DFB-Sieg gegen Tschechien Es müllert wieder

Thomas Müller löst die Debatten um eine angebliche neue Torkrise auf seine Weise – mit Humor und zwei Treffern. Das nächste Spiel der Nationalmannschaft gegen Nordirland erinnert ihn aber an ein Dilemma.
Thomas Müller lässt sich nach dem Spiel gegen Tschechien feiern. Quelle: dpa
Wieder Grund zum Jubeln

Thomas Müller lässt sich nach dem Spiel gegen Tschechien feiern.

(Foto: dpa)

HamburgThomas Müller übernahm auch nach der begeisternden Tore-und-Spaß-Gala gegen Tschechien die Hauptrolle. „Damit übergebe ich an den Mann des Tages“, sagte Bundestrainer Joachim Löw beim Verlassen der Pressekonferenz und leitete nahtlos an den Doppeltorschützen über.

Und Müller spielte mit, verkündete auf dem Podium mit ernster Miene: „Ich war natürlich in einer tragischen Situation vor dem Spiel, und dementsprechend bin ich froh, dass ich mich aus dem Sumpf befreien konnte.“ Gelächter im Saal – mit einem Schlag hatte der 27-Jährige die Diskussionen um den noch torlosen Bundesliga-Müller ad absurdum geführt.

„Spaß beiseite: Das Fußballgeschäft ist, wie es ist“, setzte Müller in Hamburg seine Ausführungen über das 3:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien und seinen Anteil daran fort. „Ich habe immer wieder betont, dass ich versuche, mich so wenig wie möglich von den positiven wie auch negativen Momenten beeinflussen zu lassen. Ich höre auf meinen Trainer und meine innere Stimme.“

Das sind die größten Torhüter-Patzer
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Timo Hildebrand

Ein Parade-Beispiel, was passiert, wenn der Torhüter mit dem Abschlag zu lange wartet. Beim Champions-League-Spiel in London hatte der 34-jährige Schalker eigentlich ausreichend Zeit dafür. Er legte sich das Spielgerät zurecht, ein Stück zu weit nach vorne und schoss den heranstürmenden Eto'o an. Vom Fuß des kamerunischen Altstars trudelte der Ball zum Entsetzen der Schalker Entourage ins Tor. „Mein Gott“, war auf den Lippen Hildebrands abzulesen, als er kopfschüttelnd und konsterniert das 0:1 ertragen musste. Und anschließend auch noch von den englischen Fans bei jeder Ballberührung hämisch bejubelt und beklatscht wurde. Mehr noch: Schalke verlor 0:3.

Piplica
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Tomislav Piplica

Kaum ein Torwart-Patzer der vergangenen Jahre ist bekannter als der des Tomislav Piplica. Energie Cottbus traf im April 2002 auf Mönchengladbach. Nach einem abgefälschtem Schuss des Gladbachers Marcel Witeczek blieb Cottbus' Schlussmann wie angewurzelt auf seiner Torlinie stehen und lenkte den Ball per Kopf ins eigene Tor. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen genießt der Bosnier immer noch Kult-Status.

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Ralf Raps

Der gebürtige Kölner spielte in der 80er Jahren unter anderem für Eintracht Frankfurt und Hannover 96 in der ersten und zweiten Liga. Ein Spiel wird er jedoch nie vergessen. Es war der 9. April 1988, Hannover spielte gegen Dortmund. Raps bereitete sich, mit dem Ball in der Hand, gerade auf den Abschlag vor. Dortmunds Frank Mill dauerte das zu lange, dieser drückte ihm den Ball mit der Stirn aus der Hand. Der Treffer zum 2:1 zählte, reichte dem BVB aber nicht zum Sieg. Am Ende ging es 3:3 aus.

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Oliver Kahn

Im Sommer 2002 war er einer der einsamsten Menschen auf dem Fußballplatz. Deutschlands Nationaltorhüter wehrte im WM-Endspiel gegen Brasilien einen Schuss von Rivaldo unglücklich vor die Füße Ronaldos ab, der nur noch zum 1:0 einschieben musste und später den Titel bejubelte. Dabei war er zuvor einer der besten deutschen Spieler gewesen und hatte durch seine Leistung maßgeblich zum Erreichen des Finales beigetragen. Da tröstete es den Münchner auch nicht, dass er später mit dem Goldenen Ball als bester WM-Spieler ausgezeichnet wurde.

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Marc André ter Stegen

Eigentlich war alles gut: Am 2. Juni 2013, anlässlich eines Freundschaftsspiels gegen die Auswahl der USA in Washington, durfte der Gladbacher sein drittes Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft bestreiten. Doch dann das: Nach einer Rückgabe von Benedikt Höwedes verlor ter Stegen die Kontrolle über den Ball, der daraufhin ins eigene Netz rollte, was als Eigentor gewertet werden musste. Die USA gewannen 4:3. In seinen ersten drei Einsätzen kassierte ter Stegen insgesamt zwölf Tore, jedes dieser Spiele ging verloren.

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Bernd Meier

Als der Torhüter des TSV 1860 München im Derby gegen den FC Bayern im April 1998 einen abgefangenen Ball vom Boden aus abschlagen wollte, spitzelte ihm Carsten Jancker, der sich hinter ihm versteckt hatte, den Ball vom Fuß und schob ihn ins leere Tor. Die Löwen verloren das Lokalderby nicht nur mit 1:3. Meier bestritt danach lange kein Spiel mehr für die Löwen. Er starb am 2. August 2012 an einem Herzinfarkt.

Oliver Reck
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Oliver Reck

Trotz seiner Erfolge mit Werder Bremen wird Reck von vielen Fußballfans auch heute noch „Pannen-Olli“ genannt. Etliche, teils spektakuläre Fehler brachten ihm diesen Spitznamen ein. Besonders zu Beginn seines sportlichen Schaffens bei Werder Bremen leistete er sich so manch einen Patzer. So wie beim Auswärtsspiel 1991 in München: Der Ball knallte von der Latte an Recks Kopf und von dort ins eigene Tor. Trotz der Fehler hielt Trainer Otto Rehhagel stets bedingungslos zu seinem Schlussmann.

Der Mann bleibt ein Phänomen. Da wurde dem Münchner schon wieder eine Krise nachgesagt, weil er bei fünf Bundesligaeinsätzen für den FC Bayern in dieser Saison noch nicht getroffen hat. Und dann antwortete Müller einfach mit seinem achten Doppelpack im DFB-Trikot.

„Es ist interessant und irgendwo auch lustig, dass jetzt, wenn WM draufsteht, es gleich wieder funktioniert. Daraus kann man schöne Geschichten machen“, sagte der selbst erheiterte Torjäger nach seinem zweiten Doppelschlag in der laufenden Ausscheidung zur WM 2018.

Die beruhigende Nachricht für das DFB-Team ist: Es müllert wieder. 36 Mal durfte sich der Angreifer inzwischen im Nationalteam als Torschütze feiern lassen – in 80 Partien. Damit steht er in der DFB-Torjägerstatistik schon auf Rang elf. Mit dem nächsten Treffer zieht er mit dem jetzigen Teammanager Oliver Bierhoff gleich.

„Thomas Müller ist immer in der Lage, wenn er Chancen hat, Tore zu erzielen. Jetzt hat er bei uns wieder einen guten Lauf“, bemerkte Löw. „Seit der WM 2010 hat er permanent in jedem Jahr in der Bundesliga und der Nationalmannschaft getroffen“, erinnerte der DFB-Chefcoach.

Torinstinkt schien verloren
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