Eiszeit beim HSV Vorstandschef Beiersdorfer wackelt

Der HSV-Absturz findet kein Ende. Lösungen werden verzweifelt gesucht. Jetzt, so heißt es, will der Aufsichtsrat über die Zukunft von Vorstandschef Beiersdorfer befinden - trotz öffentlicher Treuebekenntnisse.
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Der Aufsichtsrat steht hinter Dietmar Beiersdorfer. Foto: Daniel Reinhardt Quelle: dpa
Dietmar Beiersdorfer

Der Aufsichtsrat steht hinter Dietmar Beiersdorfer. Foto: Daniel Reinhardt

(Foto: dpa)

Zum Wintereinbruch in Hamburg mit anhaltendem Schneefall passt die eisige Stimmung beim HSV. Der schlechteste Start in der Geschichte des Bundesligisten mit acht Niederlagen und ohne Sieg in zehn Spielen hinterlässt nur noch Wut bei den Fans und Verzweiflung in der Vereinsführung. Jetzt soll die Rolle des Vereinsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer in der desaströsen Lage hinterfragt werden.

Nach Informationen der „Hamburger Morgenpost” lädt der Aufsichtsrat Beiersdorfer zum Rapport, um über seine Zukunft zu befinden. Für eine Amtsenthebung würde im sechsköpfigen Aufsichtsrat eine einfache Mehrheit reichen. Allerdings hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt vor wenigen Tagen gesagt: „Wir sind definitiv nicht auf der Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden.” Das war aber vor der 2:5-Niederlage gegen Borussia Dortmund.

Anders als in früheren Jahren, als der Aufsichtsrat als Club der Ahnungslosen verhöhnt wurde und Interna zuhauf ausplauderte, hält sich das jetzt deutlich kleinere Gremium der ausgegliederten Fußball-AG bedeckt. Darin wirken unter Vorsitz von Gernandt die Wirtschaftskapitäne Dieter Becken und Felix Goedhart, Ex-Profi Peter Nogly, Klitschko-Manager Bernd Bönte sowie HSV-Präsident Jens Meier.

Wer den HSV jetzt retten kann
1. FC Köln - Hamburger SV
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Kurz vor dem 80. Geburtstag von Uwe Seeler steht der HSV so schlecht da wie noch nie in der Bundesliga. Sechs Tage vor dem Ehrentag des HSV-Idols kassierte der HSV beim 1. FC Köln nach einem Hattrick von Anthony Modeste (60./82./86.) eine 0:3 (0:0)-Pleite und bleibt Tabellenletzter.

HSV-Trainer Markus Gisdol
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„Das Ergebnis ist sehr bitter. Wir haben ein wirklich gutes Auswärtsspiel gemacht bis zur 60. Minute”, sagte Trainer Markus Gisdol bei Sky.

Rote Karte
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Nach einer Stunde sah HSV-Stürmer Bobby Wood die Rote Karte. Hamburgs Keeper René Adler meinte: „Wir müssen einfach weitermachen. Wir können ja nicht aufhören zu spielen.”

Der ehemalige HSV-Vereinsboss Bernd Hoffmann
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Der frühere Vereinsboss Bernd Hoffmann hat sich für eine Neuaufstellung an der Spitze von Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV ausgesprochen. "Alles auf einer Person abzuladen, das kann nicht funktionieren. Ich kenne keine Konstruktion, in der heutzutage ein Mensch alleine so etwas schultern kann", sagte der 53-Jährige bei Sky über die Doppelfunktion von Dietmar Beiersdorfer als Vorstands- und Sportchef.

Dietmar Beiersdorfer
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Eigentlich ist es die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden, das Unternehmen, was er leitet, operativ in die richtigen Bahnen zu lenken. Im Falle des Hamburger SV, beziehungsweise der seit über zwei Jahren ausgegliederten Abteilung Profifußball, trägt Dietmar Beiersdorfer diese Verantwortung. Er versucht seit Amtsantritt, den HSV zu retten. Was wirtschaftlich durch Umschuldung immer wieder gelingt, endet sportlich immer wieder im Desaster. Vereinsidol Uwe Seeler zählte Beiersdorfer, trotz nachweislich gutem Verhältnis, zuletzt öffentlich an. Jedoch nicht in seiner Gesamtheit, sondern in der Doppelfunktion. Vorstandsboss und Sportchef, das kann nicht gutgehen.

Beiersdorfer stellt Trainer Markus Gisdol vor
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Diese Erkenntnis hat sich nicht nur bei Seeler durchgesetzt. Auch der Aufsichtsrat verlangt Zählbares – und beschränkte sich zuletzt nicht nur auf Kritik an der Funktion als Sportchef. Klar ist, dass der bisher letzte Trainerwechsel (Gisdol für Labbadia) Beiersdorfer sprichwörtlich letzte Patrone ist. Befreit sich der HSV mit seinem millionenschweren Kader nicht aus der Abstiegszone, werden weitere Köpfe rollen. Nur: In den vergangenen Jahren wurden der komplette Vorstand, fast der ganze Spielerkader und der komplette Trainerstab gewechselt.

Beiersdorfer und die Raute
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Was dem HSV fehlt, ist Konstanz. Und eine ordnende Hand. Für beides wäre Beiersdorfer mit seiner überlegten, doch offenen Art eigentlich prädestiniert. Doch gerade wegen dieser wäre es gut, ihm einen Partner zur Seite zu stellen – oder konsequent auf einen harten Sanierer zu setzen. Doch wer könnte helfen? Eine, nicht immer ernstgemeinte, Übersicht.

Kolportiert wird, dass die Ratsmitglieder ihren Vorsitzenden mittlerweile argwöhnisch betrachten, weil dieser sein Gremium nicht ausreichend und rechtzeitig über gemeinsam mit Beiersdorfer getroffene Entscheidungen informiere. Pikant: Gernandt ist Verwaltungsrats-Präsident im Logistik-Unternehmen von HSV-Teilhaber und Mäzen Klaus-Michael Kühne.

Zunächst will der in einer tiefen Krise steckende Bundesligist aber an anderer Stelle Vollzug melden. Als aussichtsreichster Kandidat für den vakanten Posten des Sportdirektors wird Christian Hochstätter gehandelt.

Gespräche mit dem 53 Jahre alten Sportvorstand des Zweitligisten VfL Bochum werden derzeit geführt, wie der VfL bestätigte. „Das wollen wir ihm nicht verbieten. Es läuft alles sauber und fair ab”, sagte Bochums Aufsichtsrats-Vorsitzender Hans-Peter Villis der Zeitschrift „RevierSport”.

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