Müller zentral und Arjen Robben auf rechts.

Die 54.047 Zuschauer waren vor der Partie guter Hoffnung, nach mehr als sieben Jahren mal wieder einen Sieg gegen die Bayern im eigenen Stadion landen zu können. Ihr besonderes Augenmerk galt dem Shootingstar Reus, der vor kurzem seinen Wechsel zu Borussia Dortmund verkündet hatte. Verzichten musste Gladbach auf seinen Abwehrchef Dante wegen einer Gelbsperre. Dem Siegtorschützen aus dem Hinspiel, Igor de Camargo, blieb zunächst nur ein Platz auf der Bank.

Die Stimmung war schon beim Einlaufen der Teams phantastisch. Die Gastgeber, die vor der Partie mit 33 Punkten nur vier Zähler hinter den Bayern lagen, hatten nach der besten Hinrunde seit 35 Jahren Erwartungen im Umfeld geschürt. Die Aussichten für die Borussen, erstmals nach 16 Jahren wieder ins internationale Geschäft einzuziehen, sind groß. Und vor allem hatten beide Fanlager dem Rückrundenauftakt seit Wochen entgegengefiebert.

Trotz der langen Pause begann die Partie mit durchaus ansehnlichen Ballstafetten. Die Bayern bemühten sich in der gewohnten Manier um die Kontrolle. Doch die Gastgeber zeigten ebenfalls frühzeitig in Ansätzen, dass sie gefährliche Konter spielen können. Zudem mauerte sich Gladbach bei weitem nicht so ein wie in der Hinrunde.

Bayern machen wenig aus ihrem Ballbesitz

Und dann die elfte Minute: Wie schon im Hinspiel ein unfassbarer Fehler von Manuel Neuer. Völlig ohne Not schoss er den Ball nicht weit nach vorne, sondern versuchte in Bedrängnis Daniel van Buyten anzuspielen. Doch der Pass misslang gründlich, landete genau bei Marco Reus und der zog gedankenschnell und präzise aus rund 30 Metern ab.

Die Bayern reagierten alles andere als geschockt. Nach schöner Flanke von Arjen Robben kam Mario Gomez zum Kopfball, doch Gladbachs Torwarte Marc-Andre ter Stegen, gerade zum Borussen der Hinrunde gewählt, parierte glänzend (14. Minute). Es entwickelte sich ein schönes Fußballspiel. Die Bayern spielten phasenweise gut durchdachte Angriffe, aber die Borussia verteidigte sehr geschickt – und stellte vor allem die Abseitsfalle sehr effizient.

So gelang es den „Fohlen“, sich dem phasenweise starkem Passspiel der Münchener immer wieder zu entziehen und der Abwehr Pausen zu gönnen. Dennoch kamen die Bayern zu Gelegenheiten: In der 23. Minute hatte Gomez zwei gefährliche Ansätze, doch wie so oft in dieser Phase fehlten ein paar Zentimeter. Wenig später verzog Tymoshchuk aus 17 Metern.

Die Münchener machten vieles richtig, doch perfekt war ihr Spiel bei weitem nicht. Und die starke Borussen-Defensive verzieh nicht den kleinsten Fehler bei der Ballannahme oder auch die geringste Ungenauigkeit beim Passen. So verlegten sich die Bayern auch auf Fernschüsse. Sowohl bei Tymoshchuks Versuch (34.) als auch bei Schweinsteigers Hammer (40.) hatte ter Stegen einige Mühe.

Die Entlastungsangriffe stellte die Borussia nach rund 20 Minuten weitgehend ein. Hinterherlaufen hieß die Devise – und hinten dicht machen. Dabei wirkten bei den Gästen vor allem van Buyten und Boateng alles andere als sicher.

So fiel das 2:0 in der 41. Minute nicht nur aus heiterem Himmel, sondern war auch recht unverdient: Robben verlor den Ball nach hartem, aber regelgerechtem Zweikampf, Mike Hanke schickte von links mit einem genialen Diagonalpass Patrick Hermann auf die Reise und der ließ Manuel Neuer keine Chance.

Wenig später hätte Hanke sogar auf 3:0 erhöhen können, aber sein Schuss ging knapp am Kasten vorbei. Die Bayern wirkten nun geschockt. In dieser Hinsicht war es für die Münchener wohl gut, dass der gute Schiedsrichter Kinhöfer pünktlich zur Halbzeit pfiff.

