Druck auf Platini wächst Exko-Mitglied droht mit Vertrauensentzug

Michel Platini ist in Erklärungsnot. Ein Mitglied der Uefa-Exekutive droht dem suspendierten Präsidenten mit Entzug der Unterstützung. Diskussionen gibt es um das Verdienstkreuz von Fifa-Chef Joseph Blatter.
Kein Vertrag, kein Vertrauen: Die Worte des Uefa-Exko-Mitglieds Allan Hansen (l.) gegenüber dem suspendierten Uefa-Chef Michel Platini (r.) sind deutlich. Quelle: dpa
Hansen und Platini

Kein Vertrag, kein Vertrauen: Die Worte des Uefa-Exko-Mitglieds Allan Hansen (l.) gegenüber dem suspendierten Uefa-Chef Michel Platini (r.) sind deutlich.

(Foto: dpa)

KopenhagenIm Fifa-Korruptionsskandal wächst der Druck auf den suspendierten Uefa-Präsidenten Michel Platini. Kurz vor dem Notfalltreffen der Regierung der Europäischen Fußball-Union droht ein Exekutivmitglied so deutlich wie nie zuvor mit Vertrauensentzug für den Franzosen. Sollte Platini dem Gremium keinen Vertrag über eine erhaltene Zahlung von dem ebenfalls für 90 Tage gesperrten Fifa-Präsidenten Joseph Blatter vorlegen können, „dann können wir ihn nicht länger unterstützen“, sagte Allan Hansen dem „Ekstra Bladet“.

Platini ist derzeit von der Fifa-Ethikkommission gesperrt, das Exekutivkomitee der Uefa trifft sich an diesem Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung in Nyon. Zunächst hatten die Exko-Mitglieder aufgrund des Einspruchs Platinis keinen Interimschef nominiert und stattdessen den amtierenden, aber suspendierten Präsidenten unterstützt. Bis zum Treffen am Uefa-Sitz „soll Michel Platini Dinge ins Feld führen, die ihn entlasten“, hatte bereits DFB-Präsident Wolfgang Niersbach betont. Durch seine Sperre darf der frühere Weltklassespieler derzeit offiziell aber keine Aktivitäten im Fußball ausüben, also auch nicht mit anderen Exko-Mitglieder reden.

Platini hatte für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. Diese Vereinbarung gehe auf eine mündliche Absprache und kein schriftliches Dokument zurück, berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf die nicht-öffentlichen Aussagen der beiden vor der Ethikkammer.

Angesichts der Sperre fordert der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper, dass Blatter das 2006 verliehene Bundesverdienstkreuz aberkannt werde. „Bei einer Straftat kann das Bundesverdienstkreuz entzogen werden. Das würde auch für Blatter gelten, und ich finde, das wäre dann auch angemessen“, sagte der hauptamtliche Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes der „Sport Bild“.

Entziehen könnte Blatter den Orden nur Bundespräsident Joachim Gauck. „In der Regel setzt die Einleitung eines Entziehungsverfahrens eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe voraus“, erklärte das Bundespräsidialamt dazu. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte gegen Blatter ein Verfahren unter anderem wegen des Verdachts der Veruntreuung eröffnet, ihm droht eine Haftstrafe.

Platini wird noch lediglich als Auskunftsperson von den Behörden geführt. „Ich war tief enttäuscht, als die Geschichte von den zwei Millionen Franken auftauchte“, sagte der frühere dänische Verbandspräsident Hansen. „Das führt zu einer Menge Fragen, auf die wir immer noch keine Antwort bekommen haben. So eine Ausbezahlung setzt einen Vertrag voraus, und sie muss außerdem aus den Fifa-Abrechnungen hervorgehen.“

„Der Kollaps der Fifa“
Tagesanzeiger (Schweiz)
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„Auf Fifa-Chef Joseph Blatter darf jetzt auch ein staubtrockener Funktionär folgen. Hauptsache: integer“ „Die Zeit der Bruderküsse ist vorbei“ „Auch in der Schweiz war die Kritik am selbstherrlichen Gehabe Blatters stärker als der patriotische Stolz, einen Landsmann auf Augenhöhe mit Papst, UNO-Generalsekretär und Wladimir Putin zu wissen. ... Ob am Ende strafrechtlich etwas an Blatter hängen bleibt, ist dabei weniger wichtig, als dass der Weltfußballverband die Lehren aus diesem Fall zieht: Korruption, Günstlingswirtschaft und Personenkult sind 2015 in demokratischen Ländern unzeitgemäß geworden - das gilt auch für einen Sportverband mit weltweiter Ausstrahlung.“

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz)
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„Der Kollaps der Fifa“ „Die Spitze des Weltfußballs ist weggespült, weggespült an nur einem Tag, wenn auch mit Ansage. ... Die Fifa-Strukturen sind so morsch, dass sie missbraucht werden können. Mit den jüngsten Sperren ist das System kollabiert. Ob ein Neuaufbau möglichst ist, hängt stark damit zusammen, ob die längst lancierten Reformen durchgesetzt werden können.“

Blick (Schweiz)
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„Platini & Blatter am Ende vereint ... Gemeinsam in den Abgrund“ „Wie grotesk die Situation mittlerweile ist, zeigt die Forderung von Platini, der nun seinerseits eine Untersuchung gegen die Ethikkommission der Fifa will.“

L’Est républicain (Frankreich)
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„Auf seinem Kurs zur Präsidentschaft hat Michel Platini schnell (leichtsinnig?) seine Karten auf den Tisch gelegt, sich präsentierend wie ein weißer Ritter, der dem System den Hals umdreht.“

L’Alsace (Frankreich)
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„Das grundlegende Recht der Verteidigung wurde mit den Füßen getreten und Michel Platini übel von hinten gefoult. Wird ihm jemand wieder aufhelfen?“

La Charente libre (Frankreich)
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„Zu anderen Zeiten hätte eine Entscheidung der Ethikkommission der Fifa kaum mehr als ein Lächeln bewirkt. Die Suspension von Sepp Blatter und Michel Platini für 90 Tage hat große Wellen geschlagen. Es wird nicht mehr gescherzt.“

Les Dernières Nouvelles d’Alsace (Frankreich)
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„Niemand kann auf Schutz hoffen vor der gewaltigen Welle, die den internationalen Fußball überspült. Michel Platini macht diese bittere Erfahrung. Bis vor wenigen Tagen galt er als weißer Ritter, der sich sicher sein konnte, an die Spitze der Fifa zu gelangen. Seit gestern ist das weniger sicher. (...) Der offensive Mittelfeldspieler ist zur Verteidigung gezwungen.“

Auch der aktuelle Chef des Verbands aus Dänemark unterstützt seinen Vorgänger in dessen Kritik. „Ich bin sehr skeptisch, was da gerade abläuft. Und ich werde es weiter sein, auch wenn es eine gute Erklärung am Donnerstag beim Uefa-Treffen geben sollte“, sagte Jesper Møller. „Alleine der Betrag der Zahlung zeigt, dass etwas falsch gelaufen ist. Wir können nicht für einen Mann stimmen, der suspendiert ist.“

  • dpa
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