EM-Teilnahme Löw will Schweinsteiger „keineswegs abschreiben“

Der Fall Schweinsteiger erinnert an das Karriereende von Ex-Capitano Ballack. Der hatte 2010 wegen einer Verletzung die WM verpasst. Der Unterschied: Der aktuelle Kapitän hat noch „ein bisschen Zeit“, um fit zu werden.
Hält an seinem „emotionalen Leader“ Bastian Schweinsteiger (l.) fest: Bundestrainer Joachim Löw. Quelle: dpa
Joachim Löw und Bastian Schweinsteiger

Hält an seinem „emotionalen Leader“ Bastian Schweinsteiger (l.) fest: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

BerlinNoch ist die EM-Tür nicht ganz zu für den erneut am rechten Knie verletzten Routinier Bastian Schweinsteiger. Doch die Ungewissheit, ob der 31 Jahre alte Kapitän noch einmal den Kraftakt schafft und rechtzeitig zur Europameisterschaft ins Weltmeisterteam zurückkommt, zwingt den Bundestrainer zum Umplanen - auch in Richtung Frankreich. „Es ist noch ein bisschen Zeit und sicher noch was möglich“, sagte Nationalspieler Thomas Müller zwei Tage vor dem ersten Länderspiel des Jahres am Samstag (20.45 Uhr) gegen England. Als Führungskraft sei Schweinsteiger wichtig. Und das unabhängig davon, ob er schon zum ersten Spiel fit sei, ergänzte Müller.

Der Fall Schweinsteiger erinnert an 2010. Damals musste Kapitän Michael Ballack kurz vor der WM-Endrunde in Südafrika wegen einer schweren Sprunggelenkverletzung passen. Für den Ex-Capitano was es der Anfang vom Ende seiner DFB-Karriere und für die Nationalelf zunächst eine Katastrophe. „Ich weiß, dass Joachim Löw alles versuchen wird, ihn mitzunehmen“, sagte Ballack der „Welt“ nun zum Fall Schweinsteiger.

Es droht die EM ohne Zuschauer
Die konkrete Bedrohung
1 von 10

Nach den Terroranschlägen von Brüssel ist das für kommenden Dienstag geplante Test-Länderspiel der belgischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal abgesagt worden. Sicherheitserwägungen hätten zu dieser Vorsichtsmaßnahme geführt, teilte der belgische Verband am Mittwoch mit. Die Stadt Brüssel habe um die Absage des Spiels gebeten. Die Partie sollte ursprünglich in der belgischen Hauptstadt ausgetragen werden, als Spielstätte war das König-Baudouin-Stadion vorgesehen. Es wird immer klarer: Die Sicherheitslage für die Europameisterschaft ist ein kritisches wie dringliches Thema.

Die Ausgangslage
2 von 10

Frankreichs Behörden wollen jedem Zweifel entgegentreten: Die Fußball-Europameisterschaft findet statt - und es wird alles getan, um Spieler und Fans zu beschützen. Sportminister Patrick Kanner wiederholt wie ein Mantra, dass kein Sportereignis dieser Größenordnung Frankreich jemals so stark geschützt worden sei.

Steht die EM jetzt infrage?
3 von 10

Die Gastgeber sagen Nein. „Das wäre eine Niederlage, damit würde man den Terroristen einen Sieg geben“, sagte Premierminister Manuel Valls dem Radiosender Europe 1. Frankreich habe mit der UN-Klimakonferenz wenige Tage nach den Pariser Anschlägen bewiesen, dass es solche Großereignisse stemmen kann. „Wir wiederholen es seit mehreren Monaten, die terroristische Bedrohung war von Anfang an Teil unserer Überlegungen“, erklärte Sport-Staatssekretär Thierry Braillard der Zeitung „L'Équipe“.

Wird es eine EM ohne Zuschauer geben?
4 von 10

Immer wieder wird darüber gesprochen, ob Spiele notfalls vor leeren Rängen stattfinden könnten. EM-Chef Jacques Lambert hatte Anfang März gesagt, diese Option werde nicht in Erwägung gezogen. Nun fachte UEFA-Vizepräsident Giancarlo Abete die Debatte neu an. „Das Risiko von Partien hinter verschlossenen Türen existiert immer, weil es um einen Wettbewerb geht, der um jeden Preis stattfinden soll“, sagte er nach den Brüsseler Anschlägen dem italienischen Sender Radio 24. „Man kann keine Spiele auf andere Tage verschieben, weil in einem Turnier alles davon abhängt, dass festgelegte Daten eingehalten werden.“ Lambert schloss nun nicht aus, dass solche Szenarien für den Notfall existieren. Er betonte jedoch in einem Interview, dies sei absolut nicht das Ziel - „das wäre eine offenkundige Absurdität“.

