Champions League Die Anti-Bayern aus Porto

Junge Talente, schnelle Stürmer und ein kaum beachtetes Wirtschaftswunder: Der FC Porto ist der kleinste unter den ganz großen Vereinen in Europa. Trotzdem kommt er regelmäßig ganz weit in Europa. Warum?
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Portos Danilo feiert seinen Treffer mit Hector Herrera im Spiel gegen den Rio Ave FC am vergangenen Wochenende. Quelle: AFP
Der vierarmige Jubel

Portos Danilo feiert seinen Treffer mit Hector Herrera im Spiel gegen den Rio Ave FC am vergangenen Wochenende.

(Foto: AFP)

DüsseldorfTraum-Los wider Willen: Nach der Auslosung für das Viertelfinale der UEFA Champions League sprachen Kommentatoren von einem Traum-Los für den FC Bayern. Der FC Porto galt als vermeintlich einfachster Gegner für die Münchener. Das stimmt allerdings nur bedingt: Denn der FC Porto ist Stammgast in der Königsklasse und hat erfrischend wenig zu verlieren. Warum auch, bei einer blutjungen Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 24 Jahren?!

Denn den Spielern des FC Porto ist die große Bühne gerade recht. Die Königsklasse ist für sie das Schaufenster der Fußballwelt, in dem sie die Puppen sind. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass beim FC Porto ein Kronjuwel heranreift. Denn trotz zahlreicher Titel auf nationaler und internationaler Ebene ist der FC Porto ein Ausbildungsverein.

Die Verantwortlichen des Traditionsvereins haben ein besonderes Händchen für Talente. Für geringe Summen kaufen sie vor allem Nachwuchsspieler aus dem eigenen Land und aus Südamerika.

Das hat Tradition: Als viele portugiesische Profis in den 1970er-Jahren dem Ruf des Geldes folgten und in andere Länder Europas wechselten, begann Porto, die Lücken mit Spielern aus Lateinamerika zu füllen – insbesondere aus Brasilien. Wegen der gemeinsamen Sprache fällt die Integration nicht schwer.

Diese Vorgehensweise haben sie beim FC Porto professionalisiert. Mehrere hunderte Scouts sollen für den Verein durch die Welt reisen. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Was Transfers angeht, ist der FC Porto eine Festung. Bei ungemütlichen Fragen wird die Zugbrücke hochgezogen und das geht in der nordportugiesischen Hafenstadt ganz einfach: Das Trainingsgelände des Vereins liegt auf der anderen Seite des Flusses Douro. Nicht einmal die Fans haben Zutritt.

Der FC Porto will mit dieser restriktiven Politik genau eines erreichen: Die jungen Talente sollen behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden und sich im vergleichsweise unaufgeregten Ligabetrieb Portugals zu kompletten Spielern entwickeln. Das Trainingsgelände wird so zum Forschungszentrum.

Elf legendäre Niederlagen und eine ganz bittere
1973: 1. FC Kaiserslautern 4:7
1 von 12

Eines der legendärsten Spiele auf dem Betzenberg in Kaiserslautern trägt sich am 29. Oktober 1973 zu. Die Bayern führen bereits mit 3:0 beziehungsweise 4:1. Doch Klaus Toppmöller (vorne links) und Co. interessiert der Rückstand nur rudimentär. Der FCK erzielt noch sagenhafte sechs Tore. Die Bayern sind blamiert – und der Mythos der Roten Teufel entsteht.

1976: Schalke 04 0:7
2 von 12

Die Weltmeister Franz Beckenbauer und Sepp Maier staunen nicht schlecht, als Klaus Fischer am 9. Oktober 1976 im Olympiastadion eines seiner vier Tore erzielt. Das 0:7 gegen Schalke bis heute ist die höchste Heimpleite des FC Bayern und gleichzeitig der höchste Sieg der Königsblauen. Trockener Kommentar des einstigen Schalke-Präsidenten Günter Siebert: „Heute haben wir die Alpen verschoben.“

1977: TSV 1860 München 1:3
3 von 12

In der Saison 1977/78 gelingt dem blau-weißen Stadtrivalen bis zum 14. Spieltag kein Sieg. Dann geht's ausgerechnet gegen die Bayern. In der Schlussminute wird es hektisch. Beim Stand von 2:1 für die 60er wird Beppo Hofeditz im Strafraum von Karl-Heinz Rummenigge gefoult. Rummenigge ist derart frustriert, dass er seinem Gegenspieler eine Ohrfeige verpasst und Rot sieht. Der Elfmeter ist drin, 1860 gewinnt das erste Saisonspiel.

1979: Arminia Bielefeld 0:4
4 von 12

Am 10. März 1979 um 15.30 Uhr beginnt vor gerade einmal 11.000 Zuschauern im Olympiastadion ein Spiel, das dem damaligen Bayern-Trainer-Pal Csernai nachhaltig in Erinnerung blieb. Norbert Eilenfeldt schießt die ersten beiden Tore (18. und 23.), Volker Graul (51.) und Helmut Schröder (63.) tun es ihm gleich. Die Ostwestfalen feiern, die Bayern dagegen haben sich blamiert.

1982: Aston Villa 0:1
5 von 12

Münchens Abwehrspieler Hans Weiner erhebt sich – und scheitert. Nach drei Siegen in drei Finals wollen die Bayern 1982 auch Aston Villa erlegen. Die Münchener mit dem Sturmduo Karl-Heinz Rummenigge und Dieter Hoeneß dominieren zwar das Spiel - verlieren aber trotzdem. Das einzige, gleichwohl siegbringende Tor erzielt Peter Withe, weshalb die Bayern erstmals in einem Landesmeister-Finale scheitern. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein.

1987: FC Porto 1:2
6 von 12

Porto? Da war doch was. Im Finale des Europapokals der Landesmeister erleben Lothar Matthäus und Co. 1987 eine ihrer schwärzesten Stunden in der Club-Historie. Nach dem 1:0 durch „Wiggerl“ Kögl zerstören der Algerier Madjer mit der Hacke und der brasilianische Joker Juary innerhalb von nur 180 Sekunden den Münchner Traum vom vierten Landesmeister-Triumph.

1994: TSV Vestenbergsgreuth 0:1
7 von 12

Oliver Kahn schaut verdutzt drein, Roland Stein dreht jubelnd ab. Es ist die wohl peinlichste Schmach des Rekordmeisters in der Vereinshistorie. Eine Amateurmannschaft aus Mittelfranken fordert im August 1994 Millionarios wie Lothar Matthäus, Adolfo Valencia und Jean-Pierre Papin heraus und profitieren von deren unglaublicher Lustlosigkeit. Roland Stein verewigt sich in der 43. Minute in den Vereinsannalen des TSV Vestenbergsgreuth mit seinem Treffer des Tages.

Dann kommt das Geschäftliche: kaufen, veredeln, kostspielig weiterverkaufen. Die Nachwuchsspieler beim FC Porto werden wie reife Äpfel geerntet und für große Summen an zahlungskräftige Spitzenklubs transferiert.

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