Die zweite Halbzeit startete wenig überraschend mit feldüberlegenen Münchenern,  aber sie machten aus ihrem Ballbesitz erneut recht wenig. Im Gegenteil: Die erste nennenswerte Aktion hatten die Gastgeber, doch bei einem aussichtsreichen Konter misslang Reus der finale Pass (49.).

Danach plätscherte die Partie so ein wenig dahin. Der Rekordmeister rannte an, kam aber lange nicht nennenswert zum Abschluss. Die Truppe wirkte in dieser Aufstellung zu wenig eingespielt, um die konzentrierte Gladbacher Verteidigung überraschen zu können. Dazu gesellten sich immer mehr Flüchtigkeitsfehler. Die Überraschungsimpulse eines Frank Ribery fehlten nun mehr denn je.

Es siegte die effektivere Elf

Etwas besser wurde das Spiel der Münchener nach rund einer Stunde auch durch einen taktischen Kniff von Trainer Jupp Heynckes. Er nahm den gar nicht mal so schwachen Tymochshuk vom Feld und brachte dafür Alaba. Der junge Österreicher rückte auf die linke Seite, dafür sollte Toni Kroos das Spiel im Zentrum ankurbeln.

Die Borussen standen nun immer tiefer und hatten einige Male auch das Glück des Tüchtigen. Doch da gab es eben auch immer wieder diese genialen Momente eines Marco Reus. Dem gelang eine schlichtweg geniale Vorarbeit, mit der er die gesamte Bayern-Abwehr narrte. Patrick Herrmann hatte keine Mühe, Manuel Neuer zu umkurven und einzuschieben (71.).

Im Gegenzug verpasste Kroos die beste Gelegenheit für die Bayern in der zweiten Halbzeit. Aus bester Lage verzog er um mehrere Meter. So blieb es dabei, dass bei den Münchenern einfach der Wurm drin war. Schweinsteiger erzwang noch mit blanker Entschlossenheit und etwas Glück das 3:1. das nach einer Ecke aus dem Gewühl heraus fiel. Und das muss man den Münchenern lassen: Die Körpersprache deutete ganz und gar nicht darauf hin, dass sie sich aufgaben.

So war es weiter ein äußerst munteres Spiel, auch weil Gladbach immer wieder den Konter suchte. Gomez hatte in der 79. Minute eine weitere gute Möglichkeit, doch sein Flugkopfball ging knapp am linken Pfosten vorbei. Es folgten weitere wütende Angriffe, aber die Borussen verteidigten mit allem, was sie hatten. In der 85. Minute hätten die Bayern das 3:2 machen müssen – doch wieder konnte Borussias Innenverteidigung klären. Eine Minute später prüfte Robben – ja, der spielte noch mit – aus spitzem Winkel ter Stegen. Die Zeit lief unerbittlich davon. Und von einigen Fernschüssen abgesehen passierte dann auch nicht mehr viel.

So siegte nicht die Mannschaft, die mehr Ballbesitz hatte und die Kugel schöner zirkulieren ließ, sondern die effektivere Elf – und vor allem die mit der besseren Defensivleistung. Das 1:0 aus dem Nichts war wohl der entscheidende Moment. Manuel Neuer wird dem nächsten Spiel gegen Gladbach wohl nicht allzu sehr entgegenfiebern.

Und seine Vorderleute müssen sich vorwerfen lassen, die Gladbacher Konter mehrfach schlecht verteidigt zu haben und vor dem gegnerischen Tor einfach zu uneffektiv gewesen zu sein. Der Einsatz stimmte durchaus, aber in puncto Entschlossenheit konnte der Rekordmeister mit der Borussia nicht mithalten.

Und die ist nun bis auf einen Punkt an den Münchener heran. Von Borussia Dortmund und Schalke 04 mal abgesehen darf man die Gladbacher in dieser Form und mit diesem Selbstvertrauen derzeit durchaus als Titelanwärter bezeichnen. Das klingt allzu phantastisch angesichts der Tatsache, dass praktisch dieselbe Truppe vor einem Jahr so gut wie abgestiegen war.

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