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Champions League Juve träumt vom Titel

Ein Fußball-Klub im Höhenflug – sportlich wie wirtschaftlich: Juventus Turin muss Monaco besiegen und wäre im Finale der Champions League. Nicht nur die Fans freuen sich, auch die Aktionäre. Italien im Fußballfieber.
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Juventus-Torhüter Gianluigi Buffon hat die Champions League noch nicht gewonnen. In diesem Jahr soll es klappen. Quelle: AFP
Gianluigi Buffon

Juventus-Torhüter Gianluigi Buffon hat die Champions League noch nicht gewonnen. In diesem Jahr soll es klappen.

(Foto: AFP)

Rom Der Torwart hat das Erfolgsgeheimnis gelüftet, einen Tag vor dem Spiel: „Zwischen uns herrscht Empathie, das ist ganz wichtig”, sagte Gianluigi Buffon, genannt „Gigi“, in einem Interview. Und weiter: „Wir kennen uns schon so lange, wir schätzen uns.” Außerhalb des Spielfelds würde er aber seine Kollegen wenig sehen, da habe er sein eigenes Leben, meinte der 39jährige, der auch Nationaltorwart ist.

Zum Seelenzustand kommt noch die Fußballtechnik als Erklärung: „Es gibt in Europa keine bessere Verteidigung als wir sie haben“, so Buffon. Von wegen einfach zumachen so wie früher. „Beim Hin- und auch beim Rückspiel gegen Barcelona haben wir nie Catenaccio gespielt.” Catenaccio, das war die italienische Unart, vor dem eigenen Tor zu stehen statt nach vorne zu spielen.

Juventus-Spieler Paulo Dybala trainiert vor der ersten Runde des Halbfinales in der Champions League gegen Monaco. Quelle: dpa
Juventus Turin

Juventus-Spieler Paulo Dybala trainiert vor der ersten Runde des Halbfinales in der Champions League gegen Monaco.

(Foto: dpa)

Wehmütig äußerte sich Andrea Pirlo, der große Star im Ruhestand: „Juve ist die stärkste Mannschaft in Italien. Wie fehlt mir doch die Campions League!“ Und der deutsche Weltmeister Sami Khedira meinte über den Erfolg seines Teams: „Extreme Erfolge, große Spieler, eine riesige Tradition. Aktuell stehen wir für harte Arbeit und auch für Erfolg.“ Wegen einer Sperre ist er im Hinspiel nicht dabei.

Wenn Juventus Turin um 20.45 Uhr gegen die Monegassen im Halbfinale der Champions League antritt, ist ganz Italien im Fieber. Denn wie bei Bayern München sind die Juve-Fans nicht nur in Turin zu finden, sondern im ganzen Land, vor allem im Süden. Wenn die „Alte Dame“ gewinnt und im Finale dann auch noch, hätten sie endlich die Champions League gewonnen, den wichtigsten Titel im Klub-Fußball.

Nicht nur das: Auch das Triple ist zum Greifen nahe. Zuhause in Italien, in der Serie A, kann den Turinern keiner mehr die Meisterschaft verwehren, es wäre der sechste Titel in Folge. Fehlt nur noch das Cup-Finale gegen Lazio Rom, aber das müsste bei so viel Selbstvertrauen auch noch klappen. Der 1897 gegründete Verein ist auf Höhenflug, und das nicht nur auf dem Platz, sondern auch an der Börse.

Seit Jahresbeginn ist der Kurs in die Höhe geschnellt. Am Tag vor dem Viertelfinalspiel gegen Barcelona stieg der Kurs nochmals sprunghaft an. Eine Aktie wurde mit 0,73 Euro gehandelt, vor einem Jahr waren es noch 0,28 Euro. Am Tag nach dem Sieg gegen Barca verzeichnete der Titel sogar ein Zehnjahreshoch und verdoppelte seinen Börsenwert. Higuain, Dybala, Buffon und Co. hatten geliefert und die Katalanen aus dem Turnier geschossen.

„Große Trainer, fantastische Spieler, Marktoperationen in Millionenhöhe“

Mit dem Erfolg in der Champions League, in der Bayern München und Borussia Dortmund ausschieden, kommt der kommerzielle Erfolg fast automatisch. Juventus legte dazu gute Zahlen vor: Im Februar meldete Turin einen Nettogewinn von 72 Millionen Euro für das erste Halbjahr (das Geschäftsjahr folgt der Fußballsaison und endet am 31. Juli).

Im Jahr davor waren es noch 30,3 Millionen Euro gewesen. Der Umsatz lag bei 314,9 Millionen Euro, 121,8 Millionen davon aus dem Transfergeschäft – ein Plus von 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zudem kamen 107,2 Millionen von TV-, Radio- und Presserechten, 36,5 Millionen aus der Werbung und von Sponsoren und 27,7 Millionen aus dem Ticketverkauf.

„Es handelt sich zwar immer noch um einen Pennystock, aber der sportliche Erfolg zählt, und ich glaube, dass Juventus von den vier Finalmannschaften die größten Chancen hat, die Champions League zu gewinnen“, sagt Analyst Marcus Silbe von der Oddo Seydler Bank. Der italienische Fußball habe sich gefangen und Juventus mit dem Verkauf von Spielern wie Paul Pogba an Manchester United viel Geld eingenommen. Für die Rally der Juventus-Aktie macht er die Gemengelage von sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg verantwortlich, „das kommt nicht aus dem Nichts“.

Mit dem Verkauf von Kingsley Coman an Bayern München kommen im nächsten Geschäftsjahr noch mal rund 20 Millionen Euro in die Kasse. „Große Trainer, fantastische Spieler, Marktoperationen in Millionenhöhe, die nur die Spitze des Eisbergs von viel wichtigeren Investitionen sind“, das ist nach Ansicht eines Händlers in Mailand das Erfolgsrezept. Dazu komme, dass das Unternehmen unterkapitalisiert sei im Vergleich zu den beiden Mailänder Vereinen Inter und AC Milan, die beim kürzlich erfolgten Übergang an chinesische Investoren mit 650 und 520 Millionen Euro bewertet worden seien.

Juventus Turin, mit offiziellem Namen Juventus Football Club S.p.A, ist untrennbar eng mit der ehemaligen Autostadt und der Fiat-Familie Agnelli verbunden. An der Spitze des Rekordmeisters in Italien steht seit 2010 als Präsident Andrea Agnelli. Der 41jährige, Cousin von FCA-Chef John Elkann, sitzt natürlich auch im Vorstand von FCA und Exor, der Familienholding der Agnellis. Schon sein Vater Umberto war Präsident.

Die „Juve“ gilt als das Juwel im Familienschatz. Die Familie Agnelli ist über Exor Haupteigner des Vereins und hat 63,7 Prozent der Aktien im Besitz. Zehn Prozent hält die britische Investmentgesellschaft Lindsell und der Rest ist im Streubesitz. An der Börse ist der Klub seit Dezember 2001.

Hartnäckig hält sich ein Gerücht in Italien, dass die Besitzer den Streubesitz aufkaufen und Juve von der Börse nehmen könnten, um dann Anteile an einen strategischen Partner zu zahlen. Offizielle Stellungnahmen gibt es dazu nicht. Die Aussicht auf den Pokalsieg in der Champions League wird den Preis des Fußballvereins aber weiter in die Höhe treiben und die Investoren locken.

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