Wie ist die Sicherheitslage in Frankreich?
5 von 10

Das Land steht noch immer unter dem Eindruck der blutigen Terroranschläge des vergangenen Jahres. Die Behörden warnen, die Bedrohung sei noch nie so hoch gewesen. Nach wie vor gilt der Ausnahmezustand, der den Behörden Sonderrechte gibt. Im Alltag zeigt sich die Alarmstufe vor allem durch mehr Polizeipräsenz zum Beispiel in Bahnhöfen, in Paris auch durch die Militärpatrouillen an gefährdeten Orten wie dem Eiffelturm und strengere Kontrollen an öffentlichen Gebäuden - ansonsten herrscht aber Normalität.

Werden die EM-Stadien zur Festung?
6 von 10

In jedem Fall müssen Fans Geduld mitbringen: Jeder Zuschauer soll durchsucht werden. Die Stadien sollen konsequent abgeriegelt werden, nach einem Bericht von „L'Équipe“ könnten Metalldetektoren und Drohnen genutzt werden. Die Polizei hat demnach Urlaubssperre. Die UEFA will 10 000 private Sicherheitsleute engagieren. Einen Vorgeschmack gab es, wie hier, schon beim Rugby.

Strenge Kontrollen, gelassene Fans
7 von 10

Das Spiel zwischen Frankreich und Italien im Februar war die erste Sportveranstaltung im Stade de France, seitdem sich am 13. November während des Fußballspiels zwischen Frankreich und Deutschland drei Selbstmordattentäter nahe des Stadions in die Luft gesprengt hatten. Fans sollten frühzeitig zum Stadion kommen, die Zahl der Polizisten wurde verdreifacht, beim Sicherheitsdienst standen statt sonst 750 etwa 900 Mitarbeiter bereit, Spürhunde und Scharfschützen wachten am Stadion.

Schweinsteiger zog sich 80 Tage vor dem EM-Start in Frankreich einen Innenbandteilriss im rechten Knie zu. „Wer ihn zu früh abschreibt, macht einen Fehler. Er hat schon viele Verletzungen, viele Rückschläge erlitten. Es liegt jetzt alles an ihm, sich noch einmal voll zu pushen. Die Motivation traue ich ihm ohne Weiteres zu“, bemerkte Ballack.

Auch Löw will seinen „emotionalen Leader“ für die EM ab 10. Juni noch „keineswegs abschreiben“. Im Testspiel gegen England sind die Alternativen für das Duo Sami Khedira und Toni Kroos, die wohl beginnen werden, im aktuellen Kader nicht üppig. Der Leverkusener Christoph Kramer sucht seine Topform. Sebastian Rudy und Emre Can, die in ihren Clubs diese Position auch schon ausfüllten, ordnet Löw eher der Abwehr zu. „Viel ändert sich nicht. Ob ich fünf Meter weiter vorne oder hinten spiele, ist nicht entscheidend“, erklärte Real-Madrid-Star Kroos zu seiner Rolle ohne Schweinsteiger.

Der Dortmunder Ilkay Gündogan musste wegen einer Fußblessur für den Klassiker-Doppelpack absagen. Ein Comeback von Ex-Kapitän Philipp Lahm haben der Münchner selbst und auch Löw ausgeschlossen. „Ich weiß, das Philipp Lahm nicht zu einer Rückkehr zu bewegen ist“, erklärte der DFB-Coach. Juventus-Profi Khedira soll jetzt eine Chefrolle besetzen. „Ich bin froh, dass er einen guten Rhythmus hat“, sagte Löw.

Schweinsteiger selbst hat der Rückschlag hart getroffen. „Mit dem Bundestrainer habe ich mich über meine Situation unterhalten, in den kommenden Wochen werden wir im engen Austausch bleiben“, äußerte er sich in einer Erklärung des DFB.

Eine Alternative für Löws Mittelfeld-Schaltzentrale wäre der Münchner Joshua Kimmich, den Löw vorrangig als einen Spieler „für die zentrale Position 6 oder 8“ einordnete. Zuletzt war das 21 Jahre alte Bayern-Talent mit guten Leistungen als Abwehrmann aufgefallen. „Es wird spannend werden, die jungen Spieler drängen nach vorne“, sagte Löw. Für die England-Partie und das Spiel gegen Italien muss der Weltmeistercoach aber zumindest kurzfristig andere Lösungen finden.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: EM-Teilnahme - Löw will Schweinsteiger „keineswegs abschreiben“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%