Fußball Bayern lässt Schweinsteiger zu ManUnited ziehen

Die Ära Schweinsteiger ist beendet: Nach 17 Jahren in München sucht der DFB-Kapitän eine letzte Herausforderung bei ManUnited. Der Blitz-Transfer weckt Emotionen und macht – nüchtern betrachtet – Sinn für alle Parteien.
Update: 11.07.2015 - 21:01 Uhr Kommentieren
Seit seinem Karrierebeginn 2002 spielt Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern München. Quelle: dpa
Heimatverein

Seit seinem Karrierebeginn 2002 spielt Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern München.

(Foto: dpa)

BerlinAls die bisherigen Kollegen bei Kaiserwetter einzeln unter dem Jubel der Fans in die Münchner Fußball-Arena einliefen, war die Ära von Club-Ikone Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern bereits abrupt beendet. Nach 17 Jahren beim deutschen Rekordchampion sucht der 30 Jahre alte Weltmeister eine neue und zugleich wohl letzte Herausforderung beim englischen Rekordmeister Manchester United.

Vom Bayern-Rot ins rote Dress der „Red Devils“ - Schweinsteigers Blitzabschied aus München ist ein echter Transfer-Paukenschlag. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gehe aber auf eigenen Wunsch, wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge an einem bewegenden Samstag versicherte.

„Wir wären ein bisschen hartherzig, wenn wir dem einen Riegel vorschieben würden“, rief er den über 60.000 Anhängern in der Allianz Arena zu, als er nach einigen Pfiffen um Verständnis für die Zustimmung des Vereins warb. „Ich habe Verständnis, dass das bei den Fans zu großen Diskussionen führt“, sagte Rummenigge.

„Basti ist jetzt schon eine Ikone“
Joachim Löw (Bundestrainer)
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„Basti ist ein absoluter Leader und Weltklassespieler, der jeder Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann, selbstverständlich auch Manchester United. Er kennt Louis van Gaal, der ihn unbedingt haben wollte, das sind gute Voraussetzungen. Ich bin davon überzeugt, dass der neue Reiz der Premier League Basti gut tun wird, ich weiß von ihm, dass er noch große Ambitionen und Ziele hat. Er wird sich der neuen Herausforderung in England so stellen, wie wir ihn kennen: mit Hingabe und hoch motiviert. Ich verspreche mir davon bei ihm auch einen weiteren Schub und Ansporn, auch in Hinblick auf die Europameisterschaft in Frankreich, bei der wir auf ihn setzen und er die Nationalmannschaft anführen soll. Für den FC Bayern und die Bundesliga ist sein Weggang ohne Frage ein Verlust.“

Oliver Bierhoff (Nationalmannschaftsmanager)
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„Ich kann gut verstehen, dass Basti seiner großartigen Karriere auch noch ein Kapitel in der Premier League hinzufügen möchte. Manchester United ist wie der FC Bayern ein Weltklub. Die Engländer können sich auf ihn freuen, einer wie Basti, der von seiner Leidenschaft lebt, wird sich dort schnell einfügen. Ich sehe eine Auslandserfahrung grundsätzlich immer positiv, der Blick über den Tellerrand bringt einen immer voran, nicht nur als Sportler, sondern auch als Persönlichkeit. Dass Basti noch einmal einen solchen Schritt macht, zeugt von seinem großen Antrieb, noch viel erreichen zu wollen.“

Karl-Heinz Rummenigge
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„Wir haben uns in großer Freundschaft verabschiedet. Wir haben versucht, ihn zu überzeugen, bei Bayern München zu bleiben, aber er möchte einfach am Ende seiner Karriere noch einmal was Neues machen. Die neue Aufgabe wird ihm gut tun – auf und außerhalb des Platzes. Und davon wird auch die Nationalmannschaft profitieren. Dass er vor dem Trainer geflüchtet ist, kann man total vergessen. Bastian ist ein wunderbarer Mensch. Wenn er Lust hat, beim FC Bayern eine zweite Karriere zu starten, steht die Tür für ihn auf.“

Matthias Sammer (Sportdirektor Bayern München)
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„Bastian ist jetzt schon eine Ikone. Aber wir haben in Qualität und Quantität eine hervorragende Mannschaft mit einer sehr guten und gesunden Altersstruktur. Wir werden uns in aller Ruhe überlegen: Ist noch etwas zu tun? Basti ist nicht 1:1 zu ersetzen in seiner Persönlichkeit, aber wir haben eine sehr gute Struktur und Mischung. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir (auf dem Transfermarkt, d. Red.) noch einmal etwas Außergewöhnliches machen müssen.“

Das Angebot eines persönlichen Abschieds von den Bayern-Fans, die den Vize-Kapitän als „Fußball-Gott“ verehrten, hatte Schweinsteiger ausgeschlagen. „Bastian ist da ein sehr sensibler Mensch“, bemerkte Rummenigge. In einem „sehr seriösen und ausführlichen Gespräch“ hatte der Ur-Bayer dem Bayern-Chef am Freitag eröffnet, die reizvolle Erfahrung im Ausland machen zu wollen und das lukrative Angebot von ManUnited anzunehmen. Sein neues Heimstadion, das Old Trafford, nannte er auf der Bayern-Website als eines seiner Lieblingsstadien.

Ein Jahr vor Vertragsende wechselt der Mittelfeldspieler vermutlich für drei Jahre und eine Ablösesumme von geschätzt 18 bis 20 Millionen Euro in die Premier League. Man habe mit Manchester „eine sehr faire, sehr seriöse Lösung gefunden“, berichtete Rummenigge.

ManUnited bestätigte am Abend via Twitter die Einigung mit dem FC Bayern über den Transfer Schweinsteigers. Sowohl der Medizincheck als auch die Klärung persönlicher Detailfragen stünden allerdings noch aus.

„Er will einfach diese neue Erfahrung machen. Es ist eine Erfahrung, die ihm in seinem Leben gut tun wird“, sagte Rummenigge, der die „Identifikationsfigur“ Schweinsteiger zum Abschied rühmte. „Bastian war bei uns ein extrem verdienter Spieler. Er hat Großartiges geleistet für Bayern München und alles, was man gewinnen kann im Clubfußball, gewonnen.“ Club-Weltmeister, Champions-League-Sieger, achtmal deutscher Meister, siebenmal Pokalsieger - und als Höhepunkt das historische Triple 2013 unter Trainer Jupp Heynckes.

Die Tür ist immer auf
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