Fifa-Skandal Warner will Blatter nicht belasten

Jack Warner gilt als Schlüsselfigur im Fifa-Korruptionsskandal. Kürzlich hatte er eine „Lawine“ angekündigt, sollte er sein Wissen über den Weltverband publik machen. Davon ist er inzwischen wieder abgerückt.
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Warner war der frühere Chef des Fußballverbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF). Die US-Justiz beschuldigt ihn der Korruption, Verschwörung sowie des organisierten Verbrechens. Quelle: AFP
Joseph Blatter und Jack Warner

Warner war der frühere Chef des Fußballverbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF). Die US-Justiz beschuldigt ihn der Korruption, Verschwörung sowie des organisierten Verbrechens.

(Foto: AFP)

Port-of-Spain/OsloDer umstrittene Fifa-Präsident Joseph Blatter hat offenbar keine pikanten Enthüllungen seines früheren Vizes Jack Warner zu befürchten. „Ich habe 30 Jahre mit Blatter zusammengearbeitet. Ich weiß, was Loyalität ist. Wenn ein Kerl am Boden liegt oder scheinbar am Boden liegt, werde ich ihn nicht noch weiter herunterdrücken. Ich werde ihm die helfende Hand geben“, sagte Warner, der als Schlüsselfigur im großen Fifa-Korruptionsskandal gilt. Noch vor zwei Wochen hatte Warner eine „Lawine“ angekündigt, sollte er sein Wissen über die Fifa publik machen.

Davon scheint Warner inzwischen abgerückt zu sein. „Es gibt Menschen in diesem Land, die andere Menschen gerne dämonisieren. Ich bin nicht so. Ich habe nichts, was ich über Blatter offenbaren möchte“, ergänzte Warner, der sich gerne als Wohltäter gibt und arme Leute mit Geld unterstützt. Dieses Geld sei aber nicht von der Fifa. „Ich habe mein eigenes Geld“, betonte der 72-Jährige.

Warner ist einer von 14 Fußball-Spitzenfunktionären weltweit, gegen die die US-Justiz ermittelt. Die US-Behörden haben einen Auslieferungsantrag für Warner gestellt, der in seiner Heimat nach Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 2,5 Millionen Dollar frei ist.

Warner war der frühere Chef des Fußballverbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF). Die US-Justiz beschuldigt ihn der Korruption, Verschwörung sowie des organisierten Verbrechens. Warner hat alle Anschuldigungen zurückgewiesen.

Nobel-Friedenszentrum beendet Zusammenarbeit

Keine Lichtgestalt für die Fifa in Sicht
Joseph Blatter
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Nach dem Rücktritt des Fifa-Chefs sprießen die Gerüchte um seine Nachfolge: Viele Namen werden genannt, doch kaum ein gehandelter Kandidat erscheint realistisch auf dem Fußballthron. Außerdem bietet kaum einer der potenziellen Fußballkönige einen wirklichen Neuanfang. Die Kandidaten.

Zwei Kandidaten
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Ein Team? Fifa-Päsident Sepp Blatter (Mitte) mit Uefa-Chef Michel Platini (links) und Franz Beckenbauer 2007 bei einem Benefizspiel der Fifa: Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Blatter ist jedoch viel länger und vielfältiger.

Franz Beckenbauer
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Seine Popularität nutzte der „Kaiser“ bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen – auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt. Ob er überhaupt antreten würde, ist fraglich.

Uefa-Chef Michel Platini
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Michel Platini steht seit 2007 an der Spitze der Uefa, des europäischen Fußballverbands. Doch eine weltweite Unterstützung für den zuletzt Blatter-kritischen Platini erscheint zumindest derzeit fraglich. Denn er ist vorbelastet: Schließlich war er an der Vergabe der WM nach Russland beteiligt. Außerdem ist sein Sohn für Katar aktiv. Und er war lange ein enger Vertrauter von Blatter, also Teil des alten Fifa-Systems. Dennoch stehen die Chancen für einen europäischen Kandidaten nicht schlecht...

Wolfgang Niersbach
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DFB-Chef Wolfgang Niersbach (64) spielt sich mit solchen Sätzen auch nicht gerade in den Vordergrund: „Das ist noch alles so frisch, ich gehe davon aus, dass diese neue Situation auch ganz neu bewertet werden muss“, sagte Niersbach nach dem Blatter-Rückzug. Dabei müsse man sich auch mit der Frage beschäftigen, ob Europa und die UEFA „einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken“. Er selbst ist damit ja wohl nicht gemeint. Wer dann?

Luis Figo
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Im Vorfeld der Wiederwahl Blatters am vergangenen Freitag hatte der ehemalige Weltfußballer Luis Figo (42) eine Kandidatur vorbereitet – diese dann aber, genau wie der Niederländer Michael van Praag, zurückgezogen. „Wir sollten verantwortlich und ruhig eine gemeinsame weltweite Lösung finden finden.“ Mit dieser unschlüssigen Haltung hat er öffentlich jedenfalls nicht gepunktet.

Prinz Ali bin Al Hussein
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Prinz Ali hatte die Wahl zum Fifa-Präsidenten am Freitag mit 73:133 Stimmen gegen Blatter verloren. Theoretisch steht er nach dem Rücktritt des Schweizers zwar für Neuwahlen bereit. Ex-DFB Chef Theo Zwanziger hält den jordanischen Prinzen Ali bin Al Hussein (39) aber für keinen geeigneten Nachfolger Blatters. „Das ist ein junger, relativ unerfahrener Mann, der in dem gleichen System, was vorher bestand, von den Konföderationen gesteuert worden wäre.“

Derweil hat das norwegische Nobel-Friedenszentrum die Zusammenarbeit mit der Fifa beendet. Die Osloer Stiftung verkündete am Montagabend, die Initiative „Handschlag für den Frieden“ nicht mehr gemeinsam weiterführen zu wollen.

Stattdessen will das Friedenszentrum, das über die Nobelpreisträger und ihre Arbeit informiert, mit dem norwegischen Fußballverband über ein Fortbestehen der Initiative sprechen. „Wir glauben immer noch an die Initiative „Handschlag für den Frieden“, und wollen, dass sie in Zukunft weiterlebt“, erklärte der Direktor des Friedenszentrums, Bente Erichsen, in einer Mitteilung.

Mit der Kampagne hatten der Verband und das Nobelzentrum Respekt und Fairplay fördern wollen, indem sich die Kapitäne beider Mannschaften und der Schiedsrichter vor und nach Fifa-Turnieren die Hand geben. Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 war die symbolische Geste Teil des offiziellen Spielprotokolls gewesen.

Die FIFA reagierte in einer Stellungnahme „enttäuscht“ über die Maßnahme. Diese Aktion verkörpere nicht den Fairplay-Gedanken, zumal sie Schlüsselwerte wie Friedensaufbau und Antidiskriminierung behindere.

  • dpa
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