Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Eröffnungsspiel in München, Finale in Berlin Innerdeutsches Duell vor dem ersten Anpfiff

Bei der Vergabe der WM-Spiele wollte jeder der zwölf Austragungsorte ein möglichst großes Stück vom Kuchen abbekommen. Das sorgte insbesondere zwischen den beiden Metropolen München und Berlin für Missstimmung.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Einen "Schlag ins Gesicht der Fußballfans" sah Münchens Oberbürgermeister Christian Ude in der Entscheidung, einen Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel in der bayerischen Landeshauptstadt das Fußballfest mit einer separaten Eröffnungsfeier in den fernen Hauptstadt Berlin einzuläuten. Doch ein Jahr vor der WM haben sich die Wogen geglättet - beide Großstädte konzentrieren sich nun auf die Herausforderungen und Chancen "ihrer" Titelkämpfe. Und auch beim Zukunftsprojekt Olympia-Bewerbung sind keine Reibereien zu erwarten: Berlin spekuliert auf Sommer-, München auf Winterspiele.

Für Berlin hat die WM weit über den Sport hinaus historische Bedeutung. Mit der Weltpremiere der Feier des Weltverbandes FIFA im Olympiastadion am 8. Juni 2006 kommt der Hauptstadt von Anfang an ein besonderer Rang zu. Das Endspiel im Berliner Olympiastadion soll vier Wochen später am 9. Juli der glanzvolle Schlusspunkt der großen Show sein. "Die WM mit dem Finale in Berlin ist eine nicht wiederkehrende Chance, sich in aller Welt als Hauptstadt Deutschlands und als gastfreundliche, internationale und tolerante Stadt zu präsentieren", sagt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Berlin, das auch zum deutschen Kommunikationszentrum der WM wird, kann Herz und Seele des Turniers werden. Eine glückliche Entscheidung für die Stadt traf Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit der Auswahl des Schlosshotels im Grunewald als festes WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft. Die (Fußball-) Welt wird auf Berlin blicken.

Das zweitwichtigste Sportereignis der Welt nach Olympia beschert Berlin auch eine große politische Chance. Die deutsche Hauptstadt kann das politisch belastete Bild der von den Nazis missbrauchten Olympischen Spiele von 1936 nicht streichen, aber doch verblassen lassen. Gleichzeitig kann das wiedervereinigte Berlin nach seiner kläglichen Bewerbung um Olympia 2000 nun doch noch Mrd. Zuschauern in der ganzen Welt sein neues Gesicht zeigen.

"Deutschland erhält die einmalige Chance, sich im allerbesten Licht als weltoffenes Land darzustellen", sagte Bundesinnenminister Otto Schily zur separaten Eröffnungsfeier - und nannte die bayerisch- preußischen Konflikte um den WM-Auftakt kleinkariert. Die Botschaft kam offenbar an: München, das noch 1974 bei der letzten WM im Lande Schauplatz des Finalsiegs der Deutschen gegen die Niederlande (2:1) war, will sich 2006 erneut als Fußball-Hauptstadt präsentieren.

Dazu sollen nicht nur die sechs WM-Partien im neuen Stadionrund beitragen: "Vier Wochen Party", so lautet das ehrgeizige Motto der lokalen Organisatoren. 2,4 Mill. ? lässt sich die Stadt ihr WM-Begleitprogramm kosten. Zum Zentrum der Fete wurde der Olympiapark auserkoren, auf dessen 850 000 Quadratmeter großem Areal ein Open- Air-Fan-Park entstehen soll. Dazu beherbergt München das Hauptpressezentrum, aus dem insbesondere die elektronischen Medien ihre WM-Berichterstattung präsentieren.

Trotz 50 Mrd. ? Schulden holte auch der Berliner Senat für das große Ereignis gut 80 Mill. ? aus der leeren Staats- Schatulle. 46 Mill. ? davon flossen neben den 196 Mill. ? vom Bund in die Komplettsanierung des Olympiastadions, etwa 30 Mill. ? sind für weitere WM-Maßnahmen in der Infrastruktur am und rund um das wunderschön restaurierte Olympiastadion vorgesehen.

Berlin hat seine Chance erkannt und die Hausaufgaben gewissenhaft erledigt. Die Wirtschaft hat mitgezogen. Der Tourismus boomt schon jetzt und treibt mit der WM die Rekordzahlen des Vorjahres von erstmals mehr als 13 Mill. Übernachtungen weiter in die Höhe. Im kommenden Fußball-Jahr bietet Berlin seinen Gästen erstmals mehr als 80 000 Hotelbetten. Auch verkehrstechnisch ist Berlin reif für die WM. Zudem will sich die Stadt im ansehnlichen, vom Innenministerium mit 30 Mill. ? finanzierten Kulturprogramm seine erste Tabellenposition in der Liga der zwölf deutschen WM-Städte nicht nehmen lassen. Die Spitze internationaler Künstler, Schauspieler und Musiker tritt in Berlin auf.

In München will das Referat für Arbeit und Wirtschaft nach der Auslosung der Gruppenspiele am 9. Dezember das WM-Fieber richtig schüren. Auf ihrer Homepage (www.muenchen.de) hat die bayrische Landeshauptstadt eigens einen Link zur WM eingerichtet. Denn eine Studie im Rahmen der EM 2004 in Portugal hat ergeben, dass WM- Touristen sich "frühzeitig und vorrangig" via Internet über die Spielorte informieren. Die WM soll ausländische Touristen und Investoren für München begeistern. Denn auch nach der WM soll ein München-Besuch "in" sein: 2008 findet die 850-Jahr-Feier statt, und 2010 steigt das 200. Oktoberfest.

Startseite
Serviceangebote