Ex-Fifa-Vize Warner „Nicht mal der Tod wird die Lawine stoppen“

Er steht selbst unter Korruptionsverdacht, doch Jack Warner gibt sich keineswegs kleinlaut. Der ehemalige Fifa-Vize aus Trinidad und Tobago erhebt schwere Vorwürfe. So habe die Fifa seine Partei finanziert.
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„Die Handschuhe sind ausgezogen“ – unter diesem Motto sprach der Ex-Fifa-Offizielle Jack Warner am späten Mittwochabend in Trinidad und Tobago zu Parteianhängern. Quelle: Reuters
Ex-Fifa-Mann Jack Warner

„Die Handschuhe sind ausgezogen“ – unter diesem Motto sprach der Ex-Fifa-Offizielle Jack Warner am späten Mittwochabend in Trinidad und Tobago zu Parteianhängern.

(Foto: Reuters)

Port of SpainJack Warner poltert wieder. Der selbst unter massivem Korruptionsverdacht stehende ehemalige FIFA-Vizepräsident behauptet, es gebe Verbindungen zwischen der FIFA und dem Parlamentswahlen 2010 in seiner Heimat Trinidad und Tobago.

Ex-Vizepräsident Jack Warner hat mit Behauptungen auch gegen Noch-Verbandschef Joseph Blatter im Korruptionsskandal der FIFA nachgelegt. Laut Warner soll der Fußball-Weltverband seine Independent Liberal Party auf Trinidad und Tobago im Wahlkampf vor fünf Jahren finanziell unterstützt haben. FIFA-Funktionäre hätten davon gewusst, darunter auch Blatter, behauptete Warner in einer vorangegangenen achtminütigen Ansprache im Fernsehen. „Nicht mal der Tod wird die Lawine stoppen, die kommt“, prophezeite der 72-Jährige vor Anhängern auf Trinidad: „Die Würfel sind gefallen.“

Die entsprechenden Schecks und anderes Beweismaterial habe er an seine Anwälte übergeben, schrieb die Zeitung „Trinidad and Tobago Guardian“. Er habe Angst um sein Leben, meinte Warner und entschuldigte sich, sein Wissen über die angeblichen Vorgänge nicht vorher schon öffentlich gemacht zu haben. Nach seinem Ausschluss aus dem FIFA-Machtzirkel im Jahr 2011 hatte er bereits einen „Tsunami“ an brisanten Informationen angekündigt - allerdings ohne Taten folgen zu lassen.

Warner war in der vergangenen Woche in seinem Heimatland kurzfristig festgenommen worden. Gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar kam er wieder auf freien Fuß. Der ehemalige Minister für Sicherheit in Trinidad und Tobago gehört zu denjenigen, denen von der US-Justiz Korruption, Verschwörung und organisiertes Verbrechen vorgeworfen wird. Die USA haben auch die Auslieferung Warners beantragt. Amtshilfe soll dabei Interpol leisten.

Warner wurde bei in der Aussage des früheren FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieds Chuck Blazer, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, namentlich allerdings nicht genannt. Dem Vernehmen nach soll der einstige FIFA-Vizepräsident aber der Mitverschwörer sein, der Schmiergeld vom späteren WM-Gastgeber (2010) Südafrika erhalten haben soll.

Nachdem er von Blatters Rücktrittsankündigung am vergangenen Dienstag gehört habe, habe er dem Schweizer in einem Brief den sofortigen Rücktritt nahegelegt, berichtete Warner und fabulierte etwas nebulös: „Blatter weiß, warum er gefallen ist. Und wenn es jemand anderes weiß, bin ich es.“

Derartige Warner-Attacken auf Blatter sind nicht neu. Vor wenigen Tagen erst hatte er nach der Wiederwahl Blatters Ermittlungen gegen den scheidenden FIFA-Chef gefordert. „Kein anderer hat so viel Schande über die FIFA gebracht“, hatte Warner, der 2011 im Zuge eines anderen Korruptionsskandals von seinem Amt als FIFA-Vize zurückgetreten war, in einem Interview des Magazin „stern“ gesagt.

Keine Lichtgestalt für die Fifa in Sicht
Joseph Blatter
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Nach dem Rücktritt des Fifa-Chefs sprießen die Gerüchte um seine Nachfolge: Viele Namen werden genannt, doch kaum ein gehandelter Kandidat erscheint realistisch auf dem Fußballthron. Außerdem bietet kaum einer der potenziellen Fußballkönige einen wirklichen Neuanfang. Die Kandidaten.

