Debatte um Fußball-WM „Sport ist für Katar ein Instrument der nationalen Sicherheit“

Katar ist ein kleines Land mit mächtigen Nachbarn. Zahlreiche Investitionen in Sportereignisse sollen den Wüstenstaat stärken. Ein Professor aus Beirut erläutert wie Katar damit für die eigene Sicherheit sorgen will.
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Wie die Scheichs von Katar es im Sport knallen lassen
Rekorddeal
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Im Sport-Investment hat Katar seine Ausdrucksform gefunden, das zeigt sich einmal mehr am Rekordtransfer von Fußballstar Neymar. Doch das von seinen Nachbarn isolierte Golf-Emirat kauft sich neben Toren auch internationale Bedeutung. Auch Weltstar Nikola Karabatic wurde vom FC Barcelona für die Rekord-Ablösesumme von zwei Millionen Euro geholt.

Katar kauft Paris SG
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2011 übernahm die katarische Investorengruppe Qatar Sports Investments (QSI) zunächst 70 Prozent der Anteile an dem französischen Fußballverein Paris St. Germain. Der Vorsitzende der Beteiligungsfirma Nasser Al-Khelaifi (l.), wurde Präsident des Klubs. 2012 wurde der Verein vollkommen durch die Katarer übernommen. Seit der Übernahme durch QSI gab Paris knapp 700 Millionen Euro für den Transfer neuer Spieler aus.

Stars für reiche Scheichs
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Bereits 2011 fand die Fußball-Asienmeisterschaft in Katar statt. Die nationale Fußballliga ist die seit 1963 ausgespielte Qatar Stars League – und tatsächlich kauften deren Vereine in der Vergangenheit gern teuer (ehemalige) Stars ein: Unter anderem Mario Basler, Gabriel Batistuta, Marcel Desailly, Fernando Hierro und Hakan Yakin schnürten in dem Wüstenstaat zwischenzeitlich ihre Fußballschuhe, ebenso wie aktuell der spanische Ex-Weltmeister Xavi.

Fußballer-Bande
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„Die aktuelle politische Situation am Golf und die Vorwürfe von Nachbarstaaten gegen Katar kann der FC Bayern München derzeit nicht bewerten. Diese Beurteilungen sind Sache der Bundesregierung. Der FC Bayern München steht im Kontakt mit Vertretern der Bundesregierung“, hieß es in einem Statement des FC Bayern auf Anfrage der „Sport-Bild“. Kritik wird vermieden, dies könnte die guten, langjährigen Kontakte gefährden.

Das Bild: Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern München) mit Umberto Gandini (zweiter von rechts, AC Milan), Sandro Rosell (rechts, FC Barcelona) and dem hochrangigen Hassan Al Thawadi aus Katar am 5. Februar 2013.

Katar sponsert FC Bayern
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Der FC Bayern hat im Januar 2016 mit dem Hauptstadtflughafen in Katar einen langfristigen Sponsorenvertrag geschlossen. Die Münchner beziehen regelmäßig ihr Winter-Trainingslager in dem Gastgeberland der Fußball-WM 2022.

Bild: Zwei Männer mit traditioneller arabischer Kleidung beobachten am 06.01.2014 das Training des FC Bayern München in Doha (Katar) auf dem Platz.

Ein Politiker als Kronzeuge
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Die Bayern berufen sich auf eine Aussage des ehemaligen Außenministers und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier aus dem Jahr 2016. „Sehr viele deutsche Unternehmen pflegen in Katar wirtschaftliche Beziehungen. Gegen eine Geschäftsbeziehung zwischen Bayern München und einem katarischen Unternehmen sei aus „außenpolitischer Sicht nichts einzuwenden.“.

Foto: Der Chef-Trainer Jupp Heynckes (2.v.l.) und seine Spieler Mario Gomez (2.v.r.) und Philipp Lahm (r) vom Fußball- Bundesligisten FC Bayern München am 4. Januar 2013 in Doha mit der Sheikha Hanadi Bint Nasser Bin Khaled Al Thani und ihrem Sohn Jassim (3.v.l.).

