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Die dunklen Machenschaften des Sepp Blatter „Es muss Böses im Herzen der Fifa geben“

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Blatter: „Es gibt keine Korruption mehr.“
Fifa-Präsident Sepp Blatter (links) und der Präsident der Confederation of African Football (CAF), Issa Hayatou (rechts) am 7. April in Kairo. Quelle: AFP
Auf einem Kongress

Fifa-Präsident Sepp Blatter (links) und der Präsident der Confederation of African Football (CAF), Issa Hayatou (rechts) am 7. April in Kairo.

(Foto: AFP)

Der erste ist Amos Adamu aus Nigeria. Der bot seine Stimme schon einmal für Geld an – und flog auf. Dafür wurde er von der Fifa für drei Jahre gesperrt, nun darf er wieder mitmischen. Der sieht die Sache recht locker: „Das ist wie im Fußball. Nach einer roten Karte wird man zwei Spiele gesperrt, danach geht es wieder weiter.“ Er bestritt, überhaupt auf der Tagung in Angola gewesen zu sein, was durch ein Foto seiner Anwesenheit sofort als Lüge enttarnt werden kann.

Der zweite, der von Phaedra Almajid genannt wurde, ist Jaques Anouma von der Elfenbeinküste. Der war die rechte Hand von Laurent Gbagbo, dem ehemaligen Machthaber des Landes. Der steht aktuell wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Den Haag vor Gericht.

Dritter und letzter im Bunde ist Issar Hayatou, Fifa-Vorstand seit 25 Jahren. Er gilt als Blatters Stimmenbesorger in Afrika. Der tauchte bereits vor längerer Zeit auf einer Korruptionsliste auf, die ihm seinen Platz im Olympischen Komitee, in dem er ebenfalls Mitglied war, kostete. Die Fifa dagegen zog keine Konsequenzen.

Sepp Blatter hatte nach den Vorwürfen um die Vergabe der WM an Katar Reformen seiner Fifa angekündigt, dass er dabei auf Personen wie Hayatou zählt, darf verwundern. Zu den Vorwürfen äußert sich weder Hayatou noch Sepp Blatter, der für die Macher trotz mehrerer Anfragen über fünf Monate nicht zu sprechen war. Eigentlich sollten neue Kommissionen und Gremien zur Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe gegründet werden, doch so wirklich wurde nichts daraus. Stattdessen verkündete Blatter einfach: „Es gibt keine Korruption mehr, die Entscheidung von 2010 steht. Wir haben wieder Einigkeit in unserer Regierung.“

Regierung ist dabei kein zufällig gewählter Begriff. Sepp Blatter sieht sich nach 40 Jahren in der Fifa und 17 Jahren an deren Spitze als so etwas wie einen Staatsmann, mit ihren 1,6 Milliarden Mitgliedern sei die „Fifa-Familie“ die größte der Welt. Noch größer als China oder Indien. Zitat Blatter: „ Ich bin der Einzige auf der Welt, der in jedem Land auftreten kann und von einem Staatschef empfangen wird.“

Dabei tritt Blatter mit seiner Fifa jedoch als ein Diktator auf, der sogar in die Politik anderer Länder eingreifen kann. Nach der Vergabe der WM 2018 an Russland (ebenfalls im Jahr 2010 beschlossen) verabschiedete der Kreml ein neues Arbeitsrecht, dass unverblümt „Fifa-Gesetz“ genannt wird.

Dieses Gesetz setzt geltendes Arbeitsrecht außer Kraft und schränkt die Rechte der Arbeiter, die auf den WM-Baustellen im Einsatz sind, im Hinblick auf Löhne oder Urlaubsansprüche massiv ein – im Grunde versklavt es sie sogar. Dieses Gesetz war (in der Doku schwarz auf weiß belegt) eine Voraussetzung der Fifa, damit Russland die WM überhaupt erhalten konnte.

Sharan Burrow vom Internationalen Gewerkschaftsbund in Brüssel findet dafür klare Worte: „Die Fifa kann fordern, dass Arbeiter ausgebeutet werden. Auf der anderen Seite behauptet sie, für Frieden und die Rechte der Menschen einzustehen. Es muss Böses im Herzen der Fifa geben“. Die Fifa gratulierte Russland zu dem Gesetz.

Dabei wurde die russische Bewerbung wie bereits die von Katar vom selben Prüfer als die schwächste eingestuft. Trotz Katar gilt die WM in Russland derzeit als Blatters größtes Problem, schon jetzt ist sie doppelt so teuer wie die WM 2014 in Brasilien – wobei nicht einmal die Hälfte der Stadien fertig ist.