Zwei Kandidaten
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Ein Team? Fifa-Päsident Sepp Blatter (Mitte) mit Uefa-Chef Michel Platini (links) und Franz Beckenbauer 2007 bei einem Benefizspiel der Fifa: Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Blatter ist jedoch viel länger und vielfältiger.

Franz Beckenbauer
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Seine Popularität nutzte der „Kaiser“ bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen – auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt. Ob er überhaupt antreten würde, ist fraglich.

Uefa-Chef Michel Platini
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Michel Platini steht seit 2007 an der Spitze der Uefa, des europäischen Fußballverbands. Doch eine weltweite Unterstützung für den zuletzt Blatter-kritischen Platini erscheint zumindest derzeit fraglich. Denn er ist vorbelastet: Schließlich war er an der Vergabe der WM nach Russland beteiligt. Außerdem ist sein Sohn für Katar aktiv. Und er war lange ein enger Vertrauter von Blatter, also Teil des alten Fifa-Systems. Dennoch stehen die Chancen für einen europäischen Kandidaten nicht schlecht...

Wolfgang Niersbach
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DFB-Chef Wolfgang Niersbach (64) spielt sich mit solchen Sätzen auch nicht gerade in den Vordergrund: „Das ist noch alles so frisch, ich gehe davon aus, dass diese neue Situation auch ganz neu bewertet werden muss“, sagte Niersbach nach dem Blatter-Rückzug. Dabei müsse man sich auch mit der Frage beschäftigen, ob Europa und die UEFA „einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken“. Er selbst ist damit ja wohl nicht gemeint. Wer dann?

Luis Figo
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Im Vorfeld der Wiederwahl Blatters am vergangenen Freitag hatte der ehemalige Weltfußballer Luis Figo (42) eine Kandidatur vorbereitet – diese dann aber, genau wie der Niederländer Michael van Praag, zurückgezogen. „Wir sollten verantwortlich und ruhig eine gemeinsame weltweite Lösung finden finden.“ Mit dieser unschlüssigen Haltung hat er öffentlich jedenfalls nicht gepunktet.

Prinz Ali bin Al Hussein
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Prinz Ali hatte die Wahl zum Fifa-Präsidenten am Freitag mit 73:133 Stimmen gegen Blatter verloren. Theoretisch steht er nach dem Rücktritt des Schweizers zwar für Neuwahlen bereit. Ex-DFB Chef Theo Zwanziger hält den jordanischen Prinzen Ali bin Al Hussein (39) aber für keinen geeigneten Nachfolger Blatters. „Das ist ein junger, relativ unerfahrener Mann, der in dem gleichen System, was vorher bestand, von den Konföderationen gesteuert worden wäre.“

  • dpa
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  • Warum kann man das Ding nicht beim Namen nenen? Das System FIFA existiert nun mehr als 30 Jahre und kein Staat hat je ernsthaft ermittelt...Jetzt kommt die US Regierung auf die Idee, man könnte ja mal den ganzen Laden sprengen...Gut so...Aber mit welchem Recht klagt die USA nicht US Bürger an? Der Stammsitz der FIFA ist in der Schweiz!!! und nicht USA...
    Jeder der 1 + 1 zusammenzählen kann, muß zu dem Schluss für die plötzliche Initiative der USA kommen: Russland soll gezeigt werden wer die Macht hat, sogar im Bereich Fußball und die USA wird gezielt alles tun von NSA bis zu Staaten mit freundlichen Hinweis auf die Akten, Russland die WM 2018 wegzunehmen...Nach dem Prinzip: Alles was Russland schadet nützt uns...Und schon wieder hat sich das Spähprogrammm der NSA ausbezahlt...Keiner der FIFA Mitglieder kann doch nicht sicher sein, von der USA abgehört zu werden...Die Regierungsmitglieder werden es ja bereits...Da zeigt sich die enorme Sprengkraft der Spionage-Abhör-Angriffe...Ich persönlich möchte der USA keine lauteren Absichten unterstellen, sondern hier wird gezielt mit den cyber-Muskeln gespielt...Die Chinesen und Russen werden zum Gegenschlag rüsten...!!!

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