Kein Kommentar vom FC Bayern
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Der FC Bayern bereitet sich regelmäßig in Katar auf die Rückrunde vor. Franck Ribery geht hier Anfang 2017 nach einer Trainingseinheit in Doha mit vermummtem Gesicht übers Gelände. Doch in der Diskussion um das WM-Gastgeberland will der Verein derzeit keine Stellung beziehen, steht aber wegen der angespannten Lage im Austausch mit der Bundesregierung.

Der deutsche Politik-Professor Danyel Reiche lehrt an der American University of Beirut. Von dort aus forscht er unter andrem über den Sport in der arabischen Welt.

Herr Reiche, Katar investiert Milliarden in den Sport. Warum?
Katar ist ein sehr kleines Land, umgeben von sehr großen mächtigen Nachbarn, Saudi-Arabien und Iran, die um die Vorherrschaft in der Region konkurrieren. Der Sport ist für Katar ein Instrument der nationalen Sicherheit. Um überhaupt wahrgenommen zu werden in der Welt baut Katar Beziehungen zu so vielen Ländern wie möglich auf, um nicht das Schicksal von Kuwait zu erleiden.

Der deutsche Professor lehrt im Libanon vergleichende Politikwissenschaft. Darunter auch der Bereich Politik im Sport. Quelle: Pressebild
Danyel Reiche

Der deutsche Professor lehrt im Libanon vergleichende Politikwissenschaft. Darunter auch der Bereich Politik im Sport.

(Foto: Pressebild)

Anfang der 90er Jahre war der Irak in Kuwait einmarschiert.
Das will Katar unbedingt vermeiden. Also versuchen sie durch das Ausrichten von regionalen und globalen Sportereignissen Beziehungen aufzubauen, um dadurch sicher zu sein. Auch Vereine wie Paris St. Germain und den FC Barcelona zu sponsern, hilft dem Land, bekannter zu werden. Katar hat nur 10.000 Soldaten.

Saudi-Arabien und Iran sind riesige Länder. Katar kann militärisch also nicht viel ausrichten.
Momentan gibt es noch eine große US-Militärbasis in Katar. Das ist ein Stabilitätsanker, aber solche Verträge laufen immer für zehn Jahre und dieser wurde damals noch unter der Obama-Regierung erneuert. Es ist unklar, ob die Basis auf Dauer Bestand haben wird.

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes, Reinhard Grindel, hat eine Diskussion über einen Boykott der Weltmeisterschaft in Katar angestoßen. Ist die WM 2022 in Gefahr?
Ich denke, wir müssen grundsätzlich festlegen, nach welchen Kriterien wir Großereignisse im Sport vergeben. Menschenrechte, Demokratie- und Umweltstandards werden weder in Katar noch in Russland eingehalten, wo die Weltmeisterschaft bereits in im kommenden Jahr stattfindet. 2010 hat die Fifa zum ersten Mal zwei WM-Standorte gleichzeitig benannt. Katar hat das Pech, dass noch genug Zeit wäre, einen andren Austragungsort zu finden.

Wie wichtig ist die WM für den Wüstenstaat?
Sehr wichtig, auch um sich für noch größere Sportereignisse zu qualifizieren. Katar hat sich schon zwei Mal erfolglos für die Olympischen Spiele beworben, 2016 und 2020. Die Welt will jetzt erst einmal sehen, dass Katar die WM vernünftig organisiert und dann kann man vielleicht über die Spiele im Jahr 2032 nachdenken.

Haben die vielen Sport-Ereignisse auch Auswirkungen auf die Bevölkerung im eigenen Land?
Auf jeden Fall. Die Kataris haben ein größeres Problem mit Übergewichtigkeit. Aber es gibt Verbesserungen, etwa was den Schulsport angeht. Auch Frauen machen Sport. Katar hat sogar eine Frauen-Fußballmannschaft, die bis 2014 von der Deutschen Monika Staab trainiert wurde. So etwas gibt es in Saudi-Arabien nicht.

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