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FC Bayern und Katar Geld schlägt Menschenrechte

Der kleine Wüstenstaat Katar hat die große Fußballwelt fest im Griff. Selbst stolze Klubs wie der FC Bayern München verneigen sich vor den reichen Scheichs – und das immer wieder. So unpassend das auch ist. Ein Kommentar.
Bayern-Spieler Thiago posiert in Katar mit Fans. Quelle: dpa
Trainingslager

Bayern-Spieler Thiago posiert in Katar mit Fans.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Natürlich wissen die Bosse des FC Bayern, was sie tun, wenn sie ihr Winter-Trainingslager ausgerechnet im Wüstenstaat Katar aufschlagen. Schon in den Vorjahren hagelte es Kritik deswegen, weil Menschenrechte in diesem Teil der Welt wenig bis gar nicht beachtet werden. Es wäre leicht gewesen, die neue Kritikwelle zu vermeiden – durch den Ausflug in einen anderen Teil der Welt.

Warum sind die Bayern trotzdem nach Katar gefahren? Die offiziellen Erklärungen dafür klingen merkwürdig hohl und wie abgesprochen. Es ist im Winter warm und angenehm dort, lautet das Hauptargument. Und die Augen wollen die Bayern-Stars auch nicht verschließen, wenn sie durch Katar laufen, sagt zumindest ihr Kapitän Philipp Lahm.

Sein Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge tut dabei so, als gehe es bei diesem Trainingslager nur um die sportliche Vorbereitung für die Rückrunde in der Bundesliga. Das ist eine durchsichtige Taktik: Wer so lange im Fußballgeschäft ist wie Bayern-Boss Rummenigge, der weiß, dass jegliche Aktion seines Vereins eine Signalwirkung entfaltet.

Es ist dabei völlig egal, ob die Bayern nun etwas tun oder nicht tun, bemerkt wird es in jedem Fall. Das ist auch bei dem umstrittenen Trainingslager in Katar so. Der FC Bayern ist schließlich der mitgliederstärkste Fußballverein – mit einer gewaltigen Fanbasis auf der ganzen Welt. Der Klub ist ein Vorbild für Millionen Menschen.

Wenn dieser Verein trotz scharfer und offensichtlicher Kritik an den Zuständen in Katar in dieses Land fährt, dann ist dies als Verbeugung vor den dortigen Machthabern zu werten. Und vor deren Geld, das inzwischen in unzähligen Fußballaktivitäten steckt. Das ist die schlüssigste Erklärung für das Beharrungsvermögen der Bayern-Führung.

Katar hat es in den letzten Jahren geschafft, die wichtigen Figuren der Sportwelt gnädig für eigene Interessen zu stimmen. Wie die Scheichs das im Einzelfall hinbekommen haben, ist nicht bekannt. Doch die Ergebnisse ihrer Bemühungen sprechen für sich. Immer mehr wichtige und große Sportveranstaltungen werden in Katar abgehalten. Die wichtigste davon wird die WM 2022 sein.

Was ist die Gegenleistung der Scheichs?

Die Besten der Bundesliga
Knapp geschlagen
1 von 16

Der Torgarant der Liga, BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, kam auf 23 Prozent. Das reichte für den zweiten Platz.

(Foto: ap)
Bester Feldspieler
2 von 16

Der Bayern-Stürmer Douglas Costa erhielt in der traditionellen Umfrage des Fachmagazins „Kicker“ 30,3 Prozent der Stimmen von insgesamt 244 Bundesligaspielern. Sieger im Sommer 2015 war Kevin De Bruyne (52,5 Prozent), der inzwischen für Manchester City kickt.

(Foto: AFP)
Bester Torhüter
3 von 16

Dauersieger ist Weltmeister Manuel Neuer (31,6 Prozent). Auch im Sommer sowie in den beiden Umfragen davor hatte er vorn gelegen.

(Foto: dpa)
Trainer – Gewinner
4 von 16

Gewinner unter den Trainern wurde der Gladbacher Andre Schubert (35,2 Prozent). Schubert hatte den Chefposten bei Borussia Mönchengladbach übernommen, weil Lucien Favre zurückgetreten war. Zunächst war er Interimstrainer, später wurde er zum Chefcoach befördert – nicht zuletzt, weil er eine einzigartige Siegesserie in der Bundesliga hinlegte.