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Russland hofft auf Propaganda-Erfolg
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7 Kommentare zu "Die dunklen Machenschaften des Sepp Blatter: „Es muss Böses im Herzen der Fifa geben“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "So haben bereits alle 54 Vertreter der afrikanischen Verbände Sepp Blatter ihre Stimme versprochen – allein diese sind schon mehr, als er überhaupt zur Wiederwahl benötigen würde"

    Es ist also anzunehmen, dass viel Geld nach Afrika fließt.
    Zurück (nach Europa) kommen "Flüchtlinge"

    Ob das Eine mit dem Anderen im Zusammenhang steht?

  • Der Kaiser hat keine Sklavenarbeiter in Katar gesehen. Dann ist doch alles im Lot.
    Die beste Loesung waere ein Welturnier zur gleichen Zeit unter Ausschluss der FIFA zu veranstalten. Die meisten Europaer muessten mitmachen, mit etwas Glueck auch noch Brasilien und Argentinien. Dann wuerde Katar niemanden mehr interessieren und die FIFA wuerde endlich im Muelleimer landen.

  • Solange Euopa nicht geschlossen solange die WM-Turniere boykottiert, bis es einen deutlichen Richtungs-Wechsel in der FIFA gibt, wird sich in der FIFA nichts ändern. Und die Europäer werden natürlich kein WM-Turnier boykottieren, weil sich die Funktionäre ja im Licht des Königs sonnen wollen und natürlich auch eine große Kelle aus dem Fleischtopf wollen.

    Fußball ist die Sport gewordene Verlogenheit!

  • Das "Böse im Herzen" ist nichts typisches für die FIFA oder die anderen Sportmonopolisten. Es liegt grundsätzlich im Menschen und ist die zwangsläufige Folge von etablierten Seilschaften in Organisationen, die einen Zugang zum zentralen Treib- und Schmiermittel - Geld - haben. Schon das System Kohl baute im wesentlichen auf Loyalität gegen "Bimbes" auf, mit Schäuble als Schwarzgeldboten, der mit dem Geldköfferchen durch die Lande reiste.

    Letzten Endes werden Sportgroßveranstaltungen nur noch von Diktaturen ausgetragen, da nur diese den "ethischen Grundsätzen" von FIFA und IOC etc. genügen. Gestützt wird dieses System aber von den "guten Organisationen" wie etwa den DFB, der ja seine Nationalmanschaft für die Machenschaften der FIFA zur Verfügung stellt. Getragen von der breiten Bevölkerung, die begeistert diese Spektakel konsumiert.

    Man muss sich der Wahrheit stellen und akzeptieren, dass Sklaverei, Ausbeutung und Vernichtung von Menschen durch Arbeit, oder nach den Großereignissen durch Armut, ganz normale Bestandteile der menschlichen Gesellschaft im Kapitalismus sind. Auch wenn man gerne den Blatter als Teufel an die Wand stellt, um seine eigene Verantwortung zu leugnen. Blatter hat sich im Lauf der Jahre viele Freundschaften mit sehr einflussreichen Menschen aufgebaut. Mehr als er offene Feindschaften hat. Und wer in der Politik tätig ist, weiss genau, dass Kategorien wie Wahrheit oder Menschenrechte oder Moral und sonstieges völlig unbedeutend sind in dieser Welt. Was zählt ist alleine die Macht - und die hat er.



  • Die Existenz dieser mafiösen Gangsterbande Fifa ist eine Sache. Noch abstoßender ist die Politik der Staaten, die sich mit diesen Verbrechern in ein Bett legen und die Bevölkerungen der Staaten zu Gunsten der Fifa ausplündern.

  • wann geht der Blatter endlich ein? Es ist gut dass die Medien dieses Korruptionsmonster endlich aufgreifen! Die Vergabe nach Russland fand ich eigentlich ganz gut, die Menschen dort wünschen sich auch sowas und es ist ein riesiges Land, Fußball verbindet, es kann auch eine Chance für Russland sein, außerdem kann man da sorgenfrei Bier trinken, während man in Katar aufpassen muss ;-).
    Trotzdem soll das alles mit rechten Dingen zugehen und es liegt einfach zu viel gegen Blatter vor. Der hat zu viel Macht, was nicht richtig seien kann für den Vorsitzenden des Fußballweltverbandes...
    Katar ist ein Witz und der größte Schwachsinn...die Handball WM war schon der größte Witz der Handballgeschichte, nur noch das Geld grassiert....

    Gegen den modernen Fußball!

  • Und was passiert nun? NiX, absolut nix. Mitten mang, immer reines Gewissen - Beckenbauer. Das reine Gewissen des deutschen Fußball.
    "liefert nun die Beweise für das, was eigentlich schon lange klar war: Die Fifa ist eine Ausgeburt des Bösen".
    Zu Katar wäre zu sagen: was haben die eigentlich mit Sport, oder gar Fußball zu tun? Werde internationale Fußballer wen die den Koran nicht huldigen, oder gar abfällig darüber äußern hingerichtet. Zumindest doch ein bisschen ausgepeitscht. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt an Fragen.

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