Deutsche Fußball Liga Fans übertreffen sich selbst

Neuer Zuschauerrekord in der Bundesliga: Nie zuvor sahen so viele Fans Erst- und Zweitligaspiele live im Stadion. Alleine die Bundesligisten lockten im Schnitt 42 000 Besucher an - so viele wie in keiner anderen Liga auf der Welt. Noch sind die Ticketpreise vergleichsweise moderat - dies könnte sich bald ändern.
  • Stefan Merx
Werder Bremen ist der beliebteste Bundesligist, zeigt eine Studie. Quelle: dpa

Werder Bremen ist der beliebteste Bundesligist, zeigt eine Studie.

(Foto: dpa)

KÖLN. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) zieht eine positive Bilanz der Saison 2008/09: Mit 17,58 Millionen Stadionbesuchern schafften die Erst- und Zweitligaklubs zum achten Mal in Folge einen neuen Zuschauerrekord. Alleine die Spiele der ersten Bundesliga sahen im Schnitt fast 42 000 Besucher - keine andere Fußball-Liga der Welt kommt auf diese Zahlen.

Für DFL-Geschäftsführer Christian Müller ist der um 7,5 Prozent gestiegene Besuch der Erstligapartien ein Grund, stolz zu sein: "Eine ausgeglichene und spannende Bundesliga mit modernen und sicheren Stadien und den niedrigsten Eintrittspreisen aller europäischen Top-Ligen sind der Schlüssel zum Erfolg."

Einen Dämpfer musste nach dem Aufstieg der Fanmagneten Köln und Mönchengladbach jedoch die zweite Bundesliga hinnehmen. Hier sanken die Zuschauerzahlen um 13,6 Prozent auf 15 550 pro Spiel (Vorsaison: knapp 18 000). Bemerkenswert ist die hohe Zahl der Dauerkartenbesitzer: Schon 55 Prozent der Karten in der ersten Liga und immerhin 50 Prozent in der zweiten Liga waren auf diese Art vor Saisonbeginn an treue Fans verkauft.

Dass die Erstligastadien im Schnitt zu 90 Prozent ausgelastet waren, ist auch eine Frage der Ticketpreise. Zwar stiegen sie von im Schnitt 19,47 Euro in der Vorsaison auf 20,79 Euro. Doch auch das ist im Vergleich der europäischen Top-Ligen konkurrenzlos billig. Die Briten zahlen nach Angaben der Berater von Deloitte im Schnitt für eine Premier-League-Partie etwa das Zweieinhalbfache.

Wie hoch die Zahlungsbereitschaft bei den deutschen Fans tatsächlich liegt, hat die Karlsruher Sport-Research-Beratung IFM in einer aktuellen Befragung ermittelt. Für ein Spiel der ersten Bundesliga würden die 508 befragten Fußball-Anhänger im Schnitt 31 Euro ausgeben. Es wäre bei den Kartenpreisen also noch Luft nach oben. Für eine Zweitligapartie liegt die Schmerzgrenze der Fans nach IFM-Angaben bei 18 Euro (tatsächlicher Durchschnittspreis: 13,35 Euro). Ein Spiel in einem europäischen Wettbewerb wäre Frauen stolze 48 Euro wert, Männern immerhin noch 42 Euro.

Auffällig ist, dass Frauen generell eine höhere Zahlungsbereitschaft für Fußballkarten mitbringen als Männer, sagt IFM-Marktforschungsleiter André Bühler. Das gilt insbesondere für Spiele der Nationalmannschaft, wo Frauen bereit sind, 45 Euro und damit neun Euro mehr als Männer für eine Eintrittskarte hinzulegen. "Vor dem Hype um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 waren viele Frauen weniger an Fußball interessiert. Nun kennen auch sie die Nationalspieler und nehmen sie als attraktive Stars wahr", sagt Bühler.

Die Umfrage belegt für den Experten auch: "Ein Stadionbesuch ist ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem soziale Netzwerke gespannt werden." Nur sechs Prozent gehen allein ins Stadion, acht Prozent mit Kollegen und 67 Prozent mit Freunden.

Auch ein Beliebtheits-Ranking umfasst die Studie. Danach ging die Meisterschaft der Sympathie klar nach Bremen - und das trotz einer sportlich arg durchwachsenen Spielzeit. "Werder steht für Seriosität durch Manager Klaus Allofs und Kontinuität durch den langjährigen Trainer Thomas Schaaf", erklärt Bühler. Attribute der Stabilität, die offenbar bei den Fans gut ankommen. Als einziger Klub stößt Bremen bei über der Hälfte aller Fußballinteressierten auf Zuneigung.

Ähnlich clever haben andere Klubs ihr Markenimage geschärft. Herbstmeister Hoffenheim auf Rang zwei verkörpere die Erfolgsgeschichte einer aufstrebenden Mannschaft, der VfB Stuttgart als Vierter werde mit attraktivem Fußball und schwäbischer Bodenständigkeit in Verbindung gebracht.

Nicht jedem Verein gelingt das Selbstmarketing so gut. Hannover 96, Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld waren aus Sicht der Fußballinteressierten in der letzten Saison die grauen Mäuse der Liga. "Jeder Verein hat seine eigene Geschichte. Aber er muss deutlich machen, für welche Werte er steht", sagt Bühler. "Das kann man entweder auf dem Rasen oder durch Marketing zeigen."

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