(Foto: dpa)
Trainer – Verlierer
5 von 16

Alexander Zorniger vom VfB Stuttgart agierte zwar mutig, aber am Ende sehr glücklos. Sein Team spielte tollen Fußball nach vorn, machte aber hinten nicht dicht. Das kostete ihn am Ende den Job. 44,3 Prozent der Fußballprofis in den 18 Bundesligavereinen sahen ihn deshalb als Verlierer.

(Foto: dpa)
Aufsteiger der Saison
6 von 16

Dieses Attribut erhielt der Schalker Stürmer Leroy Sané (22,1 Prozent), der mit seinen Dribblings, Toren und Vorlagen für Furore sorgte. Inzwischen wird sein Marktwert auf mehr als 50 Millionen Euro taxiert, wenn man den Transfergerüchten glauben darf.

(Foto: dpa)
Absteiger der Hinrunde
7 von 16

In dieser Kategorie lieferten sich zwei Dortmunder Spieler ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende gewann der Verteidiger Neven Subotic (10,2 Prozent) vor Mats Hummels (9,0 Prozent). Beide waren vor Jahren ein eingespieltes Verteidiger-Duo, das dem BVB zwei Meisterschaften sicherte. Als Absteiger gilt – trotz des positiven Abschlusses zur Winterpause – ebenfalls der Leverkusener Stefan Kießling (9,0 Prozent).

(Foto: dpa)

Gerade um die Vergabe der WM 2022 ranken sich seit Jahren viele dunkle Gerüchte. Doch das hindert offenbar die Größen der Fußballwelt überhaupt nicht, die Scheichs aus Katar weiter zu umgarnen. Und sei es nur durch ein Trainingslager und ein paar Trainingsspielchen. Fragt sich nur: Was ist die Gegenleistung der Scheichs für so viel Entgegenkommen der Bayern?

Die Erklärung für Zugeständnisse der Bayern an Katar wird – wie so oft – vielleicht erst in vielen Jahren auf dem Tisch liegen, etwa durch den einen oder anderen Sponsoringdeal – auf welcher Ebene auch immer. Oder überraschend aufgetauchte Dokumente oder Zeugenaussagen. Und erinnern wird man sich bei dieser Gelegenheit dann vielleicht auch wieder an die vielen kleinen Merkwürdigkeiten, bei denen Katar eine Rolle spielte.

Eine davon ist die Geschichte, die Karl-Heinz Rummenigge passierte, als er am 7. Februar 2013 aus Katar nach Deutschland zurückkehrte. Zwei Rolex-Uhren hatte er da im Gepäck, die er nicht verzollte. Die Uhren habe er von einem Freund geschenkt bekommen, gab er nach Berichten der „Bild“ und des „Focus“ an.

Das Geschenk war nicht billig, denn es brachte dem Vorstandsvorsitzenden der Bayern eine Geldstrafe von 249.900 Euro ein, wie die „SZ“ berichtete. Mit der Folge, dass Rummenigge wegen des Zollvergehens nun vorbestraft ist, wie der Landshuter Oberstaatsanwalt bestätigte. Ein Kavaliersdelikt war die Geschichte also nicht.

Selbst die sehr scharfe Fifa-Ethikkommission interessierte sich für den Fall und forderte eine Stellungnahme bei Rummenigge an. Weitere Konsequenzen hat die merkwürdige Geschichte jedoch bisher nicht gehabt. Beobachter bleiben nur zurück mit einem komischen Gefühl und der Frage: Steckt noch mehr hinter dem großzügigen Geschenk? Und war es ein Einzelfall?

Letzteres ist schwer zu glauben, weil die Bayern-Größen ihre Kontakte nach Katar seit vielen Jahren pflegen. Franz Beckenbauer riskierte in diesem Zusammenhang sogar mal eine Strafe der Fifa, weil er nicht rechtzeitig Auskünfte über Vorgänge erteilte, in denen Katar eine Rolle spielte.

Wenn die interessanten Vorgänge rund um Katar eines beweisen, dann dies: Geld schlägt Menschenrechte. Natürlich: Fußball ist ein gewaltiges Geschäft. Wer oben bleiben will, braucht jeden Euro und jeden potenten Helfer. Dennoch dürfen die Macher in Verbänden und Klubs nicht vergessen, wem sie ihren Reichtum am Ende wirklich verdanken: Millionen Menschen, die nicht nur den Fußball lieben, sondern auch an Fairness und Gerechtigkeit glauben.

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