EM-Qualifikation in Irland Ohne Proben nach oben

In Dublin will Joachim Löws Truppe das EM-Ticket lösen – mit holpriger Vorbereitung und ohne echtes Training vor dem Spiel. Nach dem Sieg gegen Schottland nimmt Löw Änderungen vor – Reus und Ginter bekommen ihre Chance.
Update: 08.10.2015 - 20:07 Uhr

DublinMit irischer Gelassenheit wischte Joachim Löw alle Randthemen vom Tisch – für den Weltmeister-Coach zählt nur der letzte Schritt auf dem Weg zur EM in Frankreich. „Wir müssen unsere eigenen Stärken durchsetzen. Wenn wir das konzentriert angehen, werden wir auch gewinnen“, erklärte Anführer Löw im altehrwürdigen Ballroom A des Hotels „Intercontinental“ von Dublin. Allen Widrigkeiten zum Trotz will das deutsche Fußball-Nationalteam am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) gegen die kampfstarken Iren mit einem Sieg das Direktticket für die Europameisterschafts-Endrunde im kommenden Sommer buchen. „Wir wissen, worauf es ankommt“, sagte Löw.

Ob die komplizierte Vorbereitung, die Diskussion um „Motzki“ Mats Hummels, der Ausfall von Lukas Podolski oder die halbstündige Verspätung des Charterflugs am Mittwoch in die irische Hauptstadt: Das Selbstbewusstsein des Bundestrainers und seiner 22 Spieler ist durch nichts zu erschüttern. „Wir haben es immer geschafft, immer wenn es darauf ankam, im richtigen Moment zu fokussieren und Leistungen abzurufen“, erklärte Löw zum vorletzten Ausscheidungsmatch der Gruppe D. „Diesen Charakter hat die Mannschaft immer mitgebracht.“

Müller überragend, Gündoğan unersetzlich
Manuel Neuer (1)
1 von 12

Wenig beschäftigt. Der Münchner bekommt vier Bälle der Schotten auf sein Tor, davon sind zwei nach Standardaktionen drin. Bei beiden Treffern sieht er nicht gut aus. Beim zwischenzeitlichen 1:1 stellt er eine zu kleine Mauer und kann die Flanke nur an die Brust von Hummels abklatschen, der dann ein Eigentor verursacht. Beim 2:2 ist ihm offenbar kurz die Sicht verstellt, der Ball fliegt an seiner Hand vorbei. Das kann der Weltbeste besser.

Note: 4

Mats Hummels (5)
2 von 12

Pechvogel. Für den Ausgleichstreffer zum 1:1 kann der Verteidiger nichts, er kommt angerannt, die Faustabwehr von Neuer landet auf seiner Brust, er kann nicht reagieren, der Ball prallt ab ins Tor. Gute Zweikampfquote von über 70 Prozent, kommt dabei ohne Fouls aus. Einige Male auf dem Posten. Die Standards sahen defensiv aber wacklig aus.

Note: 3

Jérôme Boateng (17)
3 von 12

Solide. War wenig in der Abwehr nicht bis zum Anschlag beschäftigt, weil die Schotten kaum gefährlich vors Tor kamen. In der Schlussphase ist er zwei Mal zur Stelle und klärt sicher. Zeigte weniger seiner gefährlichen langen Bälle als noch gegen Polen.

Note: 3

Jonas Hector (3)
4 von 12

Ordentlich. Der Kölner ist gut integriert in das Passspiel auf der linken Seite, fällt aber im Gegensatz zum Polen-Spiel kaum auf. Er gewinnt die Hälfte seiner Zweikämpfe, was ausbaufähig ist für einen Verteidiger. Derzeit nach wie vor alternativlos auf seiner Abwehrseite.

Note: 3,5

Emre Can (14)
5 von 12

Licht und Schatten. Auf der rechten Abwehrseite beginnt der Spieler von Liverpool erneut unsicher. Er bestreitet die zweitmeisten Zweikämpfe, doch die entscheidenden verliert er in der ersten Hälfte. So verursacht er durch ungeschicktes Halten an der Strafraumgrenze den Freistoß, der zum Ausgleich führt. Auch die Ecke der Schotten, die anschließend das 2:2 bringt, geht auf sein Konto. Positiv dagegen sein satter Schuss, der zum 2:1 durch Müller führt.

Note: 4

Toni Kroos (18)
6 von 12

Sehr effizient. Der Madrilene ist die Schaltzentrale des deutschen Spiels. Kein anderer auf dem Platz ist so oft am Ball. Von seinen 133 Pässen kommen 131 an – eine fantastische Quote von 98,5 Prozent. Von seinen 21 Zweikämpfen gewinnt er mehr als die Hälfte, das ist ordentlich.

Note: 2,5

Bastian Schweinsteiger (7)
7 von 12

Durchschnittlich. Der Neuzugang von Manchester United hat nach Kroos die meisten Ballkontakte im deutschen Spiel, seine Passquote von 97 Prozent ist hervorragend. Doch er geht seltener als gewohnt in die Zweikämpfe. Und es fehlen die Aktionen, mit denen er das Spiel vorantreibt und dem Match seinen Stempel aufdrückt.

Note: 3,5

Nach der holprigen Vorbereitung ohne echtes Training vor der Abreise nach Irland konnte Löw immerhin am Mittwochabend bei perfekten Bedingungen im Aviva Stadium alle 22 Akteure zu einer Übungseinheit versammeln. Der 55-Jährige erwartet von seinem Personal „die gleiche Einstellung und Bereitschaft, natürlich auch die gleiche Leistung wie im September“. Da hatte das DFB-Team mit Siegen gegen Polen (2:1) und in Schottland (3:2) die Ausgangsposition vor dem Gruppenabschluss deutlich verbessert. Deutschland ist mit 19 Zählern Spitzenreiter vor Polen (17), Irland (15) und Schottland (11). „Wir haben zuletzt zweimal gut gespielt“, erinnerte Löw.

Der Bundestrainer will deshalb gegen Irland auf die Schottland-Elf setzen. „Es ist nicht damit zu rechnen, dass es viele Veränderungen gibt“, erklärte Löw im Dubliner Teamhotel. Auch Abwehrspieler Mats Hummels rechnet gegen die „leidenschaftliche Truppe“ von der Grünen Insel mit vielen Parallelen zum Spiel in Glasgow: „Ich erwarte eine ähnliche Begeisterung. Wir werden relativ viel den Ball haben.“ Aus dieser Überlegenheit will der Weltmeister Kapital schlagen.

Die hohe Belastung der Akteure und das Bundesliga-Spitzenduell Bayern gegen Dortmund vom vergangenen Sonntag würden zwar jetzt keine Rolle mehr spielen, verkündeten die Protagonisten. Doch Hummels verteidigte nochmals ausdrücklich seine kritischen Aussagen nach den jüngsten Partien von Borussia Dortmund. „Ich habe mit keinem Wort eine Grenze überschritten. Ich habe keine unlauteren Worte benutzt, sondern lediglich auf einen taktischen Fehler hingewiesen“, sagte Hummels.

„Ein Kapitän kann solche Kritik äußern“
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